Das kann man rein negativ sehen, es war aber historisch so erfolgreich, weil es eine Win-Win-Situation war
Hallo Ostfriese,
ich vertrete hier seit einiger Zeit eine etwas andere Meinung und möchte diese auch hier noch einmal vortragen. Dottores Sichtweise ist mir inzwischen deutlich zu negativ.
Es gibt Belge zur Genüge, dass überall da, wo die Marktwirtschaft eingeführt wurden, dies nur mit Gewalt möglich war. Das wurde in einem Buch beschrieben, das hier diskutiert wurde, von dem ich mir den Titel jedoch nicht notiert habe und das ich mir auch nicht gekauft habe. Vielleicht kennt einer der Leser den Titel?
Natürlich war das so. Damals wurden die friedlichen Menschen von gewalttätigen Mitmenschen terrorisiert. Aber für die Gewalttäter war das ganze auch ungünstig. Die klassische Räuber-Beute Kurve entwickelt sich nämlich auch dort. Es wurden immer mehr Räuber und am Ende gab es keine Beute mehr. Dann einigten sich die schwachen, friedfertigen Männer mit den starken, gewalttätigen Männern auf regelmäßige Abgaben, wenn die Starken im Gegenzug den Schutz der Schwachen übernahmen.
Anders als Sklaven durften die Menschen dann in Freiheit leben und die "freie Wirtschaft" war entstanden. Die aber eine Unfreiheit, gegenüber den Herrschenden darstellte, aber wenigstens eine gewisse Sicherheit, auch Planungssicherheit brachte. Natürlich beruhte das alles auf Gewalt. Aber die Gewalt wurde zum gegenseitigen Nutzen angewendet.
Paul C. Martins Ausgangspunkt ist die Bewusstwerdung des 'perfekten Verbrechens' in einer seit der neolithischen Revolution auf der widernatürlichen Herrschaft des Menschen über den Menschen jenseits der Dunbar-Zahl gegründeten Zivilisation.Zu Beginn stehen Zwingherren mit ihrer Entourage (Söldner, Aufseher, Wächter, usw.), die mittels Waffenmonopol den Untertanen aus Sippen, Dörfern oder ganzen Stämmen eine terminlich-fixierte sanktionsbewehrte Schuld 'ex nihilo' – also nicht per Kontrakt – in Form von Abgaben, Tribute oder Steuern mit Zwang auferlegen. Am Anfang gibt es also kein Eigentum, Kredit oder Geld. Es gilt zu verstehen, dass diese Abgabeneinheiten schon von Beginn an die zwingend notwendigen Besicherungen für die Redistributionen an die treu dienende Entourage des Zwingherrn sind.
Schutz gegen Geld, also das Mafia-Prinzip ist nicht nur schlecht, wenn man es mit permanente Vogelfreiheit vergleicht.
Säumige Abgabenschuldner, die also im Abgabenminus sind und die Sanktionen vermeiden wollen, leihen sich das terminlich-fixierte-sanktionsbewehrte zu leistende Abgabengut von Abgabenschuldnern, die sich im Abgabenplus befinden. Das Schulddokument, das zwischen diesen beiden Abgabenschuldnern geschlossen wird und das wiederum einen privaten Termin enthält, kann VOR diesem vom Gläubiger seinerseits wieder für ihn mittels Gläubigerzession zu zusätzlichem Abgabengut gemacht werden. Der Diskont (Abschlag) wird nach heutigem Verständnis zum 'Zins', wenn von 'unten' gerechnet wird. Die regelmäßige Surplus-Erzwingung von Abgabengütern über den Subsistenzbedarf – auch über die eigene Bevorratung hinaus – ist dem Zwang der Zwingherrschaft geschuldet. Der ursprüngliche 'Zinnß' und der heutige Zins sind also eine Funktion der Zeit. Das Wirtschaften mit Eigentum, Geld und Zins tritt historisch viel später auf – meines Wissens in Mesopotamien. In Mesopotamien existierte ein vollentwickelter Kapitalismus, einschließlich Börsen für Abgabengüter.Die Herkunft des 'Geldes' aus der machtgestützten Abgabenerzwingung (= Setzung anderer in einen mittels Termins und Sanktion definierten Schuldnerstatus) ist geklärt. Ist mit dem Geld das Wirtschaften in der Welt (mit Zins, Preisen, logischerweise belastbarem und besicherten Eigentum an Sachen und sich selbst), folgt alles Weitere (bis heute) wie auf Schienen.
Re: Geld als 'Erstfall' https://archiv.dasgelbeforum.net/ewf2000/forum_entry.php?id=381260
Also ich setze hier meine Sicht, "Warum Geld die Freiheit brachte" noch einmal etwas ausführlicher formuliert dagegen.
Grüße
Morpheus
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