Das ist übrigens keine 'Theorie', sondern Ingenieur-Nebenfachvorlesung Chemie - und komplexe Konvektionssysteme

Literaturhinweis, Montag, 02.01.2017, 21:29 (vor 2702 Tagen) @ Hasso9510 Views
bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 03.01.2017, 15:12

b) Feuchte Luft gleicher Temperatur steigt nach oben, trockene fällt nach unten - das Hygrometer direkt unter der Decke plazieren: Faustformel: da, wo Sie (vermutlich in Brusthöhe) 60% relative Feuchte messen, ist dann unter der Decke ... 80%!!!

weil ich großen Wert auf eine trockene und gleichmäßig gut geheizte Wohnung lege, habe ich den Höheneinfluss der Luftfeuchtigkeit in meinem Schlafzimmer mit einem guten Hygrometer gerade genau nachgemessen.
Alle Türen sind offen und überall wird gleichmäßig geheizt, also dürften die Schlafzimmer-Messwerte etwa repräsentativ für die ganze Wohnung sein.

Ja, nur, gegenüber einem einzelnen geschlossenen Zimmer, ergeben sich dann Konvektionen, die noch dazu

Deckenhöhe etwa 2,50m. Außentemp. etwa 1 Grad plus.

bei der geringen Deckenhöhe, noch dazu, wenn ein, sagen wir, 1,80m großer Mensch ab und zu herumläuft, zu Vermischungen auch der geringen, nur 50 cm hohen Luftschicht über den Türen führt.

Vor der Messung wurde etwa 10 Stunden nicht gelüftet... alle Fenster zu.

Das ist der nächste Unterschied: ich ging von einem häufig gelüfteten (geschlossenen - wie bei Schlafzimmern, gerade bei Allergikern, üblich) Raum aus. Wenn der Raum lange genug unberührt und ohne Luftaustausch (von draußen) bleibt, dann müssen sich (Entropie, Brownsche Molekularbewegung) notgedrungen die Partialdrücke aller Gase, aus denen Zimmerluft i.W. besteht (Stickstoff, Sauerstoff, Wasserdampf und Kohlendioxid - in der normalen Reihenfolge der Mengenanteile absteigend) ausgleichen. Dann tritt der Effekt u.U. nicht mehr auf. Wird aber, wie vom Theaderöffner beschrieben, dauernd unten kalte, relativ trockene Luft zugeführt, dann aufgeheizt, dann bleibt

a) die kalte trockene ohnehin unten,

b) und nach Aufwärmung ist sie -relativ- noch trockener, d.h. weiterhin, obwohl aufgrund Wärmedehnung nun leichter als die urspr. eingeströmte, schwerer, als die gleich warme feuchtere unter der Decke, sofern die Türen und Fenster genügend Abstand zur Decke lassen, so daß sich überhaupt eine Feuchtluftblase bilden konnte - bei Deiner Raumhöhe schon grenzwertig und da es nicht zum häufigen Frischluftzustrom kam, auch weniger wahrscheinlich, als beim vom Allergiker beschriebenen Beispiel.

In 90cm Höhe: 22,4 Grd C und 41% rel. Luftfeuchte.
In 2,35m Höhe auf einem Hochschrank an der Nord-Außenwand: 23,6 Grd C und 38% rel. Luftfeuchte.
(Sogar in 2,2m Höhe im Badezimmer furztrockene 24Grad und 40% Feuchte).

Nun kommen wir zur Frage der Wohnungsbelegung, ich ging von einer dreiköpfigen Familie aus, Schlafzimmer tagsüber geschlossen, aber stoßgelüftet, z.B. 3 m Raumhöhe, Feuchtluftblase wird nicht "weggewedelt". Beim Alleinstehenden, der alle Türen offenläßt, sieht es wieder anders aus.

Zwei typische Antipoden: zwei berufstätige kinderlose Erwachsene, die tagsüber auswärts warm essen und zehn Stunden abwesend sind, zuhause nicht kochen, wenig feucht wischen, nur duschen, nicht baden etc. gegenüber der Alleinerziehenden in der Nachbarwohnung mit drei kleinen Kindern, Waschmaschine und Trockner, zehn Zimmerpflanzen, Kinder planschen in der Badewanne, der Fläschchenwärmer dunstet dauernd vor sich hin, die nassen Kinderklamotten vom Spielplatz werden nach dem Regen in die Wohnung gehängt usw.

Dann kommt der Vermieter beim Schimmel-Rechtsstreit und guckt den bauphysikalischen Gutachter empört an: "Aber ich hatte in der Wohnung schon drei Vormieter ...". So idiosynkatisch ist Bauphysik nunmal.

Die "feuchteste Winterstelle" meiner Wohnung ist in einer "kalten Außenecke" am Fußboden des beheizten Wintergartens (aktuell 17Grd, 54% rel. Feuchte, vollverglast mit "Flachdach"). Diese Stelle messe ich ständig und stoß-lüfte entsprechend.

Ja, wie auch schon beschrieben, wenn z.B. an einer Außenwand Luft sich abkühlt, beginnt sie abzusinken, gleichzeitig nimmt ihre relative Feuchtigkeit zu. Dann können sich, insbesondere hinter Schrankwänden, aber auch hinter Bettkommoden, unten feuchtere Stellen bilden, als an der Decke, trotz des unten begründeten physikalischen Gesetzes. Sogar im offenen Raum kann so etwas passieren, je nach Konvektionsverhältnissen.

Und: da dann irgendwann der Taupunkt unterschritten wird, kondensiert dort das Wasser irgendwann evtl. Und: dadurch wird die Wand feuchter. Dadurch nehmen die Poren der Wandbaustoffe Wasser auf. Dadurch sinkt die Wärmedämmung / steigt die Wärmeleitung - es wird noch kälter. Noch kälter = noch feuchter, Teufelskreis. Evtl., falls der Prozeß schon so weit gediehen ist und daher die Ecke hartnäckig kalt und feucht bleibt, trotz Lüftens, einfach mal ein paar Tage direkt auf die kritische(n) Stelle(n) Infrarotstrahler richten - dann erwärmt sich die Wand, die Poren trocknen, die Dämmwerte nähern sich wieder den darüberliegenden Wandabschnitten an, usw. Manchmal behebt das das Problem sogar dauerhaft.

Ich will Deine Theorie/Erfahrung hiermit keinesfalls widerlegen, sondern nur mal konkrete Messwerte liefern.

Das ist keine Theorie, das ergibt sich aus der Physik der Gase. Jedes Gasvolumen enthält bei gleichem Druck die gleiche Menge an Gasteilchen (meist Moleküle O2, N2, H2O, CO2 usw., bei Edelgasen Atome: He, Ar etc.).

Daraus folgt, daß wenn ein Gasvolumen bei gleichem Druck und gleicher Temperatur mehr leichtere Teilchen enthält, wird dieses Gasvolumen leichter, vgl. Wasserstoff- (Hindenburg) oder Helium-Ballons (beim Heißluftballon dagegen wird die Luft wärmegedehnt und dadurch leichter - und durch die Heizflamme übrigens feuchter, wenn auch durch das dabei erzeugte CO2 der Effekt schwach ausfällt, anders, als wenn man einen Wasserstoffbrenner nähme).

Da Luft i.W. aus Sauerstoff, Atomgewicht 16, O2 = 32 und Stickstoff, Atomgewicht 14, N2 = 28 besteht, Wasserdampf aber aus H2O und H (Wasserstoff) ein Atomgewicht von 1 hat, ergibt sich für reinen Wasserdampf ein Molekulargewicht von 2*1 + 1*16=18. Wasserdampf ist also nur knapp über halb so schwer wie Luft. Daher: je feuchter die Luft = je höher ihr Wasserdampfanteil = umso leichter ist sie, steigt also bei gleicher Temperatur nach oben und ... bleibt da, wenn sie nicht durch Konvektion vertrieben oder durch Ausgleichsprozesse über lange Zeit durch Partialdruckausgleich 'entropisch gemischt' wird.

Damit gilt: wenn jemand Holz trocken lagern will: das Restwasser entweicht nach oben und nicht, wie in mancher Holzbroschüre zu lesen, nach unten. Der Irrglaube kommt daher, daß Menschen Wasser (flüssig) mit Luft (Gas) vergleichen, statt mit Wasserdampf (Gas).

Im Winter(!) trockne ich die Wäsche sogar ganz gezielt in der Wohnung, weil die Feuchtigkeit im Wohnbereich sonst bis auf 30% absinkt, was unangenehm wird.

Das ist richtig, die Atemwege zu sehr austrocknen verstärkt die Infektionsneigung. Nur kriegt der Milbenallergiker so seine Milben nicht weg.

Einen Wäschetrockner habe ich nicht, weil ich die "labbrige Wäsche" aus dem Trockner nicht leiden kann.

Da gibt's nen simplen Trick: die Wäsche einfach drin lassen.

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