Alles richtig Nereus! Ad Sozialismus und Abgabe

Phoenix5, Mittwoch, 12.09.2018, 18:20 (vor 691 Tagen) @ nereus4484 Views
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 12.09.2018, 18:34

Ich muss mich kurz halten. Mir fehlt wirklich die Zeit hier alle Fragen zu beantworten und appelliere an die verbliebenen Debitisten im Forum hier auch mal einzuspringen.

Wenn ich das so lese, dann spielen die Abgaben beim Geld und dessen
Entstehung offenbar doch nicht so die große Rolle, den REFINANZIEREN
mußte sich auch der DDR-Staat und genau deshalb gab es dort auch eine
Besteuerung!
Auch im Sozialismus wurde nicht von der Luft gelebt.
Das Vergammeln der ostdeutschen Infrastruktur werde ich nicht in Zweifel
ziehen, aber wenn man sich diverse Ecken in den USA und Italien anschaut
und da diese Länder beide GELD verwenden - jedenfalls wurde noch nichts
Gegenteiliges behauptet - sehe ich hier keine unmittelbaren Zusammenhänge,
denn die Mittelverwendung hat nichts mit dem Begriff Geld an sich zu tun.

Da sind wir ja beim Punkt. Der Sozialismus ist eine neuzeitliche Anomalie. Eine Kopfgeburt von Theoretikern, die keine Ahnung haben, was Geld ist. Genau deshalb scheitert der Sozialismus ja innerhalb weniger Jahrzehnte und spielt historisch nicht die geringste Rolle, ganz im Gegensatz zum Feudalismus, der zwar auch kein Eigentum kennt, aber auf Überschuss produziert (Abgabe wird abgefordert) und dem deshalb eine sehr lange Lebensdauer beschieden ist (bis er durch Revolutionen vom Kapitalismus abgelöst wird -> individuelles Wirtschaften zur Maximierung der Besteuerungsbasis durch den Staat).

Der Sozialismus ist ein Irrtum. Er zwingt die Menschen nicht zu einer Abgabe, die automatisch einen Leistungszwang nach sich zieht, sondern glaubt, dass er die Menschen durch Propaganda und Drohung zum Arbeiten motivieren kann. Die Folge sind aufgeblähte Betriebe, in denen jeder schaut, wie er sich ein möglichst stressfreies Leben einrichten kann. Ich durfte einen Menschen kennenlernen, dessen Aufgabe es war, nach dem Zusammenbruch der DDR, die Betriebe "kapitalismus-fit" zu machen. Er erzählte mir, wie sie da Betriebe mit 700 Mann auf 70 Mann herunterrationalisieren konnten, ohne dass dabei die Produktivität darunter litt. Das muss man sich einmal vorstellen!

Es versteht sich von selbst, dass eine Besteuerung von Gutscheinen,
die eine Jahresproduktion abbilden sollen, bloß Mangel erzeugt, denn diese
Gutscheine fehlen ja dann dem Volk.

Ich finde etwas schade, daß Du jetzt auf die moralische Schiene
ausweichst, denn wir wollten ursprünglich vom Geld reden und nicht von gut
oder schlecht bzw. Überschuss oder Mangel.

Das ist keine moralische Schiene. Im Herzen wäre ich immer Sozialist gewesen, würde er denn funktionieren. Aber das tut er nicht

Es gibt im Sozialismus also nicht die Erwirtschaftung von
einem Überschuss zur Steuerabführung,
sondern man nimmt einer
ohnehin schon auf Minimum laufenden Produktion noch ein Stück vom Kuchen
weg.

Und das ist JETZT auf einmal für die Definition von Geld wichtig, daß es
aus Überschüssen stammt?
Das wird ja immer interessanter!

Geld ist zuerst das Surplus an den Staat. Im Sozialismus gibt es kein Surplus, sondern leben von der Substanz bis nichts mehr übrig ist.

Erst war das beleihbare Eigentum der entscheidende Punkt.
Später waren die staatlich erzwungenen Abgaben das Ei des Kolumbus und
als ich diesen Punkt konkret für den Sozialismus hinterfrage, dann wird
plötzlich auf die Abgabe von Überschüssen abgestellt.

Wie gesagt: Der Sozialismus ist ein Experiment - mehr nicht. Er beweist mit seinem raschen Scheitern die Richtigkeit des Debitismus. Das gleiche würde übrigens passieren, wenn wir ein libertäres Projekt starten würden, in welchem die Menschen ohne Staat Gold gegen Waren tauschen sollen. Diesem wären nicht einmal wenige Jahre beschieden. Da waren die Sozis weiter. Die wussten, dass Geld in irgendeinerweise mit der Produktivität eines Landes zusammenhing. Sie wussten nur nicht genau wie.


Beste Grüße
Phoenix5

--
Ein Buch für Keinen - Der Kapitalismus nach Paul C. Martin


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