Da bin ich im Moment überfordert, weil die Details übersteigen meinen gegenwärtigen wissensstand; ich habe aber ein paar Hypothesen dazu

Mephistopheles, Datschiburg, Dienstag, 09.06.2020, 22:22 (vor 419 Tagen) @ Oblomow884 Views
bearbeitet von Mephistopheles, Dienstag, 09.06.2020, 22:51

"Da nehmen wir als Beispiel den spanischen Staat: Der nahm 6 Millionen Golddukaten bei den Fuggern auf, die er aber niemals zurückbezahlte. Die Fugger haben es überstanden, sind jedoch aus dem aktiven Wirtschaftsleben ausgeschieden. Aber in Deutschland fehlten diese 6 Millionen Golddukaten, ein Mangel, der dann zum 30-jährigen Krieg führte."

Es scheint plausibel, nur ich weiß nicht warum.

Ich habe das auch nur so geschrieben, weil es mir plausibel erschien. Das en Deteil nachzuweisen dürfte schwierig sein. Im 16. Jh. war Deutschland, zumindest nach den Schilderungen des Michel de Montaigne nach dem Augsburger Religionsfrieden ein durchaus wohlhabendes und gastfreundliches Land .

Der Gesamtverlust, den die Fugger auf ihre Forderung an die Habsburger bis Mitte des 17. Jahrhunderts hinnehmen mussten, lag bei acht Millionen Gulden.[9] Im Unterschied zu ihren bedeutendsten Augsburger Konkurrenten, den Welsern, die 1603 zahlungsunfähig wurden, ging die Fuggerfirma jedoch niemals bankrott. Und im Gegensatz zu den Welsern haben die Fugger – so urteilte der Wirtschaftshistoriker Richard Ehrenberg – mehrfach „durch ihre Geldgeschäfte den Gang der Weltgeschichte beeinflusst“.

Ein solch dramatischer Verlust betrifft niemals eine einzige Firma allein, zumal wenn diese Firma mit weitem Abstand an der Spitze des Gewerbes steht, sondern vernichtet im weiten Umfang Mittelstandsvermögen. Der Zusammenbruch der Danat-Bank betraf nicht nur die Kunden dieser Bank, sondern war der Trigger für die deutsche Wirtschaftskrise in den 30er- Jahren als Teil der Weltwirtschaftskrise.
Das zumindest hat die Merkelin begriffen, dass der Zusammenbruch auch nur einer einzigen Großbank einen Großteil des Mittelstands vernichtet; eines aber, was wiederum Masrkus Krall sehr wohl begriffen hat, das die Verhinderung dieses Zusammenbruchs das ganze Volksvermögen vernichtet, das wird sie erst die Geschichte lehren.

Der dreißigjährige Krieg war mitnichten ein Religionskrieg, sondern eine verhinderte bürgerliche Revolution, welche Deutschland jedoch als Teil seiner nationalen Tragödie zu seinem Schaden niemals geschafft hat und die Markus Krall jetzt mit 350 Jahren Verspätung nachholen möchte. Allein, wer zu spät kommt...

Auch die französische Revolution hätte ohne die Missisippiblase in Frankreich niemals stattgefunden. Da passierte zunächst nichts, aber es wurde ein Großteil des französischen Vermögens - und Volksvermögen ist Mittelstandsvermögen - vernichtet.

Dann kam noch der Ausbruch des isländischen Vulkans am 8. Juni 1783 die Hungersnot und 1789 war Revolution. Außerdem war das klassisches Staatsversagen. Gerade Frankreich hatte damals von allen europäischen Ländern durch den landesweiten Ausbau von Chausseen die mit Abstand beste Infrastruktur und wäre somit in der Lage gewesen, Nahrungsmittel, die an der Küste anlandeten, ins Landesinnere zu schaffen. Hat aber den französischen König nicht interessiert.

Es braucht wohl 2 Ereignisse für eine Revolution: 1. Die Vernichtung des Mittelstandsvermögens durch die Inflation 1923 als Folge der Versailler Verträge und 1933 war nationalsozialistische Revolution.

Die Vernichtung des deutschen Mittelstandsvermögens durch die spanischen Staatsbankrotte und dann (die Fugger waren nur die Spitze, und sie haben es sogar überstanden, weil sie sich rechtzeitig aus dem Kaufmannsgewerbe zurückzogen und 1618 war deutsche bürgerliche Revolution, allerdings in Form eines Bürgerkriegs. Wobei natürlich auch die französischje Revolution ein Bürgerkrieg war, der jedoch durch seinen erfolgreichen Export die Form einer Revolution annahm.
Wenn du den Simplizissimus Teutsch liest, wirst du sehen, dass der - durchaus im Gegensatz zu Montaigne - bereits ein völlig moderner Mensch war. Er kam sich mitnichten als Spessarter vor, als Bundesbürger, so wie noch einige Jahrhunderte vor ihm die Schweizer, sondern ganz explizit als Deutscher.

Natürlich sind das alles nur Hypothesen; wer aber Lust hat, kann sie gerne widerlegen. Voller Atheist natürlich, wie ein moderner Europäer gar nicht anders sein kann, allerdings konnte er das damals vor der Aufklärung natürlich noch nicht zugeben. Also lässt er im Simplicissimus einen Pfarrer ihn als Atheisten bezeichnen. Seine Gegenrede an die Christen: Einigt ihr euch doch erst einmal darüber, was nun die einzig wahre und gottgewollte Religion ist, und wenn ihr euch da einig seid, dann werde ich mich dem gerne anschließen. Das ist der klassische Standpunkt des aufgeklärten Europäers. Den postaufgeklärten interessiert das alles nicht mehr.

Gruß Mephistopheles

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Wenn wir nicht das Institut des Eigentums wiederherstellen, können wir nicht umhin, das Institut der Sklaverei wiederherzustellen, es gibt keinen dritten Weg. Hillaire Belloc


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