Für mich unglaubwürdig, dass sich Nietzsche für Denkverbote stark gemacht haben soll, wie du hiermit suggerierst

Mephistopheles, Datschiburg, Mittwoch, 12.06.2019, 07:05 (vor 359 Tagen) @ Oblomow844 Views
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 12.06.2019, 07:18

Warum sollte denn Nietzsche das in einem intimen Brief schreiben?
Vermutlich, weil es so war. Warum sollte er denn Overbeck anlügen? Es ging
doch bei Deiner Behauptung sive Argument darum, dass es Antisemitismus
nicht gab. Du beweist damit nur, dass Du die zweite Hälfte des 19.
Jahrhunderts nicht ausreichend untersucht hast. Den Historikerstreit
Treitschke, Lagarde, Stöcker, Förster, Richard Wagner

Lueger hast du vergessen.

- selbst in

Theologenkreisen reichte der Antisemitismus tief hinein, der in Polen und
Russland auch zu diversen sog. Pogromen führte.

Ah ja, weil in (protestantischen!) deutschen Theologenkreisen ein tiefreichender Antisemitismus vorhanden war, führte das zu Progromen in Polen und Russland?

Tote können sich nicht mehr wehren, aber du kannst wegen dieses Satzes froh sein, dass Nietzsche nicht mehr lebt. Er hättte dich in der Luft zerrissen.

Man mochte die Juden

einfach nicht, auch auf dem Land nicht.

Warum wohl? Die Leute hatten vielleicht nachvollziehbare Gründe?

Meine Großmutter, die vom

katholischen Lande kam, erzählte mir, dass die Rosshändler häufig Juden
waren und nicht wohlgelitten waren. Inwiefern das richtig ist, kann ich
nicht beweisen.

Oskar Maria Graf (das ist derjenige Nationaldichter, von dem die Sachsen noch nie gehört haben, weil er bayerisch schreibt) hat sich mal, ich glaube in Das Leben meiner Mutter (unbedingt empfehlenswert!) dezidiert darüber geäußert anhand der Ermordung eines jüdischen Rosshändlers, mit dem seine Familie geschäftlich verkehrte. Wobei OMG auch antisemitische Motive vermutet. Der Mord wurde nie aufgeklärt.
Rosshändler waren wohl damals genau so beliebt und angesehen wie heutzutage Gebrauchtwagenverkäufer. Der Ausdruck Rosstäuscher kommt nicht von ungefähr.
Wenn der Kunde sauer war, weil er sich über den Löffel balbiert vorkam und der Händler Jude, ist es natürlich einfach, ihm Antisemitismus zu unterstellen.
Der Kunde ist nicht sauer, weil er übers Ohr gehauen wwurde, nein, sondern weil der Händler Jude war! So einfach ist das.

PS: Nietzsche bezeichnete sich selbst als einen Anti-Antisemiten, was bei
einem von Dir behaupteten nichtexistierenden Antisemitismus wohl seinem
Wahn zuzuschreiben ist

Der Wahn liegt wohl eher bei den Zeitgeistern, die heute ihr Unwesen treiben. Könnte es sein, dass sich Anti-Antisemit zu Nietzsches Zeiten anders angehört hat als heute und dass sich Nietzsche heute gegen seine Vereinnahmung durch philiströse Anti-Antisemiten entschieden zur Wehr setzen würde?

Wenn man die Zeitumstände außer acht lässt, so findet man bei Nietzsche auch genügend Zitate, die ihn als Antideutschen und Anti-Antifranzosen kennzeichnen.
In Wirklichkeit hat er sich Zeit seines Lebens gegen Flachdenker eingesetzt. Ich behaupte, würde er hute leben, würde er sich genauso gegen flacchdenkende Anti-Antisemiten zu Wort melden.

Gruß Mephistopheles

--
Wenn wir nicht das Institut des Eigentums wiederherstellen, können wir nicht umhin, das Institut der Sklaverei wiederherzustellen, es gibt keinen dritten Weg. Hillaire Belloc


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