noch ein paar Antworten

nereus, Dienstag, 17.09.2019, 08:59 (vor 263 Tagen) @ Falkenauge1163 Views

Hallo Falkenauge!

Du schreibst: Gemeint ist, sofern man sich nicht der Abgabe und den damit verbundenen weiteren Demütigungen unterworfen hat. Dann folgten oft barbarische Strafen wie Händeabhacken etc bis zur Kreuzigung.

Barbarei bezüglich der Strafen - gar keine Frage.
Nur ganz straflos bleibt es bis heute nicht, wenn man keine Steuern zahlt.

Zum Aufsatz von Professor Flaig.

Er eröffnet mit einer Ansage der Muslim-Bruderschaft.
Das wäre in etwa so, als wenn man für das Christentum erst ein Mal eine Lichtgestalt [[ironie]] wie Tomás de Torquemada oder die Bartholomäusnacht heranzieht. Das kann man machen, aber inwiefern das jemand die Evangelien nahe bringt, lasse ich einmal dahin gestellt.

Ich hatte zuvor schon auf die sonderbare Rolle der Muslimbrüder in der Geo-Politik verwiesen.
Eine ähnliche Funktion gedachten die Hinterzimmler offenbar den Nazis zu.

Dann spricht er über den Dschihad und schreibt: Lautete der Missionsauftrag Jesu, alle Völker zu bekehren, ihnen aber ihre politische Ordnung zu lassen, so besteht das Ziel des Islam darin, alle Nichtmuslime politisch zu unterwerfen, ihnen aber ihre Religion zu lassen, falls es Buchreligionen sind.

Wenn er den Islam heranzieht, dann sollte er diesen konsequenterweise mit dem Christentum vergleichen. Wurden seinerzeit nicht alle Kriege, Okkupationen und Kolonialisierungen der Europäer in die unschuldige christliche Botschaft gehüllt?
Dazu zitiert er die Sure 9 und Vers 29, wo es heißt:

Kämpft gegen diejenigen, die nicht an Allah und nicht an den Jüngsten Tag glauben und nicht verbieten, was Allah und Sein Gesandter verboten haben, und nicht die Religion der Wahrheit befolgen – von denjenigen, denen die Schrift gegeben wurde –, bis sie den Tribut aus der Hand entrichten und gefügig sind!

Wie interpretationsbedürftig das ist, ergänzt er gleich kurz danach mit seinem Hinweis auf die Schiiten, die das nur für voll nehmen, wenn man sie angreift.
Danach wird allgemein über Machtpolitik referiert, die man jeder Religion vorwerfen könnte, dabei jedoch unterschlägt, daß es die Menschen sind, die diese Botschaften zu ihrem Nutzen interpretieren.
Spannend wird es allerdings hier:

Die Kriegsregeln des Dschihad sind flexibel. Von der Schonung über Massenversklavung bis zur massenhaften Tötung ist nach Khadduri alles möglich, genau wie bei Griechen und Römern. Das unterscheidet die heiligen Kriege des Islam fundamental von denjenigen des alttestamentlichen Israel, welche vorsahen, daß außerhalb Israels alles Männliche zu töten, auf israelischem Boden hingegen alles Lebendige überhaupt zu vernichten war (Deuteronom. 20, 10-20). Wir pflegen uns darüber zu empören, was die Kreuzfahrer 1099 in Jerusalem anrichteten. Indes, die Kreuzfahrer handelten nach gängigem Kriegsrecht; muslimische Eroberer taten derlei unentwegt und überall: 698 traf es Karthago, 838 Syrakus; der berüchtigte Wesir des Kalifats von Córdoba ..

So so, alles ist möglich.
Und der fundamentale Unterschied zu den Altestamentlern seinerzeit ist, das dort nur eines möglich war – das bedingungslose Töten.
Bei den barbarischen Muslimen hatte man die Chance „nur“ versklavt oder sogar verschont zu werden, "anderswo" gab es die Alternative praktisch nicht.
Das ist doch mal ein Augenöffner, oder? [[top]]

..

Wieder Du: Ja, es gibt den inneren und den äußeren Djihad. Aber der innere spielt de facto nur eine geringe Rolle und der militärische ist zur beherrschenden Kraft geworden, gerade auch durch das Vorbild der Taten Mohammeds, die neben dem Koran als Sunnah in die Vorschriften des islamischen Rechts, der Scharia , eingegangen sind. Allah hat den Menschen unter bestimmten Umständen das Recht übertragen zu töten, so den Kämpfern im Dschihad, die das Recht haben, ihre Feinde zu eliminieren. Die Mudschahedin (die den Dschihad Ausübenden) wurden dabei zur treibenden Kraft der islamischen Glaubens- und Kampfgemeinschaft. Ihnen steht für ihren Einsatz im Dschihad das Recht auf vier Fünftel der Kriegsbeute zu, und sie haben als Einzige die Gewissheit, beim Tod im Dschihad als shahÄ«d sofort den Eintritt ins Paradies zu erhalten, da sie als „Gläubige“ einen Vertrag mit Allah geschlossen haben.

Wo wir uns in jedem Falle einig sind, das ist die gemeinsame Ablehnung der barbarischen Strafen, die z.T. heute noch zelebriert werden. Systematisches Quälen ist unmenschlich und wird meines Wissens nur von einer Religion tatsächlich legitimiert.
Das ist aber NICHT der Islam, der sich auf den Koran berufen kann!
Und wann der Dschihad tatsächlich zum Töten gemäß Koran aufrief, scheint offenbar auch im Islam umstritten, siehe zuvor Gesagtes.
Der nebulöse Steinigungsvers, an dem sich manche hochziehen, scheint nie existiert zu haben und wurde vermutlich nur als Legitimation benutzt.
Und wenn Du mir dann die Mudschahedin anbietest, dann retourniere ich mit BrzeziÅ„ski, der diese Gotteskrieger für seine Dienste einspannte.
Du bist klug genug, um zu wissen, daß man auf geopolitischen Eis beim Kampf um die Wahrheit überwiegend auf verlorenem Posten steht.

Mark A. Gabriel, früherer Professor für Islamische Geschichte an der Azhar-Universität in Kairo, der angesehensten Universität des Nahen Ostens, macht darauf aufmerksam, dass der Koran im Laufe von 22 Jahren entstanden ist, in denen Mohammed, seine Anhänger und der Islam sich von einer friedlichen Religionsgemeinschaft zu einer religiös-politischen Kampfgemeinschaft entwickelt haben.

Das werde nicht einmal in Abrede stellen, weil zwischen niedergeschriebener Idee und praktischem Handeln sehr oft ein weites Feld liegt.
Die Kommunisten, die die ganze Welt befrieden und glücklich machen wollten, können davon ein Lied singen.

Was hier eindeutig aus dem Koran hervorgehen soll, ist mir schleierhaft.

Dann muß ich meine Ansage wiederholen. Die Bezüge zum AT und NT sind evident, nur werden eben diverse „Ereignisse“ ein wenig anders interpretiert.
Dort findet man fast alle wichtigen Gestalten und Ereignisse des AT und Jesus spielt eine wichtige Hauptrolle.
DAS war es, was mich beim ersten Lesen ziemlich überrascht und auch fasziniert hat.

Der Jahwe des ATs ist nicht der Gott des Christentums.

Da bin ich sogar bei Dir.
Dennoch das ist eine sehr mutige Ansage, die Du einmal einem offiziellen Vertreter einer katholischen oder evangelischen Kirche vortragen solltest oder wenn Du es richtig knackig haben willst, begibst Du Dich dazu in eine Synagoge.
Aber bitte alle Frage-Antwort Situationen auf Handy oder Smartphone aufnehmen. Wir wollen schließlich etwas davon haben. [[zwinker]]

Was zu bestreiten ist und von der Geschichte widerlegt wird (s. Prof. Egon Flaig)

Ich lasse das jetzt einmal so stehen, weil es ja nicht völlig falsch ist, mir aber in seinem Absolutheitsanspruch missfällt.

Bilderflut Allahs. Ist Allah der Vatergott des Christentums, nur dass er keinen Sohn und keinen Heiligen Geist neben sich hat?
Ich bezweifele das.

Mein lieber Falkenauge, hast Du den Koran wirklich gelesen?
Ich hatte zuvor, wenn auch sehr stark verkürzt, den Unterschied zwischen NT und Koran erläutert und jeder, der beide Werke kennt, würde mir weitestgehend zustimmen, weil es inhaltlich korrekt ist, was ja nicht bedeutet, daß man mit dem ganzen Inhalt einverstanden ist.
Was ich übrigens auch getan habe, mit meinem Verweis auf die Kreuzigung und die Auferstehung, die nun offenbar im Grabtuch von Turin sogar ein naturwissenschaftliches Fundament bekommen zu scheint.
Zum Entsetzen aller Atheisten – ach, was ist das schön! [[freude]] [[freude]]

Ich finde es zumindest bemerkenswert wenn Dir die Nähe der Bibelgestalten im Koran nicht aufgefallen sein soll, aber ich möchte Dir auch nichts unterstellen.

Aber ich glaube nicht, dass man sich durch religionstheoretische Interpretationen überhaupt verständigen kann, sondern nur über die reine Menschlichkeit, mit der man den Muslimen begegnet. Sie schafft eine Verständigung - oder nicht.

Das unterschreibe ich jetzt zu 100 %.

Die einfachen Muslime sind den Vorgaben der Imame und Herrscher ausgeliefert, die oft aus ganz anderen Motiven kommen.

Ich habe mich mit einfachen Muslimen (wenn sie deutsch sprachen) bestens unterhalten, auch über ihre Religion, doch ich habe nicht versucht sie zu missionieren.
Sie waren anders, aber respektvoll.
Das mag tatsächlich nicht für alle gelten, doch diese Besonderheiten begleiten alle Religionen und Ideologien. Sobald es fanatisch wird, kann man die Moral vergessen.

Ich schlage vor, wir lassen das jetzt langsam ausklingen, weil im Prinzip jeder seine Sichtweisen vorgetragen hat.
Ich bin ziemlich sicher, daß wir uns bei diesem Thema an anderer Stelle wieder begegnen. [[zwinker]]

mfG
nereus


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