Der Staat, das bist DU!

Weiner, Montag, 10.04.2023, 11:07 (vor 1055 Tagen) @ Dieter3766 Views
bearbeitet von Weiner, Montag, 10.04.2023, 11:13

Hallo Dieter -

Du kennst zwar meine Antwort auf Deine Frage und hast sie ganz sicher auch verstanden. Aber Wiederholung und Neuformulierung schadet ja nicht.

Im Prinzip geht man heute auf der ganzen Welt zumindest verfassungsrechtlich und verfassungstheoretisch davon aus, dass Menschen (Personen, Individuen) sowohl Quellen wie Organe wie auch Ziele des Staates sind. In den betreffenden Formulierungen (Völkerrecht, Verfassungsrecht) wird hierbei von Bürgern gesprochen, die die eigentlichen Souveräne der Republiken seien (häufigste Staatsform).

Der Bürger als Souverän - das ist erst langsam ins Bewußtsein der Menschen gedrungen, denn ein paar tausend Jahre lang war der König von Gottes Gnaden, später der Territorialfürst der eigentliche Souverän. Nur ganz am Anfang, als man sich Führer für kleine Stammesgruppen wählte, war einst die Souveränität der Freien (neben den Sklaven ...) noch sichtbar. Und dann halt später wieder nach der Französischen Revolution. Diese Konzeption ist bis heute geblieben. Bürger und Bürgerin bilden den Ausganspunkt, die Maschine an sich sowie das Arbeitsgebiet des Staates, insofern der Staat sich um das Gemeinwohl, d.h. den größtmöglichen Nutzen aller kümmern soll.

Außer den Bürgern (mitsamt ihrem Vermögen, ihren Schulden und ihrem Können!!) und außer der Organisationsform hat der Staat meistens noch ein Gebiet (außer bei NGOs und Orden ...). Er stellt somit formaljuristisch eine Gebietskörperschaft oder eine Genossenschaft oder einen Verein etc. dar. In der Satzung der Genossenschaft (oder der GmbH usw.) wird dann geregelt, was und wie gemeinsam gearbeitet werden soll (Verfassung, Gesetze etc.).

Und da taucht dann sehr schnell das Problem auf, dass die Vielheit der Mitglieder/Bürger/Genossen sich einigen können muss. Und genau das ist das Problem, in dem Du steckst: Du sitzt mit 83 Millionen (eigentlich 10 Milliarden) in einem Boot, namens Bundesrepubklik Deutschland (Planet ERDE). Du hast Zweifel, dass das Boot richtig gesteuert wird, aber Du weißt nicht, wie andere darüber denken und ob sie bereit wären, mit Dir zusammen sich für eine Kursänderung oder gar die Auswechslung von Kapitän und/oder Mannschaft zu engagieren. Wenn Du etwas erreichen willst, musst Du eine Idee haben, einen Gesamtplan, viele Detailpläne (A,B,C ...) und sehr viel Sachverstand. Vor allem aber musst Du für Deine Idee werben und Mehrheiten formieren können, am Ende eine überzeugend qualitative oder wenigstens quantitative Mehrheit insgesamt finden (hoffend, dass alle sich daran halten): Politik ist Handeln in einer Gemeinschaft und für die Gemeinschaft.

Bundesländer können aus der Bundesrepublik austreten. Die Bundesrepublik kann aus der EU austreten. Eventuell könnten sogar Kommunen aus einem Bundesland austreten (das ist dann der Fall einer SEZESSION, zu dem es sehr viele Beobachtungen, Überlegungen und Konzepte gibt). Und natürlich kann auch der einzelne Bürger den Staat wechseln (es gibt ja einige Auswahl ...). Du kannst natürlich auch eine Revolution starten - aber immer und immer brauchst Du Mit-Bürger, die mitmachen und Dir folgen. Oder Du kannst Dich einer bestehenden Gruppe anschließen, die Deine eigenen Ziele am besten zu verfolgen scheint. Gegebenenfalls kommt es zwischen diversen Gruppen zu einem Kampf ...

Alles das ist rein rechtlich möglich - und sollte natürlich auch auf einem möglichst 'rechtsstaatlichen' Wege umgesetzt werden (der Kampf folgt eigenen Regeln ...). Wenn der Rechtsstaat in Gefahr ist, sollte man ihn bewahren.*) Das Einzige, was dafür nötig ist: die Schlafschafe müssen aufwachen und beginnen, als Souveräne in Gemeinschaft zu handeln.

Wenn sie nicht aufwachen, kommt es zu einer riesigen und langdauernden Katastrophe. Es bleiben aber in jeden Fall genügend Schafe übrig. Die werden dann entweder verwildern (und sich neu selbst organisieren????) - oder sie werden von Schafhirten und von Herdenbesitzern wieder aufgelesen und neu eingesammelt. Denn von letzteren werden ebenfalls einige die Katastrophe überleben. Dessen darfst Du sicher sein.

Herzliche Grüße!

W.

*) er besagt nicht anderes, als dass man in der Bürgerschaft mehrheitlich! bereit ist, möglichst gewaltfrei und nach vereinbarten (allgemein! einsichtigen und anerkannten) Regeln miteinander umzugehen und gemeinschaftlich zu handeln.


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