Wie ich schon bemerkte, "haben wollen" mit Termin und Sanktion ist "haben müssen".

Silke, Dienstag, 19.02.2019, 11:40 (vor 613 Tagen) @ Naclador3810 Views

Lieber Naclador,

Das ist selbst für eine Hardcore-Debitistin ein extremer Standpunkt. Kein
Wert ohne "haben müssen zum Termin"? Das gilt nur für zwei Kategorien von
Besitz: Für Schuldentilgungsmittel gegenüber der Zentralmacht (a.k.a.
Geld) und für Schuldentilgungsmittel bezüglich der Urschuld.

Und was sind so alles Schuldentilgungsmittel gegen Urschulden?

Alles andere, und das ist bei Weitem die größere Menge an Waren und
Dienstleistungen die ich einkaufe, muss ich nicht zum Termin haben.

Wenn du sie nicht haben musst verschaffst du sie dir nicht.
Das andere Extrem, das dazu kommt ist das Gefühl, dass dich befriedigt oder deine psychische Spannung abbaut, wenn du dir irgendetwas verschaffst wie ein Kleptomane oder der kaufsüchtige Elton John, bei dem es nicht um die Dinge und Leistungen geht.

Ich
muss sie überhaupt nicht haben. Ich will. Niemand zwingt mich dazu, Kaffee
zu trinken. Ich könnte meine Urschuld auch mit Wasser bedienen. Aber der
Kaffee schmeckt mir halt.

Ich schaffe mir mit meiner Ration eine Erklärung für meine Triebhaftigkeit.
Fakt ist aber, dass ich den Kaffe kaufte und darum nicht das Wasser das Entschuldungsmittel für das eben aufgeploppte Urschüldchen sein kann.

Sich entschulden zu können wird allerdings von viele Menschen als eine
sehr nützliche Angelegenheit erlebt, die für viele ziemlich knapp

sein

kann und deshalb auch subjektiv als sehr wertvoll erlebt wird obwohl

das

"nicht haben des Gesolltem zum Termin" nicht viel mit subjektivem

Erleben

zu tun hat, weil ja die Sanktion dann ziemlich objektiv erlitten werden
muss.


Das habe ich auch nicht geschrieben. Ich schrieb, dass der Wert jeder Ware
subjektiv ist, nämlich davon abhängt, was knapp und nützlich ist.

Und genau das habe ich eben beanstandet, auch wenn du sonst vieles richtig schreibst.
Ein Wert ist nicht subjektiv sondern das Verhältnis zwischen haben und nicht haben bei drohendem Termin samt Sanktion (die sind beide nicht subjektiv, deshalb kann die Ableitung daraus - der Wert schon gar nicht subjektiv sein. Die Bewertung mag ein sehr persönlicher Prozess sein in den viele Betrachtungen einfließen - aber subjektiv?. Wenn der Scheich ohne den neusten Rennwagen psychische Qualen leidet sind die doch nicht nur subjektiv erlebt - er durchleidet sie ganz konkret.
Knappheit gibt es ja laut @dottore und Co nur zum Termin.
Nützlichkeit gibt es im Debitismus nur in Bezug auf eine sanktionsbewerten Entschuldungsfähigkeit zum Termin, so wie Schneider sein Toilettenpapier.
Der Begriff Termin beinhaltet doch alle Augenblicke zu denen ich als Schuldner (Urschuld, Abgabeschuld, Kontraktschuld, religiöse Schuld) etwas muss um mich zu entschulden.

Nützlichkeit beinhaltet auch den Nutzen als Entschuldungsmittel.

Ausschliesslich, nicht "auch".

Bei Geld
ist das sogar der aussschließliche Nutzen.

Ja. Auch ausschliesslich.

In einem Zentralmachtsystem ist
Geld für alle Teilnehmer nützlich.

Nicht nur nützlich wenn sie Termine haben.

Vom Wert des haben einer Sache/Leistung im Vergleich zum nicht
haben zum Termin in Abhängigkeit zur zu erwartenden Sanktion - also

ein

Verhältnis (ein Wert ist immer ein Verhältnis).
Haben bei schlimmer drohender Sanktion = doll wertvoll,
Haben bei geringer drohender Sanktion = mässig wertvoll,
Nicht haben bei geringer drohender Sanktion = mässig negativ wertvoll,
Nicht haben bei schlimmer drohender Sanktion = doll negativ wertvoll


Dann dürfte ich niemals Geld für etwas ausgeben, dessen Nichthaben nicht
mit Sanktionen belegt ist.

Leute kaufen sich auch etwas um sich zu befriedigen. Sie versuchen, sich zu entschulden in Bezug auf psychische Spannungen, Missempfinden, Unglücklich sein - Termin ist dabei sofort, Sanktion das weitere Aushalten dieses unschönen Zustandes, den man erlebt wenn man das gemusste nicht hat.

Dann wäre meine Bude ziemlich leer. Es sei
denn, Du definierst "Sanktion" so weit, dass "Ausbleiben eines Genusses"
auch als Sanktion zählt.

Jetzt hast du es. :-)

Ein Clearing der Werte von zu Terminen gemussten Dingen oder Diensten.
Werden die gemusst dann wird man sich -wie auch immer- seeehr wohl
einigen.
Wenn ich nichts muss, also keinem Zeitablauf und Termin unterliege gibt

es

diesbezüglich weder Wert noch Preis und keinen Einigungsbedarf.


Wie trosinette schon anmerkte: In der Regel muss nur einer, nämlich der
Verkäufer der Ware oder Dienstleistung.

Beide müssen.
Wenn der @Bernd, den Frühstückstisch für seine liebe Frau gedeckt hat und nur noch das duftende Gebäck fehlt...dann muss er ganz schön doll…

Darum ist auch der Kunde König.
Der hat nämlich, was zum Termin haben gemusst wird, und soll es
rausrücken.

Er hat das, was die Debitisten die ewig laufende Option nennen (mit Schuldverhältnissen hinterlegt und institutionell besichert).

Diese Wertvorstellungen (Verhältnisbildung haben<->nicht haben)
existieren in Bezug auf alles um uns herum in einer Welt in der Zeit
abläuft - wir bewerten automatisch im Hinblick auf Termine und

Sanktionen

in Systemen.
Die Werte haften aber nicht den Dingen und Leistungen an,

sondern

hängen nur davon ab, wie sehr ich sie zum Termin haben muss um die
Sanktion zu vermeiden
(= Verhältnis zwischen haben und nicht

haben,

nicht vor dem Termin, nicht nach dem Termin, sondern genau zum Termin).

Auch hier: Das Möchten nicht vergessen. Werte entstehen nicht nur durch
"Haben Müssen", auch durch "Haben Wollen". Ein ganzer Industriezweig, die
Werbeindustrie, beschäftigt sich nur damit, uns "Wollen zu lassen".

"uns haben zu müssen" - es bleibt ja nicht beim wollen.

Das ist aber die Basis jeder Ökonomie und Geldwirtschaft und die
Erklärung dieses Tatbestandes ist nach meinem Verständnis Ziel dieses
Forums.


In der Tat, aber das bezieht sich nicht auf jede Ware oder Dienstleistung
sondern nur auf Geld. Das Geld ist regelmäßig das einzige, was "zum
Termin gehabt werden muss". Urschuldtilgungsmittel gibt es auch gegen Geld.

Viel verbreiterter auf der Welt als Abgabeschulden mit ihren Terminen sind die Urschulden aller Lebewesen, die eben auch Terminen unterliegen und einer Entschuldung bedürfen.
Einen Schluck Wasser in der Wüste gibt es für kein Geld der Welt wenn du Pech hast und ein freundliches Wort in der Betonwüste auch nicht.

Wahrscheinlich schreibe ich zu pingelig, aber sonst geraten wir doch in ein Wischiwaschi.
Auch ist mein Nörgeln nicht Ausdruck fehlender Wertschätzung dem anderen Foristen gegenüber.
Ich wertschätze ja, sonst würde ich mir nicht die Mühe einer Beantwortung machen.

Er hat sich nur im Datum geirrt.
Ansonsten hat er leider Recht.
Selbst wenn ein mehr oder weniger holpriges Hinübergleiten in ein
durchglobalisiertes Zentralmachtsystem gelingt muss dieses auch

letztlich

am seit tausenden von Jahren mit geschleppten Vorfinanzierungsproblem
verenden.


Oder man schafft einen geordneten Reset. Das scheitert leider regelmäßig
am Widerstand derer, die sich bereits den meisten Besitz unter den Nagel
reißen konnten.

Eigentum, ja.
Und an denen die hoffen, dass es ihnen mit diesem System auch noch gelingt.

Aber es wäre eine theoretische Möglichkeit. Natürlich
würde das nichts an der genzen Vorfinanzierungsproblematik ändern, aber
die Altlasten wären weg.

Wir brauchen ja nur praktische Möglichkeiten.
über die kann man sich aber erst einmal theoretisch austauschen.

Die Stefanie Stahl hat das mit unseren Grundbedürfnissen ganz gut auf
einen Punkt gebracht:
• Bindung
• Autonomie
• Lustbefriedigung
• Anerkennung

Wenn man sich ganz ehrlich überlegt, für wen von uns Erdenbürger

diese

Grundbedürfnisse halbwegs erfüllt werden...


Komisch, gemäß Deiner Prämissen sind alle vier wertlos, denn das System
sanktioniert Dich nicht wenn Du zum Termin keine Bindung, keine Autonomie,
keine Lustbefriedigung und keine Anerkennung aufzuweisen hast.

Diese Aussage verstehe ich nicht.
Ich weiss nur, dass die meisten Menschen von jung bis alt genau diese Bedürfnisse nicht im notwendigen Mass befriedigen können und deshalb auf untauglichen Ersatz zur echten Befriedigung ausweichen.

Wenn das System nicht mehr funktioniert gehen alle Werte auf 0 weil

unsere

Fallhöhe zu hoch angewachsen ist und immer rasanter weiter wächst.


Falsch. Urschuldtilgungsmittel haben auch dann noch einen Wert.

Prinzipiell ja, aber ohne Kohärenzgefühl?

"Das Kohärenzgefühl ist ein zentraler Aspekt in der Salutogenese von Aaron Antonovsky (1923–1994).[5] Nach Antonovsky hat Kohärenz drei Aspekte:
- Die Fähigkeit, die Zusammenhänge des Lebens zu verstehen – das Gefühl der Verstehbarkeit.
- Die Überzeugung, das eigene Leben gestalten zu können – das Gefühl der Handhabbarkeit oder Bewältigbarkeit (ähnlich dem Begriff der ‚Selbstwirksamkeitserwartung‘ nach Albert Bandura).
- Der Glaube an den Sinn des Lebens – das Gefühl der Sinnhaftigkeit."

Zumindest geht die Welt nicht wegen einer Meinungsverschiedenheit im

DGF

unter. [[herz]]


Das wohl nicht :-)

Genau. [[herz]]

Liebe Grüße
Silke


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