Willkommen, nvf33! Ich habe einige Fragen zu deinen Fragen

Mephistopheles, Datschiburg, Dienstag, 09.06.2020, 13:02 (vor 420 Tagen) @ nvf331468 Views
bearbeitet von Mephistopheles, Dienstag, 09.06.2020, 13:38

Hallo Gelbes Forum,
mit großem Interesse habe ich die schönen Zusammenfassungen zu dottores Werk zur Kenntnis genommen - leider erst posthum in der Gründlichkeit, aber besser so als gar nicht. Vielen Dank dafür!

Wenn ich es richtig verstehe, läuft die debitistische Weltwirtschaftsprognose darauf hinaus, dass der/die Staat/en wegen
ungebührlich wenig rationaler Bonität effektiv Alleinschuldner wird, verbundenen mit immer übergriffigeren Vorschriften und immer ineffizientern Verwaltungsstrukturen.
1. Einwände soweit von Debitismuskennern hier?

Was ist ungebührlich wenig rationale Bonität? Bitte erkläre "ungebührlich" und "rationale" in Zusammenhang mit Bonität

Wenn der Staat nun nun Hauptschuldner sei oder würde, dann folgt m.E. die Frage, ob man auch soetwas wie einen Hauptgläubiger identifieren könnte. Davon habe ich bei PCM nun nicht allzu viel lesen können - oder ich habe es nicht verstanden.

Was ist ein Hauptschuldner? Debitisten verwenden eher den Begriff Nachschuldner.
Keine Schuld kann jemals getilgt oder bedient werden, es sei denn, es finden sich Nachschuldner.
Nehmen wir an, du bist Geschäftsmann. Um dein Geschäft eröffnen und Produkte anbieten zu können, musst du Schulden aufnehmen. Die kannst du niemals tilgen, es sei denn, du findest Käufer für deine Produkte. Das sind dann die Nachschuldner.
Die gesamten Schulden nehmen aber wegen der Zinsen automatisch zu. Du kennst das, wenn du 100.000 aufnimmst für eine Hypothek und 200.000 zurückzahlen musst. Wo willst du diese 200.000 hernehmen, wenn sie in dem System gar nicht vorhanden sind?

Du musst dir also einen Dummen suchen, der sich verschuldet, um deine Produkte oder deine Arbeitskraft kaufen zu können.

Irgendwann finden sich aus der Wirtschaft nicht mehr genügend Dumme. Das ist die Chance des Staates: ER tritt ein als Nachschuldner. Kannst du gut sehen, wenn du dir den Anstieg der Staatsschulden über die Jahrzehnte oder Jahrhunderte betrachtest.
Wobei allerdings Deutschland und USA eine Sonderrolle spielen. Die Staatssschulden müssten hierzulande viel höher sein als sie es sind, aber Deutschland hat durch die Exportüberschüsse die Nachschulden großenteils exportiert. Deswegen sind wir bei unseren Nachbarn so beliebt. [[ironie]]
Die USA können es sich freilich leisten, weil sie Weltmacht sind. Das wären sie jedoch nicht mehr, wenn sie dem lieben Mitforisten @nereus zuliebe eine Goldwährung einführen würden. Es könnte also gut sein, dass die USA keine Goldwährung einführen, alleine aus dem Grund, weil sie dem lieben Mitforisten @nereus ärgern möchten. [[ironie]] [[euklid]]

Konkret:

2. Wer oder was kauft (neben der EZB..) in großem Stil Staatsanleihen?

Die, die dringend einen Nachschuldner brauchen, also öffentlich Bediensteten, die Beamten, die Rentner, Rentenanwärter und Arbeitslosen.
Weil Markus Krall forderte, keine oder zumindest weniger Beamte, öffentlich Bedienstete, Rentner und Arbeitslose zu bezahlen - er hat es natürlich nicht so gesagt, somdern er hat nur gesagt, der Staat solle weniger Schulden aufnehmen (was aber auf das Gleiche hinausläuft) - deswegen ist der Mitforist @Oblomow furchtbar böse auf ihn.

Ohne dass ich das im Detail darlegen könnte, liegt der Verdacht nahe, dass irgendwo (neben bürgerlichem Streubesitz) direkt oder indirekt Besitzkonzentrationen entstanden sind.

einfach nachsehen bei den Banken und Versicherungen. Da schlummert die Altersversorgung.

Netto wäre damit also dem Staat in der Endphase ein mehr oder weniger konkreter nicht-staatlichen Gegenspieler mit gewaltiger Forderung gegenübergestellt.

So ist es. Der ist entstanden durch die Steuern. Sobald der Staat Steuern erhebt, entstehen nicht-staatliche Gegenspieler. Je mehr Steuern der Staat erhebt, um so stärker werden sie.

Dem würde entsprechen, mit welcher geradezu messianischen Erwartung man in erlesenen Kreisen auf die NGOs (non governmental organisations) blickt. NGOs sind nun nichts anderes als Stiftungen UHNWIs (Ultra high-net-worth individual) im Hintergrund.
3. Hat PCM oder jemand anderes diese Beziehung vielleicht irgendwo im Detail diskutiert, oder könnte jemand hier etwas Genaueres darlegen?

Ja, das ist sogar die fundamentale Entdeckung dottores. Es sind die Nachschuldner. Dabei ist es natürlich völlig gleichgültig, welche Bezeichnung man ihnen gibt,. Es sind Nachschuldner

Daraus würde nun folgen, dass sich unternehmerisches Planen angesichts staatlicher Überforderung zunehmend an den Bedürfnissen oder Absichten der Gläubiger-Gruppe ausrichten sollte. Niemand sonst außer den UHNWIs scheint in der Lage zu umfänglicheren Forderungen, die jeder Planung vorausgehen. Dies gilt natürlich vorbehaltlich des weiteren Glaubens an Vertrauensderivate und Kaufkraftssymbole.

Umgekehrt entsteht ein Schuh daraus. Erst durch die Bedürfnisse und Absichten des Staates entstehen die Gläubiger. Aber du kannst beruhigt sein. Der Staat hat bereits eine Lösung!

Da nehmen wir als Beispiel den spanischen Staat: Der nahm 6 Millionen Golddukaten bei den Fuggern auf, die er aber niemals zurückbezahlte. Die Fugger haben es überstanden, sind jedoch aus dem aktiven Wirtschaftsleben ausgeschieden. Aber in Deutschland fehlten diese 6 Millionen Golddukaten, ein Mangel, der dann zum 30-jährigen Krieg führte.

Meine Frage ist nun zweierlei:
4a. Was hat PCM oder irgendein anderer Debitismuskenner zur Wirtschaftsweise unter der Forderungsregie nicht-staatlicher Einheiten verlauten lassen?

Dottore hat dargelegt, dass das Staatsverhalten zur Entstehung Nichtstaatlicher Einheiten führt. Das ist eine Folge der Demokratie. Nur in der Demokratie ist der Staat gezwungen, ständig mehr auszugeben als er einnimmt. Eine Lösung bestünde allenfalls in der Abschaffung der Demokratie.

Das hat allerdings, so viel muss man dazusagen, dottore niemals gefordert. Allerdings ergibt sich das logisch letztendlich aus seiner Beschreibung des Debitismus.

4b. Weiß irgendjemand von Diskussion hier oder anderswo zum Thema der Stärkung gesellschaftsbindender Vertrauensderivate? Propaganda, klar, aber wie funktioniert das in direkter Linie zur Vertrauensbildung?

Was sind gesellschaftsbindende Vertrauensderivate? Ist es das, was man jeden Morgen die Toilette hinunterspült?

Wäre sehr dankbar für Eure Gedanken oder sogar antworten zu diesen Fragen!

Ich habe folgenden Gedanken: Wenn keiner eine Lösung für die Probleme hat, dann finden die Probleme eine Lösung. [[hüpf]]

Viele Grüße
nvf33


Gruß Mephistopheles

--
Wenn wir nicht das Institut des Eigentums wiederherstellen, können wir nicht umhin, das Institut der Sklaverei wiederherzustellen, es gibt keinen dritten Weg. Hillaire Belloc


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