Bodenverseuchung durch Solarmodule ist Fake-News

Ciliegia, Mittwoch, 08.08.2018, 14:40 (vor 784 Tagen) @ Olivia3071 Views
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 08.08.2018, 15:39

Hallo Olivia,

einen Aspekt aus Deinem Beitrag möchte ich herausgreifen, weil der in mein Fachgebiet fällt:

Dass der "Klimaschutz" dafür verantwortlich ist, (...) dass mithilfe von
Solarmodulen die Böden (durch REGEN) verseucht werden, davon höre
ich auch nichts.

Diese Information ist falsch, und daher möchte ich das gerne korrigieren!

Es ist in meinen Augen ein klares Beispiel von FAKE-News. Die dann ohne weitere Verifizierung einfach "nachgeplappert" werden (zuerst von Holger Douglas, dann von Dir, dann von Lesern und Leserinnen diese Forums...), weil ja irgendwo steht, dass... oder man von jemandem gehört hat, dass...

Wenn Du mir nun bitte folgen würdest:

Du beziehst Dich mit Deiner Aussage vermutlich auf folgenden Beitrag

http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=466734

und den darin verlinkten Beitrag

https://www.tichyseinblick.de/wirtschaft/mobilitaet/diesel-nachrichten-aus-einem-ueberhitzten-deutschland/

Zitat: "Denn in manchen Dünnschicht-Solarmodulen befindet sich dieses Schwermetall ebenfalls und kann sogar durch Regenwasser herausgewaschen werden, wie ein Forschungsprojekt der Universität Stuttgart ergab."

der als Quelle diese Studie verlinkt:

http://www.ipv.uni-stuttgart.de/news/Schadstofffreisetzung-aus-Photovoltaik-Modulen/?__locale=de

Direktlink zur Studie:

Universität Stuttgart: Schadstofffreisetzung aus Photovoltaik-Modulen (Abschlussbericht)
http://www.ipv.uni-stuttgart.de/news/2017_Projekt_Schadstoffe_Uni_Stuttgart_Abschlussbe...

Ich habe mir in den vergangenen Tagen diesen Abschlussbericht durchgelesen.

Zusammenfassend wird dort wird sehr umfangreich beschrieben, dass Schadstoffe aus "aufgeschnittenen Modulstücken" unter Einfluss von Wasser austreten können. Das hat absolut NICHTS mit Solarmodulen im normalen Gebrauch zu tun. Es wäre in etwa so, als würdest Du einen Autotank anbohren oder aufschneiden und Dich dann darüber beklagen, dass der darin enthaltene Treibstoff heraustropft.

Ich werde meine Einschätzung nun anhand von Zitaten aus der Studie belegen:

Seite 4: "Um das Austrittsverhalten von Schadstoffen aus den Modulen zu untersuchen, haben wir die Module in relativ große Stücke von 5x5 cm2 geschnitten und diese Modulstücke in wässrige Lösungen mit drei verschiedenen pH-Werten von pH3, pH7 und pH11 gegeben."

Mein Kommentar: Auf den Dächern (und auf den Freiflächen) gibt es im Regelbetrieb keine "Modulstücke".

Seite 6: "Schadstofffreisetzung findet an den offenen Kanten, bzw. an freigelegten Oberflächen statt."

Mein Kommentar: Solarmodule haben im Regelbetrieb keine offenen Kanten oder freigelegte Oberflächen.

Seite 126: "Unser Projekt hat gezeigt, dass Schadstoffe wie Blei, Cadmium, Selen usw. von wässrigen Lösungen, wie sie auch in der Umwelt auftreten, aus Photovoltaikmodulen ausgelöst werden."

Mein Kommentar: Diese Aussage ist falsch. Untersucht wurden - siehe oben - keine Solarmodule (die mit geschlossenen Kanten gefertigt, ausgeliefert und installiert werden), sondern nur Bruchstücke von Solarmodulen (mit offenen Kanten, die es in der Realität im Regelbetrieb nicht gibt).

Seite 126: "Das Auslösen der Schadstoffe erfolgt über den Rand der von uns getesteten Modulstücke. Deshalb ist wichtig, dass in großflächigen Modulen, die auf Dächern oder in Freiflächenanlagen montiert sind, die Ränder der Module über die gesamte Nutzungszeit versiegelt bleiben und einen Angriff von Wasser, aber auch organischen Flüssigkeiten, unmöglich machen.

Mein Kommentar: Genau so - mit Randversiegelung - werden die Solarmodule hergestellt und das - die Funktion der Randversiegelung - ist im Regelbetrieb der Solarmodule sichergestellt.

Und deshalb schreiben die Autoren der Studie selbst dann auch:

Seite 126: "Über das Auslaugen von Schadstoffen aus großflächigen, rissfreien Modulen können wir keine Aussagen machen."

Mein Kommentar: Genau so ist es! Und daher ist die Studie zwar eine wissenschaftlich fundierte Arbeit, bei der das Auslaugen von Schadstoffen aus Modulbruchstücken hervorragend untersucht wurde. Aber leider gleichzeitig auch eine Themaverfehlung, wenn es um die Beurteilung des Auslaugens von Schadstoffen aus den massenhaft installierten und unbeschädigten Solarmodulen von Photovoltaikanlagen geht.

Fazit: Diese Studie kann daher keinesfalls als Begründung für die Aussage "(...) dass mithilfe von Solarmodulen die Böden (durch REGEN) verseucht werden, (...)" herangezogen werden.

Viele Grüße, Ciliegia.


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