Der Wadenbeißer ist wieder da. ;-)

nereus, Dienstag, 25.09.2018, 09:39 (vor 682 Tagen) @ Silke2789 Views

Hallo Silke!

Danke für die umfangreiche Antwort.
Ich hatte inzwischen sogar eine noch umfangreiche Reaktion formuliert, aber es dürfte wenig Sinn ergeben, diese ins Forum einzustellen, um dann ggf. auf eine noch umfangreichere Erwiderung zu warten. [[zwinker]]

Das wäre dann wie mit dem Beispiel von @dottore, wo er von den Brezeln spricht, die irgendwann via LKW auf den Hof gekippt werden müssen, um das letzte Geschenk – damals ging es um Schenkungen auf irgendeiner Pazifikinsel - nochmals zu übertreffen.

Daher versuche ich die Problematik jetzt anders aufzuziehen, so daß sie les- und überschaubar bleibt. Nichtsdestoweniger werden ich das Frage-Antwort Spiel nicht ganz beenden können, denn irgendwie muß ja schließlich kommuniziert werden.

Habe ich das richtig verstanden, daß Reichtum und der Wille nach immer mehr – der dann laut Marx auch zum eigenen Galgen führen kann – schlicht und ergreifend mit dem Willen Urschuld zu tilgen gleichzusetzen ist?
Das indizieren die von Dir gelobten Antworten von @Mephisto ebenso wie Deine eigenen.

Ich lag daher bislang falsch anzunehmen, das Urschuld-Tilgung lediglich auf Überlebenswillen abstellt, die zur Existenzerhaltung ZWINGEND ist.
Nein, Urschuld-Tilgung ist auch der Besitz von mehreren Privat-Jets und die mühselige „Bewohnung“ von Immobilien rund um den Erdball.

Damit ich keiner fehlerhaften Interpretation bezichtigt werden kann, zitiere ich nochmals kurz.
Ich schrieb: Die Bewunderung des schnellen Autos, der mondänen Yacht oder des illustren Anwesens hat absolut NICHTS mit Termindruck zu tun.

Du antwortest: Doch, doch - "haben müssen" wegen Persönlichkeitsstörung oder Gruppendynamik (definiert seinen Selbstwert über diese Klischees).

Da diese (neue) Erkenntnis nun geräuschlos unter das Volk zu bringen ist, spricht man jetzt von Krankheit (Willst Du etwa dem Zuckerkranken das Insulin verwehren?),
was darauf hinausläuft, daß die Kritik an maßloser Bereicherung eigentlich in Wahrheit dem Wegnehmen der Pillenschachtel entspräche, die dem Bedürftigen vorenthalten würde.
Wissen das eigentlich Oskar Lafontaine und seine holde Sarah schon?

Das hatte ich bislang nicht auf dem Schirm und darauf läßt sich zweifellos aufbauen und da Krankheit oftmals als lästig empfunden wird, würde ich mich für einen Heilungsprozeß stark machen, aber dazu vielleicht ein anderes Mal mehr. [[zwinker]]

Aber zurück zu den Begriffen ums Geld, ich will das ja verstehen, was es ist und wie es in die Welt kam, also ich meine jetzt echtes Geld.

Gilt noch die These, daß die Entstehung des Geldes mit der „Erfindung“ der Abgaben zu erklären ist, d.h. nur der Abgabenzwang generiert die Geldentstehung, die zuvor in Naturalien erfolgte und später (der Vereinheitlichung wegen) in rechtsgültigem GELD?

Wenn das so ist, dann mache ich doch noch mal den kleinen lästigen Wadenbeißer.
Abgaben existierten auch in der DDR.
Und diese Abgaben sorgten dafür, daß dieser Feldversuch einer neuen Gesellschaftsordnung immerhin 40 Jahre existieren konnte, trotz ständiger Wurst aus dem Westen vor der Nase.

Was sich meiner Ansicht nach kaum leugnen läßt, ist der Umstand, daß sich auch die DDR-Staatsbürokratie über die Steuereinnahmen refinanzierte und somit sozialistische Wohltaten unters Volk streute, auch wenn diese meistens recht kläglich ausfielen.
Hätte diese Reihenfolge – Leistungserzwingung > Abgabe > Kosten der Bürokratie - Rückführung ans Volk nicht existiert, wäre die Veranstaltung nach 1 Woche beendet gewesen und die Spree zeitweise rot gefärbt.
An der Feststellung, daß Abgaben in beiden deutschen Teilstaaten erhoben wurden – um überhaupt zu EXISTIREN - und somit für beide die gleiche Grundlage gegeben war als Basis für Geld herzuhalten, ändert sich damit für mich nichts.

Unter welchen Umständen die nötige Leistung/Arbeit erbracht werden mußte, kann dann für die Theorie keine Rolle spielen, denn ob man unter Peitschenhieben das Fundament eines Hauses aushebt oder mit einem fröhlich Lied auf den Lippen ist belanglos, wenn am Ende das fertige Haus VERKAUFT werden kann, was natürlich für jede andere marktfähige Ware ebenso gilt, egal ob die Klamotten in Pakistan in einer einsturzgefährdeten Fabrik genäht werden, von Gefangenen in China erzeugt oder mit deutlich besserer Bezahlung in Stuttgart-Zuffenhausen.

Du bezeichnest die sozialistischen Steuern aber als Abziehen von Bezugsmarken.
Ich verstehe das nach wie vor nicht, daher rekapituliere ich.

Wenn GELD gelten soll, muß es GÜLTIG sein, nicht wahr?
Und über die GÜLTIGKEIT des GELDES verfügt wer, liebe Silke?
Genau, die Abgaben fordernde Staatsmacht.
Nichts anderes machte die DDR.
Daher verwies ich auch auf Steuertatbestand, Steuergrund und Besteuerungsvoraussetzung, die es selbstverständlich auch im Westen gab und gibt.
Ich kann daher dieser Einlassung immer noch nicht folgen.

Warenbezugsmarkenanteile funktionieren nicht als Abgabemittel - man hat keine Währung, da währt nichts außer der ins Inland festgelegte EVP.

Heißt das jetzt, daß die Abgabe nicht mehr so gaaanz wichtig ist sondern viel eher die Konvertibiltät des Geldes?
Du weißt aber schon, daß die bundesdeutsche D-Mark bis 1958 NICHT konvertibel gewesen war, oder?
Bis dahin war die D-Mark eine Binnenwährung.
Wenn nun plötzlich die Abgabe in den Hintergrund tritt und dafür die konvertibare Devisen-Eigenschaft ins Licht tritt – dann stellt sich doch die Frage, womit zahlte der Bundesbürger eigentlich zwischen 1949 und 1958?
Waren das dann auch nur Warenbezugsscheine?

Bezugsmarken generieren keine Zinsforderungen.

Wenn das so ist, wie konnten dann aus den Bezugsmarken der DDR mit nicht existierenden Krediten plötzlich rechtsgültige VERBINDLICHKEITEN in der BRD in Höhe von 36 Milliarden DM entstehen, die auf die Wohnungsbaugesellschaften 1990 übertragen wurden? [[hae]]

Ich schrieb dann noch: Doch in der DDR gab es selbstverständlich auch Kredite, wie wir u.a. einer Geheimrede der Chefin der Staatsbank (Margarete Wittkowski) von 1970
entnehmen können.

Du schreibst: Das waren Gutschriften von Bezugsmarken, die gegen Abgabe von Bezugsmarkenteile ausgereicht wurden wenn z.B. jung und glücklich geheiratet wurde.

Ich wiederhole die obenstehende Frage.
Wie konnten aus dem Monopoly-Geld reale Geldgrößen entstehen, die zu echten FORDERUNGEN mutierten?
Das galt auch für die Kombinats- und Betriebskredite der DDR, die unweigerlich zum Untergang vieler Firmen führen mußte, denn Rücklagen konnten Firmen in der DDR nicht bilden.
Ich schrieb dann noch: Kosten, Gewinne, Kredit, Liquidität!
Das sind alles Parameter eines organisierten Geld- und Kreditwesens.

Du antwortest: Das sind alles Fehlbezeichnungen.

Dann hat man bei der Wiedervereinigung offenbar mit hoher krimineller Energie gearbeitet, denn man hat aus Warenbezugsscheinen und unechten Zinsforderungen auf irreale Kredite richtig Kohle generiert und die deutschen Banken waren darüber sichtlich zufrieden.

Ich stelle fest, das Thema ist noch immer nicht geklärt, weil – ich muß das jetzt mal so formulieren – eine aufrichtige Analyse konsequent verweigert wird.

Ich denke, dass vor allem die Begriffe wie Geld, Kredit und Zins in der Literatur in Bezug auf die DDR überhaupt nicht passen.

Richtig begründet wird das allerdings nicht, es werden immer nur Pappkameraden aufgebaut und von richtigem oder falschem Geld, Kredit und Zins gesprochen, der sich quasi NATÜRLICH entwickeln muß, so wie das Blümelein sein Köpfchen erhebt, wenn die Sonne zu scheinen beginnt.

Am Schluß bittest Du: Das nächste Mal bitte pro Debitismus.

Wenn er bombenfest in der Erde steht, gerne.
Das könnte aber noch dauern. [[zwinker]]

mfG
nereus


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