Zuerst Kredit, dann Geld

Phoenix5, Freitag, 14.09.2018, 13:06 (vor 693 Tagen) @ paranoia4119 Views

Hallo Paranoia,

Hier ist mir unklar, was Du mit "sammelt das Bargeld am Markt ein" heißen
soll.
Es gibt unzählige Wege, an Geld zu kommen, siehe Hinweis auf
Bankenbilanzen.

Welche Wege du auch immer meinst - emittieren darf nur die Notenbank gegen Pfänder.

Das ändert nichts daran, dass, wie Mephistopheles auch sagt,
die Spareinlage chronologisch dem Kredit folgt und nicht umgekehrt. Was

die

Auch das ist nicht richtig. Einfach mal einen Blick auf die
Währungsreform werfen! Ohne Jetons gibt es kein Spiel in der Spielbank und
im DEM-Kapitalmarkt von 1948 genauso wenig.

Das war trotzdem ein Kredit der Notenbank an den Staat, gedeckt mit zukünftigen Steuereinnahmen (d.h. Leistung der Bevölkerung).

Erst das Gold, dann dessen Verleih.

Historisch ja (siehe PCM "Gewaltmetall Gold". Gold war Metall zur Fertigung von Waffen und wurde deshalb vom Staat ursprünglich abgefordert), aber es muss nicht notwendigerweise so sein. Stellen wir uns ein unterworfenes Volk vor, das zuvor noch nie von Gold gehört hat. Die Okkupatoren verlangen nun als Abgabe 1 Unze Gold im Monat. Wo bedarf es da einer Erstaustattung? Ein Teil der Leute beginnt für die Tilgung der Steuerschuld nach Gold zu buddeln und tauscht den Überschuss am Markt gegen Nahrung/Kleidung/etc. ein (Urschuld), ein anderer Teil bietet Waren und Dienstleistungen an, um es gegen das überschüssige Gold der Goldgräber zu tauschen. Gold und BIP haben wieder eine eindeutige Relation, die vom Markt bestimmt wird. Eine Erstaustattung braucht es dafür nicht. Auch eine Geschäftsbank würde keinen Goldbestand zu Beginn brauchen. Sie schreibt 100 Unzen Gold auf einen Zettel und muss abschätzen, ob der Markt ihre Aktiva (z.B. eine Immobilie) auch auf 100 Unzen schätzen würde. Wenn nämlich der Kreditnehmer mit dem Zettel zum Händler einkaufen geht und der Händler die Unzen dann sehen will, muss sie sich durch den Verkauf der Immobilie refinanzieren können.

Für Papiergeld lässt sich das Beispiel nicht 1:1 umlegen, weil historisch gewachsen (das Kopfgeld 1948 hatte ja auch eine eindeutige Relation zu den Forderungen/Verbindlichkeiten des alten Geldes) denn wie soll der Staat bei der tatsächlichen Stunde Null definieren, was 1 Euro ist. Dafür müsste er sich zu Beginn auf irgendeinen Standard beziehen (der zur Deckung der Urschuld notwendig ist, z.B. Nahrung oder Immobilien). Er könnte z.B. Staatseigentum willkürlich bewerten und dagegen Papiergeld emittieren (das dieses Staatseigentum auch tatsächlich kaufen könnte) und dann mehr Papiergeld zurückverlangen, als er ausgegeben hat.

Das sind aber eher theoretische Hirngespinste, weil es nur darum geht, wie der Staat zu Beginn Geld definiert. Sobald der Markt die eindeutigen Relationen zum BIP hergestellt hat, braucht keine Geschäftsbank mehr irgendwelche Einlagen von Sparern, sondern nur Vermögenswerte.

Erst die Bitcoins, dann irgendwann ein Bitcoin-Kapitalmarkt.

Klar. Bitcoins müssen überhaupt erst existieren, damit man weiß, was Bitcoins sind. Mit einer Erstaustattung hat das aber nichts zu tun.

Das sind zwei Möglichkeiten, die bilanziell einen Aktivtausch bewirken.
Es gibt aber auch die Möglichkeit der Bilanzverlängerung, die Du hier
auslässt.
Bitte mal einen Bankbilanz angucken!

Wie soll das zur debitistischen Stunde Null konkret aussehen?

Das Geld muss auf dem Konto der Bank sein, damit die Bank es auf Abruf des
Kreditnehmers auszahlen kann.

Das sehe ich anders.


Beste Grüße
Phoenix5

--
Ein Buch für Keinen - Der Kapitalismus nach Paul C. Martin


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