Konkrete Fragen zu 1) hierarchiefreien Unternehmen und 2) Dienstleistern für bisher staatliche Aufgaben

Morpheus, Mittwoch, 12.04.2023, 04:42 (vor 1055 Tagen) @ MausS3015 Views

Hallo MausS

schön das es mal etwas konkreter wurde, so kann man auch darauf antworten. Es wäre sehr schön, wenn Du auch mal mit Deinen Worten erklären würdest, warum alles Vorgeschlagene nicht funktionieren soll, statt immer nur auf die Worte und Texte von Anderen zu verweisen. Es kann doch nicht so schwer sein, die wichtigen Stellen zu paraphrasieren.

Herrschaft ist nicht mehr nötig, wenn der Staat als Genossenschaft oder - extrem gesprochen - als GmbH gedacht wird, wo man sich unter gemeinsamen Regeln (Satzung) und mit gemeinsamen Zwecken und gemeinsamem Kapital und gemeinsamer Arbeitsleistung zusammenfindet - und gemeinsam gewinnen oder untergehen kann.

Das kann ich so nicht nachvollziehen, denn nicht der Staat wird eine GmbH, sondern staatliche Aufgaben werden von GmbHs oder Genossenschaften erledigt. Dabei spezialisieren sich selbige als Dienstleister auf bestimmte Aufgabengebiete.


Lass dir von einem jahrzehntelang in derartigen wirtschaftlichen Subjekten in verantwortlicher Position Praktizierenden mitteilen, dass diese Behauptung bar jedes Realitätsbezugs ist.
Jede Satzung ist voller dieser fein ausformuliertere Regelungen und Rahmensetzungen. Deswegen, um auf ebendiese dort getroffenen verbindlichen Regelungen hinweisen zu können, muss ich die auch stets dabei bzw. abrufbar griffbereit haben.

Warum soll es diese Regeln denn AUSSCHLIESSLICH im heutigen Staatswesen geben? Das ist doch nur die Behauptung, dass freie Menschen zu dumm oder anderweitig nicht in der Lage sind ihre Zusammenarbeit zu organisieren. Warum sollen das nur Herrscher können, vor allen Dingen, wenn wir alle unsere heutigen Herrscher vor Augen haben. Ich denke so unterdurchschnittlich wie dieser Personenkreis heute besetzt ist, kann es nur besser werden.


Allein die tatsächliche praktische(!), zwingend vorhandene(!) Struktur dieser Organisationsformen deutet auf die größtmögliche Unkenntnis oder schlechthin totales Unverstehen des Schreibers bezüglich wirtschaftlicher Praxis hin.

Warum soll eine Struktur nur auf Befehlen und Hierarchien beruhen können? Natürlich muss es Strukturen geben, das ist völlig klar und wird wohl auch von niemandem bestritten.


Bleibt meinerseits einmal mehr die Feststellung, dass der Zeitgeist der Infantilisierung und Zersetzung Sachverstand, belastbares Wissen und praktisch erworbene Fähigkeiten spielerisch aus dem Rennen schlägt. Vielleichts reicht's ja doch, um unsere Zukunft erfolgreich zu gestalten?! Nur zu!

Warum immer dieser moralischen Abqualifizierung anstatt konkrete Kritik an einzelnen Sachthemen zu formulieren, über die man gerne streiten kann? Und ich behaupte, dass ich auch einiges an praktischen Erfahrung sammeln durfte. Sowohl beim Aufbau meines eigenen Unternehmens, als auch bei anderthalb Jahrzehnten in denen ich für eine Steuerverwaltung tätig war sowie bei ca. 20 Jahren als Dienstleister für Sparkassen und Banken. Zusätzlich noch mit einem Unternehmen im Ausland, was völlig neue Perspektiven eröffnet. Es wäre einfacher, wenn Du Deine Erfahrungen konkret einbringen würdest, statt immer nur so allgemein zu bleiben. Dann würde ich wieder mal versuchen konkret auf Deine Praxiserfahrungen einzugehen.

Dann definieren wir 'erfolgreiche Zukunft' eben einfach neu!

Wo und wann bitte gab es in der historischen Wirklichkeit jemals soziale Organisationsformen ohne ein hierarchisches Gefälle, einschließlich der damit einhergehenden Befähigung zur Ausübung organisierter Gewalt?

Einer meiner ehemaligen Mitarbeiter hat ein Unternehmen gegründet, das gänzlich ohne Hierarchien arbeitet nach dem Prinzip einer holokratischen Organisation. Er ist hoch zufrieden mit den Ergebnissen und meint die Effizienz und die Motivation der Mitarbeiter ist deutlich gestiegen. Er muss sich mit seinem Unternehmen am Markt beweisen und es funktioniert. Sie finden deutlich leichter neue und besonders gut qualifizierte Mitarbeiter. Was ein Gegenbeweis zu Deiner ersten These ist. Organisierte Gewalt, wie sie von Staaten routinemäßig ausgeübt wird, sollte zukünftig natürlich nur in Ausnahmefällen nötig sein. Das Aufstellen eines Windrades ist nämlich z.B. ein solcher Gewalt- und Willkür-Akt, der die umliegenden Grundstücke deutlich entwertet und die Lebensqualität der Anwohner deutlich absenkt, was natürlich nur in den wenigsten Fällen kompensiert wird.


Und falls man dies, die Organisation der Gesellschaft ohne Implementierung eines Herrschaftsanspruchs, anstreben will:
wie soll das praktisch umgesetzt und langfristig funktionierend gestaltet werden?

Natürlich mit Dienstleistungsunternehmen, die die staatlichen Aufgaben zeitlich begrenzt oder mit Kündigungsrecht übertragen bekommen. Z.B. ein Sicherheitsunternehmen pro Kommune, dass die Polizei-Aufgaben wahrnimmt. Damit es effizient wird, arbeiten diese Unternehmen im Rahmen von 2 bis 4 kontinentalen Franchise-Ketten, um so eine gemeinsame IT und sonstige Infrastruktur zu schaffen und auch in Extrem-Situationen einen überregionalen Beistand innerhalb der Gruppe organisieren zu können. Es gibt heute bereits Sicherheitsunternehmen, die Teile dieser Aufgaben wahrnehmen. Nicht alle Aufgaben, weil der Staat das nicht zulässt, um sein Monopol nicht zu verlieren. Anders als beim Staat werden aber konkrete Leistungen verabredet, die einzuhalten sind. Das Unternehmen kann nicht mal einfach die Polizei-Dichte radikal verringern, wie das in Deutschland inzwischen gang und gäbe ist, weil für Sicherheit kein Geld mehr da ist.
Gerichtsbarkeit kann genauso über normale Dienstleistungsunternehmen organisiert werden. Wenn ein Gerichtsurteil auf der höheren Ebene aufgehoben wird, muss dieses Unternehmen die Kosten für das fehlerhafte Verfahren erstatten, bzw. das erneute Verfahren ohne erneute Bezahlung zu Ende bringen. Nur mal zwei Beispiele "aus der Hüfte".

Das geht doch z.B. im Bankwesen auch heute schon. Wie kommt man nur auf die Idee, dass nur der Staat so etwas kann? Es sind doch ganz normale Bürger, ohne spezielle "Beamten-Gene", die die öffentlichen Aufgaben wahrnehmen. Warum sollen dieselben Menschen vergleichbare Aufgaben mit anderen Chefs in anderen Organisationsformen nicht genauso oder besser ausführen können? Begründe das bitte einmal ganz konkret? Auftraggeber und direkter Zahler ist der Souverän, wie heute der/die Herrscher, zukünftig die Bevölkerung der Kommune.


Bitte nicht utopisch irgend etwas zutiefst wünschens- und hoffnungswertes zusammendichten, sondern eine konkret nachvollziehbare, praktisch (und aus dem jetzigen Ist-Zustand heraus) umsetzbare Handlungsanweisung darlegen, Danke.

Ich habe in meinem überarbeiteten Buch sogar dargelegt, wie wir die Steuerzahlung im bisherigen Steuer-System in ein bis zwei Jahren dezentralisieren können. Ist hier aber zu komplex.

(Und nicht wieder außer Acht lassen, dass das Setzung von Recht ein Derivat der Macht ist, und nicht umgekehrt! Gerade das wurde uns doch in den letzten drei Jahren ausdrücklichst [[zwinker]] vorexerziert.)

Ja, heute und in der Vergangenheit war das so. Aber das muss nicht so bleiben. Siehe das holokratische Unternehmen von oben. Es gibt auch heute noch hierarchische Unternehmen, aber die funktionieren in der Praxis oft ganz besonders schlecht. Insbesondere wenn es um moderne Arbeitsanforderungen geht. Und sie finden sehr schlecht qualifizierte Mitarbeiter, was die Arbeitsqualität noch einmal absenkt. Selbst beim Militär ist man dazu übergegangen, den kleinen Einheiten vor Ort weitgehende Freiheiten bei der Erfüllung ihrer taktischen und strategischen Ziele zu lassen, weil man erkannt hat, dass statische Befehle im Kampf zu überproportional vielen Niederlagen führen.

@Morpheus scheitert daran ja auch immer noch grandios, aber es darf ja jeder mal...

An welchen Aufgaben scheitere ich bitte ganz konkret? Ich habe dir verschiedene Male konkret geantwortet, aber es kam niemals eine Erwiderung in der Sache, stets blieb es bei der persönlichen Herabwürdigung und auf meine beharrlich Aufarbeitung der i.d.R. wenigen inhaltlichen Argumente kam bei zweiten Mal gar nichts mehr.


Ansonsten gilt, wie stets bei all diesen ideologisch basierten Heilslehren:

Vorwärts nimmer - abwärts immer!

Verbunden mit einer herzlichen und ehrlich gemeinten Entschuldigung für meinen bösen, wirklich bitterbösen Sarkasmus grüßt, außerhalb des sich auf den argumentativen Austausch beziehenden Sich-Fetzens,

Ich versuche es mal wieder und hoffe immer noch auf konkrete Antworten. Gerne auch zu meine zurückliegenden Erwiderungen, die Du hier oder hier ignoriert hast. Wobei ich inzwischen vermute, dass Du keine Erwiderungen oder keine Argumente hast. Ich würde mich aber über einen Gegenbeweis zu dieser These freuen.

Viele Grüße
Morpheus

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