Das kleine Einmaleins der Macht

Julius Corrino, Sur l'escalier des aveugles., Dienstag, 08.01.2019, 13:50 (vor 507 Tagen) @ BerndBorchert5679 Views
bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 08.01.2019, 13:57

und es mich sehr ärgert, dass unser jetziges System fast zum Gegenteil
einer Volksherrschaft geworden ist. Da sind wir uns einig, oder?

Diejenigen, die gegenwärtig die Macht innehaben und ausüben (obwohl die dominante Doktrin unserer Tage darauf besteht, daß solch barbarische Zustände sogenannter "Unterdrückung" als überwunden zu gelten haben), rekrutieren sich aus dem kleinbürgerlichen Proletariat (man schaue sich nur deren Herkunft und Werdegang an – die verquaste Sprache, derer sich diese Leute befleißigen, sobald sie ihre Carcassen einmal vor eine Kamera gewuchtet haben, sollte alle noch bestehenden Zweifel beseitigen). Noch näher an das Ideal "Volksherrschaft" kommt man nur im Traum.

Wenn man das Volk hätte abstimmen lassen, "Soll Deutschland Truppen nach
Afganistan schicken?" oder "Soll Deutschland eine ungebremste
Masseneinwanderung aus Afrika und Morgenland zulassen?", dann hätte es
andere Entscheidungen gegeben.

Solche Szenarien als realistische Alternative anzubieten ist ungefähr so, als ob man fragte: "Soll die Sonne ab sofort im Süden aufgehen? Sollen in Zukunft Marienkäfer unsere Milchkühe ablösen?" Macht kann aber stets nur von einer kleinen Gruppe *machtbewußter* Personen erlangt und in die Welt hineinprojiziert werden. Wenige befehlen, viele gehorchen: Der Motor, der das Dauerprojekt "Zivilisation" immer am Laufen gehalten hat und es für alle Zeite tun wird.

Die große Masse "des Volkes" als unterscheidbaren, machtausübenden Akteur mit einem eigenständigen internen Monolog und klar identifizierbaren Absichten hat es niemals gegeben und wird es auch nie geben (Verweis nebenbei: "Die DDR ist zusammengebrochen, weil das Volk aufgestanden ist und die SED einfach wegdemonstriert hat" und ähnliche Märchengeschichten). Bestenfalls ist das Volk in der politischen Arena ein Resonanzkörper, ein Saitenisntrument, auf dem ein begabter Anführer zu spielen versteht – für welche Zwecke, ist eine völlig andere Frage.

Die ewige Lebenslüge des Liberalismus, die sich speziell induLa aktuell von Grünen bis AfD ungebrochener Beliebtheit erfreut, lautet doch, daß kein Mensch mehr Macht über einen anderen ausüben können soll. Daß stattdessen Macht "neutral und ohne Ansehen der Person" irgendwo "im System" oder "in unseren Institutionen" bis zur Unkenntlichkeit verdünnt und diffus verschmiert, idealerweise aber gar nicht mehr existent sein soll. Der empirische Befund nach zweihundertfünfzig Jahren legt nahe, daß dieses Unternehmen gescheitert ist.

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Ainsi continue la nuit dans ma tète multiple... elle est complètement dechiré... ma tète.
- Luc Ferrari


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