Cheatcode im Spiel des Lebens

Echo, Dienstag, 17.02.2026, 10:26 (vor 2 Stunden, 27 Minuten) @ Dragonfly235 Views
bearbeitet von Echo, Dienstag, 17.02.2026, 11:56

"Stiftungsauflösung für den armen Mann"

Wie jede Rechtsform kommt der e.V. mit gewissen Vor- und Nachteilen. Aber als rechtlich eigenständige Projektgesellschaft oder eingebettet in ein durchdachtes Konstrukt kann das sehr mächtig sein. Wie du schon erkannt hast lässt sich damit vieles umsetzen was auch mit Stiftungen geht, nur ohne Mindestkapital und mit der Möglichkeit, die Gelder direkt auf Ebene der Körperschaft auszugeben anstatt sie erst teuer ausschütten zu müssen. "Nicht dafür vorgesehen" ist relativ - die Grenzen zum Missbrauch sind fließend. Schau dir einfach mal an was alle anderen machen, die mit ihren Machenschaften offensichtlich durchkommen. Ein e.V. ist nicht notwendigerweise ein öffentlicher Theaterverein oder Flüchtlingshilfe, denn auch privatnützige Vereine sind Realität - siehe Lobbyverbände, Geheimlogen, Burschenschaften, Parteistiftungen, und eben Vereine die angelehnt sind an §1 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG (der dort erwähnte Steuertatbestand lässt sich umschiffen).

Unzählige Vereine dienen nur einem sehr kleinen Rechtskreis und sind der Öffentlichkeit keinerlei Rechenschaft schuldig. Das kannst du auch. Ein eingetragener Verein benötigt lediglich 3 Mitglieder, um bestehen zu bleiben. Für die Eintragung etwas mehr. Diese Anforderungen sind nicht an Stimmrechte gekoppelt. Die erlaubten Regelungen von Satzungen sind sehr weitreichend - das BGB gibt lediglich einen sehr groben Rahmen vor. Allein ein Blick in den §40 BGB sollte dir aufzeigen dass vom Standard sehr viel abgewichen werden darf, sofern man sich damit näher beschäftigt. Wer die Gesetze versteht, der kann sie auch für sich nutzen.

Da juristische Personen in vielen Lebenslagen deutlich bevorzugt werden und viele Gestaltungsmöglichkeiten hervorbringen, gleichzeitig der Verein aber wenig Kosten und Pflichten hat, kann man sie nach Bedarf quasi beliebig neu gründen und auflösen - oder über Jahrhunderte bestehen lassen. So wie Unternehmen ihre Tätigkeiten in einzelne Körperschaften aufspalten. Der Unterschied ist, dass ein Verein keine Gesellschafteranteile hat, sondern lediglich Stimmrechte. Und die kann man gestalten. Schau dir etwa mal an wie der Redbull Leipzig designt ist, da kommt keiner dran.

Wie man den Vereinsmantel nutzt? Die parteinahe KAS etwa betreibt ein Luxusresort am Comer See. Jeder größere Sportverein verkauft Film- und Merchandise- Rechte. Der Schülerverein verkauft Kuchen und hat eine Ausschankgenehmigung. Autoclub ist Holding für Dienstleistungsunternehmen. Lebenshilfe betreibt einen großen Fuhrpark für ihre Mitarbeiter. Burschenschaft unterhält ein Wohnheim.

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Warum also nicht das Eigenheim zum Vereinsheim machen? Wieso aufwändig Erbscheine beantragen wenn man einfach für 27€ einen neuen Familienvorstand eintragen lassen kann? Warum nicht eine einzugsberechtigte Sperrminorität für die eigene GmbH in der Familienholding lassen? Warum sich nicht selber anstellen auf Midijob Basis? Warum als Selbständiger nicht steuerfrei Spenden sammeln über den Verein und gleichzeitig sein Ansehen steigern? Warum nicht einen Trust für die Kids aufbauen an den sie nicht sofort dran kommen? Warum nicht eine Idee für ein Nebengewerbe ausprobieren - in der haftungsbeschränkten juristischen Person ohne Progressionsvorbehalt? Warum nicht Leistungen über die nichtoperative Holding verrechnen um ein Steuergefälle zu nutzen und Gelder unangreifbar zu parken? Warum nicht mit einer jungfräulichen Körperschaft seine jahrzehnte ausgeuferte FIFO Historie der Kapitalanlagen bereinigen? Warum das Folgerisiko von Schrottimobilien persönlich tragen? Warum nicht selber irgendwelche Auszeichnungen verleihen? Die Möglichkeiten sind sehr individuell, geht dann auch viel ins Detail.

Gerade für den Armen Mann lohnt sich das Konstrukt, weil man damit viele Förderungen abgreifen kann die es sonst nicht gäbe. Ich denke da etwa an Familienversicherung, BaFöG, Elterngeld, Elektroprämie, bis hin zu ganz dicken Förderungen wie Pflegegeld. Wir hatten etwa einen Pflegefall in der Familie am Tiefpunkt der Immobilienkrise - wäre das Vermögen woanders drin gesteckt dann wäre die Omas&Opas Lebensleistung nicht in Rauch aufgegangen. Aber auch alle körperschaftlichen Förderungen wie Schachtelprivileg, extra Steuerfreibetrag, Steuersätze, Trennungsprinzip, ...

Nachteil ist eben, dass man sich um eine weitere Buchhaltung kümmern muss. Geschenkt gibts nichts im Leben.

Du machst den Fehler, dass Du davon ausgehst, dass der Staat sich an seine eigenen Gesetze hält.

Gesetze sind erstmal dehnbar - für beide Seiten. Können aber ohnehin jederzeit geändert werden. Meistens zum Vorteil der Klientel. Was bleibt uns anderes übrig, als das Katz und Maus Spiel mitzuspielen. Wo Pflichten sind, gibts meistens auch Rechte. Wenn man die Spielregeln genau kennt, kann man es sich jedenfalls recht angenehm einrichten. Ich habe mich mit einigen bekannten Firmen angelegt und bin fasziniert wie machtlos die am Ende sind wenn man sich gut aufgestellt hat (sofern sie nicht komplett durchdrehen und total illegal vorgehen).

US LLC

Ist meines Wissens sehr mächtig weil es einige Steuerschlupflöcher für Personengesellschaften gibt. Manche behaupten sogar, in der aktuellen Ausgestaltung des Rechts könne man damit Lastenausgleichs-Zwangshypotheken umgehen. Wie bei allen ausländischen Rechtsformen kommt halt ein Verwaltungs Overhead dazu, außerdem Abhängigkeit von Dritten vor Ort, sowie eine weitere Jurisdiktion mit allen ihren Eigenheiten und Fallen. Bei entsprechendem Budget sollte dort aber vieles möglich sein.


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