Komplex

Falkenauge, Montag, 16.09.2019, 22:07 (vor 289 Tagen) @ nereus1203 Views

Hallo nereus,

Du erwiderst auf meinen Einwand, daß die Buchreligionen durch Zahlung
einer Steuer ihren Glauben weiter ausüben konnten:

Sofern er nicht vorher mangels Unterwerfung getötet wurde.

Da paßt jetzt etwas nicht.
Entweder hätte man sich unterwerfen müssen, was dann ja Annahme des
Islam bedeutet oder man zahlt die Abgabe, und konnten weiter seinen Glauben
leben.

Gemeint ist, sofern man sich nicht der Abgabe und den damit verbundenen weiteren Demütigungen unterworfen hat. Dann folgten oft barbarische Strafen wie Händeabhacken etc bis zur Kreuzigung.

Zur Geschichte des Islam empfehle ich Dir dringend einen Aufsatz des Althistorikers Prof. Egon Flaig in der FAZ:
https://www.faz.net/frankfurter-allgemeine-zeitung/essay-der-islam-will-die-welteroberu...

Nach der Einnahme von Mekka 630 wurden die Juden und die Christen zu
Feinden des „wahren Glaubens“ erklärt, die man bekriegen müsse, bis
sich jeder Einzelne in demütigender Haltung dem Machtbereich des Islam
unterwerfe und den muslimischen Siegern den Tribut entrichte. Die
eigentlichen „Heiden“ dagegen haben nur die Wahl zwischen der Annahme
des Islam oder dem Tod.

Erkläre mir bitte einmal, wie man das bedingungslose Unterwerfen unter
eine fremde Religion gleichzeitig mit dem Gewähren des Ausübens eines
fremden Glaubens auf eine Linie ziehen kann.
Nun kann man sicher die erzwungene Steuer (Dschizya) hinterfragen, aber
über Abgaben in einem Forum, welches dem Debitismus huldigt – das ist
keine Kritik – zu debattieren, hieße vermutlich Eulen nach Athen zu
tragen.

Ich habe geschrieben, dass "sich jeder Einzelne in demütiger Haltung dem Machtbereich des Islam unterwerfen musste.

Man muss also festhalten, dass Gewalt im Koran nicht verboten, sondern
erlaubt und sogar geboten wird. Auch der meist unvollständig zitierte Vers
32 der 5. Sure „enthält nur ein Tötungsverbot der Muslime
untereinander, das nicht gilt, wenn jemand einen Mord begeht oder Krieg
gegen Allah und seinen Gesandten führt und Verderben im Land stiftet.“
Zugleich gebietet Allah auch die gewaltsame Ausbreitung des Islam, die
durch den Dschihad geschieht, der gemeinhin „Heiliger Krieg“ genannt
wird.

Der Vers 32 in Sure 5 lautet wie folgt:

Aus diesem Grunde haben Wir den Kindern Isrāʾīls vorgeschrieben:
Wer ein menschliches Wesen tötet, ohne (daß es) einen Mord (begangen)
oder auf der Erde Unheil gestiftet (hat), so ist es, als ob er alle
Menschen getötet hätte. Und wer es am Leben erhält, so ist es, als ob er
alle Menschen am Leben erhält. Unsere Gesandten sind bereits mit klaren
Beweisen zu ihnen gekommen. Danach aber sind viele von ihnen wahrlich
maßlos auf der Erde geblieben.

Woraus leitest Du hier ab, daß damit nur die Muslime gemeint sein
sollen?
Der Versbeginn richtet sich ja gerade an die Kinder Israels, die über das
Töten belehrt werden und sich offenbar dennoch nicht daran hielten.

Ja, da ist ein Fehler in dem Zitat: Es ist ein Tötungsverbot nicht für Muslime untereinander, sondern für die Israelis. Aber worauf es ankommt ist, dass es nicht ein allgemeines Tötungsverbot ist, wie verkürzt behauptet wird.

> „Sechzig Prozent der Koranverse handeln von Djihad. … Der Djihad
[quote]wurde zur grundlegenden Triebkraft des Islam.“ „Der Djihad ist die
Motivation hinter fast jedem terroristischen Akt, der im Namen des Islam
verübt wird.“ „Den Djihad finden wir im Koran als einen zwingenden
Befehl an alle Muslime vor. Im Djihad geht es darum, Menschen, die den
Islam nicht annehmen, zu unterwerfen.

Wenn Du Dich so tief in die Materie gekniet hast, dürfte Dir aber auch
aufgefallen sein, daß diese ausschließliche Interpretation von
islamischen Gelehrten abgelehnt wird, denn das Wort bedeutet „Anstrengung
auf dem Weg zu Gott“, was sowohl militärisch als auch als innerer Kampf
gegen das widerstrebende Ich gedeutet werden kann.[/quote]

Ja, es gibt den inneren und den äußeren Djihad. Aber der innere spielt de facto nur eine geringe Rolle und der militärische ist zur beherrschenden Kraft geworden, gerade auch durch das Vorbild der Taten Mohammeds, die neben dem Koran als Sunnah in die Vorschriften des islamischen Rechts, der Scharia , eingegangen sind. Allah hat den Menschen unter bestimmten Umständen das Recht übertragen zu töten, so den Kämpfern im Dschihad, die das Recht haben, ihre Feinde zu eliminieren. Die Mudschahedin (die den Dschihad Ausübenden) wurden dabei zur treibenden Kraft der islamischen Glaubens- und Kampfgemeinschaft. Ihnen steht für ihren Einsatz im Dschihad das Recht auf vier Fünftel der Kriegsbeute zu, und sie haben als Einzige die Gewissheit, beim Tod im Dschihad als shahÄ«d sofort den Eintritt ins Paradies zu erhalten, da sie als „Gläubige“ einen Vertrag mit Allah geschlossen haben.

Auf die von Dir zitierten Koran-Suren kann ich im Moment aus Zeitgründen nicht eingehen, weil man dabei immer berücksichtigen muss, welche Stellen spätere sind als die anderen und diesen insoweit bei Widerspruch vorgehen - so die überwiegende Auslegungsregel.
Mark A. Gabriel, früherer Professor für Islamische Geschichte an der Azhar-Universität in Kairo, der angesehensten Universität des Nahen Ostens, macht darauf aufmerksam, dass der Koran im Laufe von 22 Jahren entstanden ist, in denen Mohammed, seine Anhänger und der Islam sich von einer friedlichen Religionsgemeinschaft zu einer religiös-politischen Kampfgemeinschaft entwickelt haben.

Gerade weil ich religiös bin, habe ich persönlich die Frage, was
der via "Erzengel Gabriel" Mohammed inspirierende Allah für ein Gott ist.
Nach Christus ist Gott die Liebe - für alle Menschen, gleich welchen
Glauben sie haben oder in welchen Irrungen sie sich befinden.

Das dürfte ja wohl aus dem Inhalt des Koran eindeutig hervor gehen.
Die Bezüge zum AT und NT sind evident, nur werden eben diverse
„Ereignisse“ ein wenig anders interpretiert.

Was hier eindeutig aus dem Koran hervorgehen soll, ist mir schleierhaft.

Aber, wenn wir schon einmal beim Thema sind, wie vereinbart sich
eigentlich der Rachegott Jahwe des AT mit dem Gott der Liebe im NT?

Der Jahwe des ATs ist nicht der Gott des Christentums.

Die Toleranz wird immer durch die sie „lebenden“ Menschen
repräsentiert.
Nur ist eben so, daß Fremde (allgemein gesagt) im Koran nur dann
angegriffen werden, wenn sie den Muslimen ihren Glauben verwehren,
ansonsten können sie machen, was sie wollen.

Was zu bestreiten ist und von der Geschichte widerlegt wird (s. Prof. Egon Flaig)

Ich schrieb: .. erkenne aber die gewaltige Bilderflut im Kopf, die der
Koran von Gott erzeugt, als maßgeblich an.

Du antwortest: Das solltest Du überdenken, s. o.

Hast Du wirklich verstanden, was ich damit sagen wollte?

Während im NT, Jesus als Stellvertreter Gottes fungiert und später (nach
seinem irdischen Tod / Auferstehung) über die Dreifaltigkeit mit der
„Person“ Gottes verschmilzt, besteht der Koran auf der Allmacht Gottes
(Allahs).
Im NT ist der „Vater“ nur eine immer wiederkehrende „Randnotiz“,
wenn ich das jetzt so verkürzt einmal ausdrücken darf, die zwar im
Hintergrund die Fäden zieht, aber von der Person Jesus hell überstrahlt
wird.
Im Islam werden dagegen die Positionen vertauscht, in dem diesmal der
Vater (der diesen Begriff im Islam aber so nicht repräsentiert) vollends
ins Rampenlicht tritt und Jesus nur sein Prophet gewesen sein soll.
Ich akzeptiere das als Christ so nicht, weil ohne die Auferstehung die
christliche Botschaft in sich zusammenfällt, aber es ist in jedem Fall
beeindruckend, wie man das Thema auch von einer anderen Seite – die es
unterm Strich ja nicht einmal ist – angehen kann.
Ohne seine Wundertaten wäre Jesus kaum erhört worden, denn erst sie
haben ihn die Scharen von Menschen zugeführt, die dann auch deren Ohren
und Herzen öffneten.
Im Gegensatz dazu steht Mohammed, der definitiv keine Wunder vollbrachte,
aber durch den „wortgewaltigen“ Koran die Leute in seinen Bann zog.

Bilderflut Allahs. Ist Allah der Vatergott des Christentums, nur dass er keinen Sohn und keinen Heiligen Geist neben sich hat?
Ich bezweilfle das.

Das ist der geistige Hintergrund, der bei mir über Debatten um Religionen
mitschwingt und deshalb reagiere ich auch leicht allergisch, wenn dann die
Elefanten mit ihrem Gebrülle den zarten Pfand des Verständnisses
zertrampeln, so daß am Ende auf beiden Seiten nur noch Frust verbleibt.
Und genau das ist dann auch der Einsprung für die wirklichen
Menschenverächter, die in großer Freude sind, wenn ihnen alle Türen für
ihre verführerischen Botschaften aufgesperrt werden.

Diese Einstellung ehrt Dich. Aber ich glaube nicht, dass man sich durch religionstheoretische Interpretationen überhaupt verständigen kann, sondern nur über die reine Menschlichkeit, mit der man den Muslimen begegnet. Sie schafft eine Verständigung - oder nicht.
Die einfachen Muslime sind den Vorgaben der Imame und Herrscher ausgeliefert, die oft aus ganz anderen Motiven kommen.

Nichtsdestoweniger schätze ich sehr den sachlichen Disput mit Dir
darüber, auch wenn wir offenbar verschiedene Auffassungen vertreten.
Du zwingst mich mal wieder über die Bücher zu gehen, was auch nicht zu
verachten ist. [[zwinker]]

Ganz meinerseits!

MfG
Falkenauge


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