Nicht Staatsausgaben und Geldschöpfung zusammen tun

Silke, Samstag, 15.09.2018, 03:06 (vor 688 Tagen) @ Phoenix53962 Views
bearbeitet von Silke, Samstag, 15.09.2018, 03:59

Lieber Phoenix5

Zuerst Aktivtausch: ZB-Geld wandert auf Staatskonto, Anleihe auf
Aktviseite der Bank.

Staat bekommt beim Anleiheverkauf Guthaben von Geldeinheiten vom Anleihekäufer über "Bundesrepublik Deutschland – Finanzagentur GmbH" (kurz: Deutsche Finanzagentur).
Ich habe mich schon neulich über deine Frage gewundert. Entweder ich verstehe es nicht (wäre ok) oder du (wäre schade, aber korrigierbar).

Wenn der Staat dann seine Rechnungen tätigt, tut er
das mit ZB-Geld, das dort auf den betreffenden Konten als Sichtguthaben
erscheint.

Nein.
Staat (Summe seiner Ämter und Behörden) zahlt Rechnungen wie Privatpersonen per Überweisung von einer seiner GB's mit Bankguthaben von Geldeinheiten an denen in Mindestreservehöhe ZB-Guthaben klebt.
Staatliche Stellen zahlen imho. keine Rechnung mit ZB-Geld.
Staat und ZB sind keine Einheit.

ZB und Staat

Genau - Staat und Notenbank sind eine Einheit.

Nein. Sonst wären Aktionäre und ihre AGs auch eine Einheit, was nicht der Fall ist.

Die Notenbank ist die
Hausbank des Staates,

Ja.

und dabei gibt es keine Kreditlimit.

Es gibt überhaupt keinen ZB-Kredit an den Staat. Beweis: Bilanz Buba 07: Position 8 aktiv: Forderungen an den Bund = 4,4 Mrd (stammen aus der Ausgleichsforderung ex Währungsreform 1948). Und sonst kein Cent.

Wie Du
wahrscheinlich bei den Post-Keynsianern lesen konntest, wird jede
Auszahlung des Staates über sein Konto bei der Notenbank (ähnlich wie jede
Geschäftsbank ein Konto bei der Notenbank hat) abgewickelt. Die Emmission
von Anleihen erfolgt nicht um die Ausgaben des Staates zu finanzieren,
sondern um negative Salden im NB-Konto glattzustellen.

Das alles läuft nicht über die Bilanz der ZB. Der Staat kann sich nur über den KM oder Banken finanzieren.
Es läuft immer Staat - Banken/KM - ZB und vice versa.
@dottore

Ergo sieht die Bilanz am Ende so aus, als hätte die betreffende
Bank einen Kredit an den Staat vergeben: Aktiv steht die Staatsanleihe,
Passiv das Giralgeld.

Staatsanleihen werden mit Guthaben von Geldeinheiten bezahlt und nicht mit ZB-Geld.
Mit Guthaben von Geldeinheiten zahlt Staat (Summe seiner bezahlenden Ämter und Behörden) auch Rechnungen.
An allen klebt per Mindestreserve aller Systemteilnehmer das nötige ZB-Guthaben.
Wenn ich als Einrichtungshaus einen Bürotisch liefere bekomme ich kein ZB-Guthaben sondern schnödes Guthaben von Geldeinheiten von irgendeiner geschäftsbesorgenden Sparkasse des belieferten staatlichen Amtes. Gleiches gilt für ein G36 oder eine Staatskarosse.
Anders gesprochen: Eine Rechnung wird vom "Amt für soundso" (Staat) nicht mit ZB-Geld bezahlt sondern per Überweisung (Guthaben von Geldeinheiten) beglichen (nur diese kommen doch auch von den Besteuerungen und von der Aufschuldung (Staatsanleihenverkauf) beim Staat herein und kein ZB-Guthaben.
Selbst die Zentralbank zahlt Rechnungen nicht mit ZB-Guthaben.

Er prolongiert nur – zahlt also
nur die Zinsen der alten Kredite mit neuen Krediten. Schau dir die
Staatsverschuldung seit Aufgabe der Goldbindung an und du weißt

woher

die

Inflation kam.


Welche Inflation?
Meinst du den Monopolpreisanstieg?
Inflation und Deflation sind keine monetären Phänomene.


Das überdenkst du spätestens, wenn die Helikopter fliegen. Auch dottore
hat immer den Staat als Inflationsquelle angegeben.

Keine Helikopter sondern QE in 10-100fachem Ausmaß.
Helikopter = keine Schuldhinterlegung der Scheine = Hyperinflation
QE = Schuldhinterlegung jeder neu rein gepressten beliebig hohen Summe Liquidität (wenn auch immer fragwürdigere Schuldtitel wie Staats- und Unternehmensanleihen immer schlechterer Bonität als Hinterlegung dienen)
Das ist ein riesiger Unterschied, da keine Hyperinflation losschnurren kann.

Nur er konsumiert, ohne
zu leisten.

Ja.
Da sind sich alle hier einig außer die Staatsfetischisten.

Kurzum: Das intensive Studium der Entwicklung 1914/1923 bestärkt mich
mehr denn je in meiner Einschätzung, dass wir den langen Marsch in die
deflationäre Depression vor uns haben und die beinahe schon mystischen
Erwartungen einer "Hyperinflation" noch dazu von einer "aus dem Stand"
Träumereien sind.

@dottore

Hat sich da etwas geändert?
Ich denke nicht.


So wie die Römer ihre Münzverschlechterung hatten, haben wir die
Druckerpresse...mit Feingespür angewendet führt sie uns - unterbrochen
von deflationären Schocks - immer weiter in die totale Armut und
Verelendung.

Wir haben keine Druckerpresse und das haben du und andere auch gut beschrieben. Das startet erst in der Endphase wenn Staat auf ZB zieht wie Frau Wagenknecht immer möchte.
Moderne "Münzverschlechterung" machen wir dank moderner geldpolitischer Operationen (das Nominal bleib gleich, Inhalt wird von exzellent zu immer mehr Schrott).

Totale Armut und Verelendung bekommen wir natürlich in der DeDe in der wir schon stecken.

Ich würde dir gern mehr helfen bei der Verteidigung dieser wichtigen Ansätze im Forum und habe kein Interesse daran, häppchenweise gegen dich zu argumentieren wie andere, die nur falsch,falsch,falsch behaupten anstatt selbst zu liefern, wie es in einem Forum üblich sein sollte.
Das kann ich aber nicht leisten.
So bleibt es nur beim Hinterfragen.
Zeitmangel für Nach- und Einlesen ist bei vielen hier ein großes Problem bei dieser schwierigen Materie.
Du schreibst ja selbst von einer abstrakteren Metaebene.
Genau da befindet sich Geld (kein Ding sondern Summe von Verhältnissen) und nicht:
- in der Brieftasche in Form von Scheinen und Münzen oder
- auf einem Konto einer GB in Form von Guthaben auf Geldeinheiten oder
- auf einem ZB-Konto in Form von ZB-Guthaben.
Das ist alles kein Geld (Passivum) sondern nur Guthaben auf und Beurkundungen von...
"Die Systemeigenschaft des Geldes ist Machtzession der Zentralmacht.
Geld wird nicht bereits durch Ansprüche (Guthaben) und Verbindlichkeiten (Kredit) Privater begründet, sondern erst dadurch, dass die Zentralmacht die Geldeinheit per Machtakt zediert (über geldpolitische Operationen, Erfüllung der Zugangsvoraussetzungen).
Sie leitet es als Passivum via geldpolitischer Operationen über autorisierte Zentralbank aus der Zentralmachtposition ab. Weil die Geldeinheit Kapital = Macht ist und kein bewertbarer Vermögensgegenstand.
Die Zentralmacht ermöglicht Rechtssicherheit. Die an Zugangsvoraussetzungen geknüpften, zedierten Machteinheiten in Form von Geldeinheiten, sie erfüllen auf Geldeinheiten lautende Schuldkontrakte. Basis (Zentralmacht) und Derivat (Machtzession).

Die Möglichkeit zur Entschuldung (wie du oben ja selbst die zentrale
Handlungsfähigkeit begründest) bieten Bankguthaben durchaus.

Nein, die bieten sie systematisch nachvollzogen, weil immer die zweite Stufe berührt werden muss (intern Saldierung, extern Zentralbankgeldbedarf) alleine nicht."
@Ashitaka

Liebe Grüße
Silke


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