Fälschung Volkskammerwahl 1986
Hallo Plancius, DT und Forum
Nun gut, ein persönlich erlebtes Beispiel aus dem Rand-Brandenburgischen. Damals arbeitete ich in einem Industriedorf, ca. 15 Km entfernt von der Kreisstadt in der ich wohnte. Zum Zeitpunkt der Volkskammerwahl lief mein Ausreiseantrag schon gut über anderthalb Jahre. Ich weiß nicht wie ich mich ohne den Antrag verhalten hätte, durch den Antrag war die Sache aber klar. Am folgenden Montag ging im Betrieb das Getuschel rum das 7 Beschäftigte (bei einem Betrieb mit gut 400 Mitarbeiter) nicht zur Wahl waren. Einer davon war ich, welcher aber in der Kreisstadt einem anderen Wahlkreis/Bezirk zugehörte. Die anderen 6 waren alle aus den dem Betrieb zugehörenden bzw. umliegenden Dörfern.
Nun habe ich nach der Arbeit die Wahlergebnisse in der regionalen Zeitung studiert. Alle Dörfer nördlich der Kreisstadt bildeten einen Wahlkreis. Die Wahlbeteiligung war mit 100% aufgeführt. Auch die genaue Zahl der Wahlberechtigten stimmte exakt mit den Wahlteilnehmern überein. Diese Dreistigkeit hat mich dann doch verblüfft. Bei 6 bekannten Nichtwählern in unserem Betrieb, könnte man für alle Dörfer des Wahlkreises konservativ so etliche Dutzend Nichtwähler (bei einem Wahlkreis mit ca. 8 000 bis 10 000 Wahlberechtigten) rechnen. Wenn sie (einfach mal angenommene 40) Nichtwähler auf 20 oder 15 reduziert hätten, hätte kein Schwein Anhalt für einen begründeten Verdacht. Bei uns in der Kreisstadt wurden (falls ich mich korrekt erinnere) 10 Nichtwähler offiziell ausgewiesen. Hätten sie auch hier 0 aufgeführt hätte ich sicher keine Wahlbeschwerde eingeleitet. Das hätte dann doch ein bisschen zu viel Heldenmut verlangt.
Eine Bestätigung noch zum Thema Wahlkabine. Bei der Kommunalwahl 1984 lief mein Antrag noch nicht, war aber schon geplant. Ich habe die Kabine benutzt und Anfangs naiv sogar eine offizielle Reaktion erwartet. Es kam aber nichts. Ganz sicher wurde dadurch aber meine Akte bei der um Sicherheit besorgten Behörde um ein Kapitel erweitert.
Gruß Fjord og Fjell