Stehen wir am Vorabend des 3. Weltkriegs?

Otto Lidenbrock, Nordseeküste, Donnerstag, 30.05.2024, 09:50 (vor 16 Tagen)4783 Views

Die Zeichen verdichten sich, dass der Westen die Ukraine autorisieren wird, mit den gelieferten Langstreckenwaffen auch russisches Staatsgebiet anzugreifen. Für diesen Fall hatte der russische Staatspräsident Putin mit "ernsten Konsequenzen" für die Länder gedroht, die der Ukraine die entsprechenden Waffensysteme geliefert haben. Wie genau diese aussehen würden, ließ er dabei offen.

Indes steigt unter vielen Journalisten und Politikern in Deutschland die Kriegsbegeisterung, so hat man den Eindruck. Einige scheinen sich geradezu danach zu sehnen, dass die Ukraine endlich russische Militärbasen und Flugplätze im Hinterland unter Beschuss nehmen darf, damit der Krieg am Ende doch noch gewonnen werden könnte.

Über die von Putin angedrohten Konsequenzen scheinen sich diese Menschen überhaupt keine Gedanken zu machen. Offensichtlich unterschätzen sie das russische Waffenarsenal maßlos, haben noch nie von Hyperschallraketen gehört und ignorieren die Tatsache, dass Russland die größte Nuklearstreitmacht der Welt besitzt.

Diese aufkommende Begeisterung für eine Eskalation erinnert fatal an die Monate vor dem Beginn des 1. Weltkrieges im August 1914. Damals wurde die Bevölkerung ebenfalls auf einen Krieg gegen die Entente eingestimmt und war schließlich so siegesgewiss, dass die ersten Soldaten noch mit Blumen in den Gewehrläufen in Richtung der Schlachtfelder zogen.

"Jeder Schuss ein Russ!" und "Jeder Stoß (mit dem Bajonett) ein Franzos'!" waren im Deutschen Reich gängige Parolen. Auch damals unterschätzte man die technologischen Möglichkeiten auf dem Schlachtfeld kolossal, erinnerte höchsten noch den begrenzten Waffengang gegen die Franzosen 1870/71 und betrachtete den Konflikt als spannende Bereicherung des langweiligen Alltags, so ähnlich wie einen sportlichen Wettkampf. Als das Schlachten an den Fronten dann begann, konnte keiner mehr zurück, weil jeder bis zum Schluss glaubte, als Sieger hervorgehen zu können, denn ansonsten hätten sich die gigantischen menschlichen und finanziellen Opfer nicht "gelohnt".

Wenn ich also die Äußerungen von vielen Journalisten und Politikern momentan verfolge, fällt mir auf, dass offenbar niemand tatsächlich Angst vor einer weiteren Eskalation bzw. Ausweitung dieses Krieges auf ganz Europa hat. Es ist vielen offenbar nicht bewusst, dass wir am Vorabend des 3. Weltkriegs stehen könnten.

--
"Eine Gesellschaft befindet sich im vorübergehenden oder finalen Verfall, wenn der gewöhnliche, gesunde Menschenverstand ungewöhnlich wird."

William Keith Chesterton


gesamter Thread:

RSS-Feed dieser Diskussion

Werbung