So lange dabei und doch nie versucht es zu verstehen

Phoenix5, Mittwoch, 13.02.2019, 10:21 (vor 619 Tagen) @ nereus5080 Views
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 13.02.2019, 11:16

Hallo Phoenix!

Du schreibst: .. dass Edelmetalle irgendeinen intrinsischen Wert
hätten.
PCM hat sogar Keilschrift-Tafeln aus Mesopotamien vorgestellt, aus denen
klar hervorgeht, dass dort Silber nur gegen Pfand herausgegeben wurde, d.h. > nichts anderes war als die Banknote heute (bloß unterschiedliches
Material).
Dabei müsstest du nicht einmal so weit zurückgehen. Es würde genügen,
die Abläufe im Goldstandard 1:1 aufzuschlüsseln.
Da würdest du draufkommen, dass Gold niemals Tauschmittel war, sondern
jedes Mal gegen Pfand von der ZB ausgegeben wurde.

Man glaubt es kaum, aber so steht es geschrieben.

Ja, so steht es geschrieben. Ich zitiere PCM aus "Gewaltmetall Gold":

»Es ist äußerst wichtig, darauf aufmerksam zu machen, dass auch in einem System mit Unter-100%-Golddeckung Banknoten nicht etwa ›als solche‹ verliehen werden, sondern immer nur gegen Pfand (andere ›Ware‹ in relativ stetigem Verhältnis zum Gold) bzw. dem Versprechen als Sicherheit, letztlich in etwas zurückzuzahlen, was in letzter Konsequenz wieder nur Gold sein kann. Man macht sich das am einfachsten klar, indem man auf der einen Seite ein Depot nimmt, das Marken mit 100% Deckung ausgibt und dann 10% zusätzliche Marken an ein Goldbergwerk ausgibt, das als Sicherheit das Versprechen im Depot (in Form eines Wechsels z.B.) hinterlegt, die 10% nach abgeschlossener Produktion zurückzugeben. Dann hat das Depot nach Ablauf des Versprechens 110% Deckung und kann weitere 10% Depositenscheine ausgeben bzw. die zehn Prozent zusätzlichen Metalls direkt ausgeben – als Kredit, der wiederum durch Pfand bzw. ein neues Zahlungsversprechen eines anderen besichert sein muss. Auf einen solchen Vorgang weist die […] vorgestellte Tontafel hin, wo der Tempel (Bank) an einen Zalilum 6 Shekel Silber verleiht, wobei der Kaufmann Agaya 5 Ar (»acres«) seines Feldes verpfändet. Abgesehen von der hier zunächst nicht weiter zu interessierenden Zinsfrage zeigt dieser Vorgang deutlich, dass die Hergabe von Silber (man könnte wahlweise einen Depotschein nehmen) seitens eines Depots nur möglich ist, nachdem Pfand geleistet wurde. Dieser Vorgang führt direkt zu Banknoten in heute aktuellen Geldsystemen, die ausschließlich gegen auf Pfandkonten der Notenbank liegende Sicherheiten erfolgt.«

Silber wurde nur gegen Pfand herausgegeben und Gold (später) offenbar
auch.
Aber einen intrinsischen Wert (innewohnend) haben beide Metalle nicht.
Darauf muß man erst einmal kommen.

Was soll denn dieser innewohnende Wert sein? Weil es so schön glitzert?
Ob Gold nun, wie PCM behauptet, ursprünglich abgefordert wurde, weil es Waffenmetall war (dann hätte es tatsächlich Wert, nämlich für den Staat) oder wie Heinsohn/Steiger behaupten, weil es fälschungssicherer war als Papier, ist nebensächlich, weil es völlig egal ist, was der Staat abfordert, solange daran eine Leistung gebunden ist, die mit Termin und Sanktion operiert.

Der Unsinn mit dem "intrinsischen Wert" lässt sich am besten widerlegen, wenn du dir einmal die Frage stellst, warum es eigentlich in staatenlosen Gemeinschaften anscheinend keine "Bedürfnisse" gibt (laut deinen Ökonomie-Helden ja der Antrieb des Kapitalismus), die für eine Mehrproduktion sorgen. Wie ist es möglich, dass Stämme Jahrtausende auf dem annähernd gleichen Niveau verharren, ohne innovativ zu sein, ohne ständig Mehrproduktion zu schaffen, um sie gegen irgendetwas tauschen zu können, ohne eine Infrastruktur zu schaffen, ohne irgendetwas auf die Beine zu stellen, während ein Staatssystem einer permanenten Dynamik unterliegt, die sich - sobald mit Eigentum gewirtschaftet wird - in die Exponentielle steigert (man schaue sich an, was der Kapitalismus im Westen seit seinen Anfängen im 13. Jahrhundert (Fernhandel Italien, Portugal) bis zur Industriellen Revolution und von da bis heute geleistet hat).

Niemand produziert in staatenlosen Gemeinschaften mehr als er braucht, um es danach auf einem Tauschmarkt (den es nie gab) einzutauschen - gar mit einem "universellen Tauschmittel". Und wenn niemand mehr produziert, wird er dir auch nichts von seinem Lebensnotwendigen abgeben für ein Metall, das für ihn bestenfalls Schmuckwert hat und ein Schmuckwert ist ein ideeller Wert. Eine Glasmurmel ist da - weil sie etwas neues, interessantes ist - bei weitem mehr wert als Gold (siehe Columbus).

Gold wurde in Staatsystemen abgefordert und deshalb war es Geld, weil man es haben musste. Mehr ist da nicht dahinter. Du konntest das Gold im Schweiße deines Angesichts selbst schürfen, um es dann gegen Güter des täglichen Bedarfs einzutauschen (andere müssen mehr leisten, um es gegen Gold zu tauschen), weil es andere haben MÜSSEN oder gegen Pfand leihen (und damit wiederum Leistung erbringen, um die Schuld zu tilgen). So entstanden Relationen zwischen dem erwirtschafteten Mehrwert und Gold (Angebot und Nachfrage). Gab es aufgrund von Missernten, etc. weniger Mehrproduktion, stand dieses "Weniger" einem "Mehr" an Gold gegenüber und Gold wertete ab. Führst du den Gedanken weiter, wird vielleicht klarer, dass ohne Mehrproduktion auch Gold keinen Wert hat. Niemand gibt dir freiwillig etwas von seiner Subsistenz.

Warum wurde dann aber ein Pfand verlangt, wenn ein Wert nicht existierte
und bis heute existiert?

Damit du Leistung erbringst. Soll dir der Staat das Gold schenken? Ah, ja - er soll es einfach austeilen, damit ihr damit Tauschhandel betreiben könnt gegen eine nichtexistente Mehrproduktion.

Und warum lagert dann Gold als wichtigstes Aktivum
in den Zentralbanken und warum wollen die doofen Zentralbänker einfach
nicht auf den Gelb-Kack verzichten?

Diversifikation, Spekulation auf steigende Preise und Vertrauensbildungsmaßnahme (aus historischen Gründen) in erster Linie. Vielleicht denken manche Staaten (sicher nicht im Westen) auch an eine Rückkehr zum Goldstandard (erst möglich nach Staatsbankrott - Gold würde das heute benötigte Wirtschafts- und Kreditwachstum radikal ausbremsen).

Die können doch Billionen von Banknoten – die ja nur ein Ersatz für
das mesopotamische Silber sind – drucken.

Ich habe nie die Vorteile eines Goldstandards bestritten. Das hat aber nichts damit zu tun, dass der "intrinsische Wert" von Gold so hoch ist. Gold ist einfach ein Metall ohne Nutzen, das schön funkelt. Ein Goldstandard ist sinnvoll, weil er die Zyklen aus Boom und Bust verkürzt (Goldlimitierung) und damit die Fallhöhe beim Crash. Dennoch ist das Gold nur der Wertträger (so wie Papier heute) und nicht selbst der Wert. Dass eine Abkehr vom Goldstandard einer gewissen inneren Notwendigkeit entspringt (Machterhalt durch Hinauszögern von Korrekturen, Möglichkeit exzessiver Staatsverschuldung für Kriegsführung, Bestechung der Wähler mit ihrem eigenen Geld in der Demokratie, etc.) sollte aber auch einleuchten.


...weil es eben nicht darum geht, den Wert von Edelmetall (den es ohne
Staat nicht hat) ..

Wahnsinn!
Einfach nur Wahnsinn.
Viele Grüße von Greta aus Schweden. [[lach]]

Besuche doch mal einen von der Zivilisation isolierten Stamm (ja, die gibt es noch) und versuche dort Gold gegen irgendetwas (das nicht Schmuck ist) einzutauschen. Viel Glück!

.. mit dem einer anderen Ware zu vergleichen, sondern darum, wieviel
Leistung ich erbringen muss, um an ein Metall zu gelangen, dass ein
Machtsystem zur Abgabe erklärt, um der Sanktion zu entgehen.

Das wurde aber fein gelernt.
Deswegen ist der Preis des Goldes auch so exorbitant gestiegen von 35 (als
es noch wichtig war) bis auf aktuell 1.313 US-Dollar (wo es nicht mehr
wichtig ist), weil es als Abgabe ausgedient hat.

Äh, ja. Wenn Geld existiert, kann man Dinge darin bepreisen. Überraschung! Die Bewertung von Gold beruht natürlich nur auf reinem Glauben (Angstmetall). Es soll ja auch Bilder mit einem einzigen Pinselstrich geben, die für Millionen über die Theke gehen. Übrigens eine tolle "Währung", dieses Gold: Schwankt zwischen 250$ und 1900$. Stell dir doch mal die Frage, warum es diese extremen Schwankungen (gemessen in Kaufkraft) im Goldstandard nicht gab. Vielleicht weil der Wert von Gold direkt an das Wirtschaftswachstum (ergo Mehrproduktion) gekoppelt war? Weil es das Wirtschaftswachstum war, das Gold bewertete und nicht umgekehrt?

Ich gehe außerdem davon aus, dass Gold noch die 3.000 - 5.000$ erklimmen wird. In einer echten Krise bekommst du dann aber für eine Unze bestenfalls einen Sack Kartoffeln.

Gruß
Phoenix5

--
Ein Buch für Keinen - Der Kapitalismus nach Paul C. Martin


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