Nortel und das Know-How (mT)

DT, Freitag, 19.06.2026, 11:56 (vor 3 Stunden, 28 Minuten) @ Dragonfly262 Views
bearbeitet von DT, Freitag, 19.06.2026, 11:59

Das ist doch genau was ich gesagt habe:

Die Controller haben die AT&T Bell Labs zugemacht, und ähnliches ist während dem Bust der Telekom-Bubble auch an anderer Stelle passiert, zB bei Nortel, was damals einer der Highflyer war, und die Leute sind massenhaft rausgeschmissen worden.

Zum Großteil Chinesen, denn schon Mitte und Ende der 90er Jahre war die Physik und die Hochfrequenz-Elektrotechnik und die Optoelektronik an US-Unis total von chinesischen Doktoranden und Postdocs abhängig. Die paar Deutschen, Koreaner, Russen haben die vielen Chinesen dann noch komplettiert, und in vielen Gruppen gab es weniger als eine Handvoll Amis. Auch die Professoren kamen längst aus dem Ausland.

Diese fertig Promovierten sind dann natürlich zu Bell Labs, Nortel, und den Ausgründungen und Startups wie Ciena, Cisco, Corvis etc. gegangen.

Und dort haben sie natürlich das High-Speed Internet entwickelt. Sowohl auf der optischen (Glasfaser) Seite wie auch auf der Hochfrequenz-Datenseite. 5G was heute Standard ist, aber auch schon 6G und schon weiter in Richtung THz.

Tja, und als man sie rausgeschmissen hat, weil man ja zum "Serviceunternehmen" und nicht zum "Components- und Systemlieferanten" werden wollte, sind viele in ihre alte Heimat China gegangen, die war ja 2002 noch ziemlich in den Startlöchern und haben mit zB mehreren 10 Mio USD (die sie bei den IPOs während der 99er Telekomblase verdient hatten) eben dort investiert. Und daraus sind dann die Giganten von heute geworden.

Daß man dann den Chinesen vorwirft, sie hätten "5G von Nortel kopiert", ist ein bißchen ironisch, denn es waren sie selber, die diese Dinge erfunden, entwickelt und zur Produktreife gebracht haben. Die sollte man dann eben nicht rausschmeißen, denn sie nehmen auch ihren Kopf mit.

Ja, angeblich habe ich nicht viel Wissen, nur Meinung. Aber wenigstens war ich dabei. Ich mag Deine ad personam Argumentation. Nur allzu bekannt von den arroganten VCs.

Übrigens: die Mittelständler, die ich kenne, haben ihren Wohlstand alle selber aufgebaut. Reinhold Würth ist einer davon. Etliche andere sind nicht so groß, halt im 2-3 stelligen Millionenbereich. Und ja, sie sind das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Daß Du so snobbisch auf sie runter schaust, sagt einiges über Dich. Die einzigen Mittelständler, die Erben sind, die ich kenne, in dem Größenbereich, sind die Trumpf Leute, Peter und Nicola Leibinger, aber die stecken bis über beide Ohren im Geschäft drin und Peter Leibinger hat die EUV Sparte bei Trumpf großgemacht, also auch ein echter Unternehmer und kein "Erbe" der a la Don Alphonso rumhängt und auf Autorennen fährt. Ich respektiere Unternehmer, vor allem Familienunternehmer, die ihre eigenen Ideen und Erfindungen einbringen, selber ins Risiko gehen, ihr Unternehmen wachsen und sich am Markt global behaupten. Das ist etwas anderes, als wie als Investmentbanker und Heuschrecke seine Hand in den Geldstrom zu halten und Geld, das andere mit ihrer harten Arbeit verdienen, in seine Taschen umzuleiten. Ohne das Know-How, die Kreativität und die Innovation der Nerds kann kein einziger VC auch nur einen Dollar verdienen.

Das einzige Unternehmen, das in Deutschland in den letzten Jahren in die Größenordnung der US Firmen gekommen ist, ist SAP, und das ist auch schon 50 Jahre alt. Biontech war ja kurz in derselben Größenordnung, aber das Faß mach ich hier jetzt nicht mehr auf. Europaweit kommt da höchstens noch ASML mit, da reden wir über mehrere Hundert Mrd EUR Firmenwert. Zeiss hätte die in den 90ern mal für wenige Millionen übernehmen können, hatte aber leere Taschen wegen der Übernahme der bankrotten Ossis in Jena. Ansonsten sieht es weltweit nicht so gut aus mit Großunternehmen, die wenigen, die mir noch einfallen, sind TSMC in Taiwan und Samsung in Korea, die in die Größenordnung der großen Amis kommen.

DT


gesamter Thread:

RSS-Feed dieser Diskussion

Werbung