Es wird nicht klarer.

nereus, Donnerstag, 08.11.2018, 13:48 (vor 638 Tagen) @ Silke2641 Views

Hallo Silke!

Du beziehst Dich auch @Ashitaka, der schreibt: Die aktivierten Scheidemünzen sind kein Geld, ebenso wie die Banknoten nicht das das Geld sind. Beides sind Beurkundungen (Prägungen) des Geldes, weshalb sie Münzen (moneta = Erinnerung) oder Note heißen.

Wenn Du das zitierst, scheinst Du Dich mit dieser Aussage einverstanden zu erklären.
Scheidemünzen sind demnach kein Geld, sondern das sind Beurkundungen.
Auch nicht übel.
Da werde ich heute Abend an der Kasse vorsichtshalber nachfragen, ob ich auch mit meinen Urkunden zahlen kann. [[lach]]

Wenn das unglaublich klingt, dann gehe bitte der debitistischen Frage nach, ob eine Scheidemünze ohne ein Schuldverhältnis, das die Zentralbank akzeptiert, überhaupt in Umlauf kommen kann. Gibt es jemanden, der sie ohne Schuldverhältnis verschenkt? Wie Dottore schon erklärte, springt weder eine Münze, noch eine Eurobanknote netto in die Welt, sondern kann als Zahlungsmittel nur dadurch in Umlauf gebracht werden, dass sich jemand entsprechend verschuldet.

OK, lassen wir es so stehen.
Nur hatte ich eben den Meister höchstpersönlich zitiert.
Das Nettogeld war nicht mir sondern ihm eingefallen. [[zwinker]]

Merke: Alles was Falschgeld ist, ist Nettogeld, egal ob das nun ein Fälscher oder ein Staat in Umlauf bringt. Falschgeld/Nettogeld ist nicht mit Schuldtiteln = Leistungsversprechen hinterlegt.

Danke für diesen Einwand.
Geld ist also das, was aus Schuldtiteln/Leistungsversprechen generiert wird.
Dabei hinterfragt der Debitismus erstaunlicherweise sehr selten die Werthaltigkeit dieser Versprechen, wie wir anschaulich bei den Diskussionen zum „Geld aus dem Nichts“ erleben durften.

Ich habe das damals nicht verstanden und verstehe es bis heute nicht.
Diese Begriffshuberei, welche selbst erhebliche Unschärfen aufweist (siehe Nettogeld, wo @dottore sich selbst widersprüchlich äußert) hat Vorrang vor der pragmatischen Überlegung.
Dabei verweisen die Debitisten – entgegen ihrer definitorischen Spezialitäten - immer wieder gerne auf die bewaffnete Macht und sprechen von der Wirksamkeit der Macht aus den Gewehrläufen.

Diese Leistungsversprechen, die sich damit als vollständig hohl erweisen, MÜSSEN im Notfall gewalttätig durchgesetzt werden, weil sie sonst in Form ihrer emanierten Geldblüten – DIE DOCH NUN GERADE GELTEN MÜSSEN - keine Wirkung entfalten, denn das Vertrauen, welches ursprünglich die Werthaltigkeit begründen sollte, ist längst dahin gegangen.

Siehst Du das Problem, liebe Silke?
Hier paßt etwas nicht.

Damit landen wir wieder bei der DDR, die ihrem Geld keine werthaltigen Eigentumstitel unterlegte.
Aber sie mußte das auch nicht, denn die Ostmark GALT auch so – 40 Jahre lang für etwa 17 Millionen Menschen.

Ich weiß schon, bei Dir ist das jetzt Falsch- oder Nettogeld, aber es nützt nichts, die Ostmark war nun einmal GESETZLICH als Zahlungsmittel festgelegt und galt ebenso als Verrechnungseinheit bei der Steuererhebung und im Warenverkehr.
Und wer legt fest, welches Zahlungsmittel gilt?
Der Staat.
Oder war die DDR kein Staat? [[hae]]

Ich hatte schon zuvor auf die Rede von Frau Wittkowski, der Staatsbank-Chefin, verwiesen, die gesagt hatte:
Der Kredit ist nicht unerschöpflich. Seine Aufgabe besteht darin alle effektiven Vorgänge zu fördern. Leider ist die Zahl derer nicht klein, die noch immer versuchen über den Kredit eine bequeme Lösung zu finden, um den ökonomischen Druck zur Erreichung einer hohen Effektivität in der wissenschaftlich-technischen Revolution auszuweichen.

Quelle: https://books.google.de/books?id=0-XnkBy6pcwC&pg=PA97&lpg=PA97&dq=unternehm...

Wenn nun, liebe Silke, nach Deiner Ansicht der Kredit (und damit das Geld) im Sozialismus doch unerschöpflich ist – man kann ja drucken ohne Ende, da die werthaltige Besicherung FEHLT – dann frage ich Dich, warum hat die Staatsbänkerin sich darüber einen Kopf gemacht?
Und was meinte sie mit ökonomischen Druck?
Nach der Falschgeldtheorie kann es einen solchen Druck im Sozialismus überhaupt nicht geben.

Und noch etwas Interessantes erwähnte Frau Wittkowski in ihrer Rede.

Man ist äußert erfinderisch .. daß längere Kreditlaufzeiten etwas sehr Angenehmes sind und das man am besten keine Zinsen zahlt.

Quelle: wie oben

Lange Laufzeiten und keine Zinsen?
Woran erinnert mich das bloß?
Frau Wittkowski, geborene Draghi?
Ist das ihr unehelicher Sohn oder ihr Schwiegersohn? [[freude]]

Den Notausgang zur Werthaltigkeit des Geldes betoniere ich schon einmal präventiv zu, denn die spielt bei der Gelddefinition keine Rolle – siehe Alu-Chips oder griechische Drachme.
Und gerade die Deutschen haben mehrfach schmerzlich erfahren müssen, wie ihre konvertiblen und nicht konvertiblen Währungen NACHEINANDER in die Grütze fuhren.

Du hast dich um die Frage gedrückt, warum die DDR aus deiner Sicht untergegangen sein könnte.

Nein, ich drücke mich nicht um diese Frage, sondern ich würde gerne erst einmal eine Diskussion zu Ende führen und dann ein neue beginnen.

mfG
nereus


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