Was tun, wenn andere Eltern AfD-Positionen vertreten?

nereus, Mittwoch, 06.12.2017, 09:55 (vor 977 Tagen)8107 Views

Der Nikolaus hat uns eine ganz traurige Geschichte mitgebracht. [[zwinker]]

Mein 13-jähriger Sohn hat sich mit einem Jungen aus seiner Klasse angefreundet, den wir nett finden. Als wir aber vor kurzem bei dessen Eltern zum Abendessen eingeladen waren, sind wir erschrocken: Ihre politische Einstellung ist nahe an der AfD.
Wir wollen mit diesen Eltern darum nichts mehr zu tun haben. Wie können wir das unserem Sohn erklären?
Vanessa S., Starnberg

Bei Herrn Maas melden, Frau Starnberg.
Vielleicht geht da etwas mit Berufsverbot oder gesellschaftlicher Ächtung, wie z.B. einem Pranger. So etwas könnte es in diversen Museen noch geben.

Unsere Familienexperten antworten.

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/leben/familientrio-was-tun-wenn-andere-eltern-afd-positionen...

Kirsten Fuchs, Schriftstellerin:

Ich würde es ihm erklären, er ist 13 Jahre, da kann er komplexe Sachverhalte verstehen.
Es ist wichtig, gerade in dieser Frage klar Stellung zu beziehen.
Intoleranz tolerieren muss man als toleranter Mensch eben nicht!

Die Regeln der Demokratie müssen stehen, sonst fängt alles an zu wackeln.
Vielleicht ist es auch für den anderen Jungen gut zu hören, dass es andere Meinungen gibt. Und wovor haben Sie Angst? Dass Leute Sie nicht mögen, die Sie selbst auch nicht mögen? Dass der andere Junge Sie oder Ihren Sohn nicht mag, dass gar Ihr Sohn Sie nicht mag?
Reden Sie mit ihm über Menschlichkeit, bevor er seine Informationen von wo anders bezieht. Ich bin mir fast sicher, dass die anderen Eltern nicht zimperlich sind, ihren Sohn in ihre Weltsicht reinzuziehen. Also sagen Sie ihm genauso klar, was Sie richtig finden.
Humanismus ist keine schwache Haltung. Dafür ist viel gekämpft worden. Religionsfreiheit, Pressefreiheit, Demokratie, Toleranz, Hilfsbereitschaft - das sind so großartige Dinge.

Jesper Juul, Familientherapeut:

Ich gehe davon aus, dass Ihr Sohn den Erfolg der AfD bei den Wahlen mitbekommen hat und dass Sie Ihre Sorgen darüber mit ihm geteilt haben.
Ein Vorschlag von mir wäre dann, Sie sagen: "Ich freue mich sehr, dass du einen guten Freund gefunden hast. Wie du weißt, halten wir die politischen Einstellungen seiner Eltern für falsch.
Darum werden wir sie vielleicht bitten, nicht über Politik zu reden, wenn wir sie besuchen."
Eine andere Möglichkeit wäre, dass Sie offen und ehrlich zu den Eltern sind: "Ich kann mir nicht vorstellen, was einen bewegen kann, die AfD zu wählen, aber da ihr es nun mal getan habt - vielleicht erklärt ihr es mir?"
Wenn die Eltern zustimmen, kritisieren Sie sie nicht für Ihre Wahl. Danken Sie ihnen einfach, dass sie bereit sind, mit Ihnen offen zu reden. Die beiden Jungen sollten bei dem Gespräch dabei sein.
Wenn Sie dieses Risiko nicht eingehen wollen, sagen Sie das Ihrem Sohn und fragen Sie ihn, ob er Ideen hat, wie er die Freundschaft erhalten kann, ohne dass die Eltern sich mehr als nötig begegnen.

Collien Ulmen-Fernandes, Schauspielerin und Moderatorin

Gehen Sie hin. Versuchen Sie's.
In der Bestsellerliste ist ja gerade ein "Leitfaden", der Ihnen, ähnlich wie ein mediterranes Kochrezept für den Abend, empfiehlt, wie Sie mit "Rechten reden" sollen.
Sie könnten als Super-Staatsbürger-Eltern auf die Zähne beißen und weiterhin bei den Reaktionären zu Abend essen. Als Entsandter des guten Deutschlands.
Bei Rotwein und Rouladen sich wie Lanz oder Plasberg fühlen, mit "denen" reden, diskutieren, argumentieren.

Sie und die AfD-Eltern könnten gemeinsam in einer Vierertanzgruppe die aktuelle politische Lage tanzen: Es geht ein Riss durch Deutschland; haben wir den Kontakt zu dem und dem verloren?
Wir müssen wieder mehr miteinander reden; nur wie geht das eigentlich? Oder Sie halten es anders und erklären Ihrem Sohn: Leute, die in einem der reichsten Länder der Erde sitzen und all ihr Engagement darauf fokussieren, über die Ärmsten herzuziehen, mit denen wollen wir nicht an einem Tisch sitzen.

Zuckerbrot und Peitsche.
Ja, es darf noch geredet werden mit den Abtrünnigen, aber wenn sie ihre falsche Meinung nicht revidieren, werden sie ins Abseits gestoßen.
Es beeindruckt nicht nur die geradezu kindische Naivität der Weich-Berufler (Schriftsteller, Therapeut und Schauspieler).
Es benötigt sogar Anleitungen den „Rechten“ entgegen zu treten.
Da kann es mit den Argumenten nicht weit her sein.

Leider gibt es dazu keine Kommentarfunktion.
Man wird wissen, warum. [[freude]]

Apropos Demokratie.
Ich zitiere mal einen Insider der Demokratie den berühmten Graf Coudenhove-Calergie, dem die Ideen Trotzkis und Lenins sehr sympathisch waren.
Dafür wird @Tempranillo extra eine Flasche Wein öffnen. [[lach]]

Bei dem Tiefstand des Blut- und Geistesadels war es nicht zu verwundern, daß eine dritte Menschenklasse provisorisch die Macht an sich riß: die Plutokratie.
Die Verfassungsform, die Feudalismus und Absolutismus ablöste, war demokratisch; die Herrschaftsform plutokratisch.

Heute ist Demokratie Fassade der Plutokratie: weil die Völker nackte Plutokratie nicht dulden würden, wird ihnen die nominelle Macht überlassen, während die faktische Macht in den Händen der Plutokraten ruht.
In republikanischen wie in monarchischen Demokratien sind die Staatsmänner Marionetten, die Kapitalisten Drahtzieher:
sie diktieren die Richtlinien der Politik, sie beherrschen durch Ankauf der öffentlichen Meinung die Wähler, durch geschäftliche und gesellschaftliche Beziehungen die Minister.

An die Stelle der feudalen Gesellschaftsstruktur ist die plutokratische getreten: nicht mehr die Geburt ist maßgebend für die soziale Stellung, sondern das Einkommen.
Die Plutokratie von heute ist mächtiger als die Aristokratie von gestern: denn niemand steht über ihr als der Staat, der ihr Werkzeug und Helfershelfer ist.

Als es noch wahren Blutadel gab, war das System der Geburtsaristokratie gerechter als heute das der Geldaristokratie:
denn damals hatte die herrschende Kaste Verantwortungsgefühl, Kultur, Tradition während die Klasse, die heute herrscht, alles Verantwortungsgefühles, aller Kultur und Tradition bar ist.
Vereinzelte Ausnahmen ändern nichts an dieser Tatsache.

Quelle: R. N. COUDENHOVE KALERGI, PRAKTISCHER IDEALISMUS (ADEL - TECHNIK - PAZIFISMUS)
1925 PANEUROPA - VERLAG , WIEN-LEIPZIG
Seite 39 bis 40

Na so was! [[zwinker]]
Der Dümmste war er wirklich nicht.
Ob solche "brüderlichen Einlassungen" vom Therapeut, der Schauspielerin und der Schriftstellerin schon gelesen wurden?

Tip: Tanzt doch einmal nach dem Gesang der plutokratische Herrschaft.
Bunt würde es allemal, denn da wäre ganz viel Rote Farbe für das Blut der Opfer erforderlich.

mfG
nereus


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