Subjekt versus Objekt

Ostfriese, Freitag, 08.01.2021, 09:38 (vor 333 Tagen) @ trosinette1403 Views

Hallo Schneider,

das Subjekt meint, mithilfe der Zeichen (Sprache, Text, 'Erweiterte Realität') die Objekte erklären und beherrschen zu können. Die Heisenbergsche Unschärferelation zeigt das Gegenteil - zwei komplementäre Eigenschaften z. B. Ort und Impuls - eines Teilchens sind nicht gleichzeitig beliebig genau bestimmbar. Das Objekt weicht den Versuchen des Subjektes aus, es mittels eines rationalen Zeichensystems zu deuten und zu verstehen. Das besagen auch Kurt Gödels Theoreme, die die Grenzen formaler Systeme ab einer bestimmten Leistungsfähigkeit und damit die Unmöglichkeit des Beweises der Widerspruchsfreiheit der Mathematik aufzeigen - David Hilberts Programm ist nicht durchführbar.

So wie wir der Biologie ein Schnippchen schlagen wollen, so wollen wir auch dem Debitismus ein Schnippchen schlagen und für eine Geldwirtschaft sorgen, die alles so lässt wie es ist, nur in stabiler, kreisfreier Kontinuität. Die Biologie und der von @Weiner ins Spiel gebrachte GOTT lassen sich aber nicht von uns verarschen.

Die systembedingte Unsicherheit der Suche von Nachschuldnern, damit die Kreditketten nicht reißen, bedeutet, dass der Debitismus als Objekt dem untersuchenden Subjekt ausweicht und sich ihm den letztendlichen Deutungsversuchen mittels eines Zeichensystems entzieht. Phoenix5' Satz: "Und über allem schwebt der Debitismus, der seine Zyklen abspult, egal welche Tricks die Politik anwendet." zeigt eben, dass sich die ZMO den Deutungsversuchen durch die Zeichen des Subjektes entziehen will. Wir sollten uns sehr sicher sein, dass der ZMO immer etwas Neues zwecks Sicherung ihrer Existenz einfällt.

Baudrillard ist der Theoretiker, der den Paradigmenwechsels vom Subjekt hin zum Objekt in aller Konsequenz in seinem Werk unternommen hat. Indem er sich vom problematischen Subjekt distanziert, hat er den Gegenstand - in der Simulationstheorie das Modell (das Simulakrum) - in Philosophie eingeführt. Baudrillard sagt in späteren Jahren (2002): "[Das] 'Objekt' wird für mich das 'Paßwort' par excellence gewesen sein." Das Simulationsprinzip hat das Realitätsprinzip abgelöst und damit das Subjekt in seiner tragenden Position erschüttert und verdrängt. Das tritt auf den entschiedenen Widerstand zeitgenössischer subjektzentrierter Philosophen - und vieler User und Leser des Forums -, die von den Ideen der Aufklärung - Humanismus, Freiheit, Transparenz, Menschenrechte, souveränes Individuum, Demokratie, Fortschrittes - beseelt und von ihrer Durchsetzbarkeit überzeugt sind. Alle Bestrebungen des Subjektes, die Deutungshoheit und die Macht über das Objekt zurückzugewinnen, sind letztendlich zum Scheitern verurteilt - das Objekt verteidigt sich. Die Antwort des Subjektes ist immer willkürlich - bis zur Vernichtung. Das Subjekt kann die Probleme, die das Objekt zum eigenen Widerstand erzeugt, im Voraus nicht erkennen, da es die Zeichen noch nicht besitzt, um sie zu benennen und zu beschreiben - geschweige denn, sie vorab "lösen". Es kann nicht davon lassen - wir erleben die Exzesse der Kommunikation, der Sucht nach Transparenz, des Politischen, der Wissenschaft, des karzinogenen Wachstums des Realen als Spiegelung des gemäß dem Debitismus systembedingten Zwanges zur Aufschuldung. Dem entspricht spiegelbildlich eine Zunahme und eine karzinogene Wucherung in der Welt der Zeichen, die damit selbst zur Welt der Objekte werden - und umgekehrt. Keine Zeichenordnung kann das Objekt vollständig erfassen - es lässt sich nicht vollständig imitieren, produzieren und mithilfe von Modellen simulieren. In den Diskussionen einiger User des Forums geht es oftmals auch nicht mehr um deren Inhalt, sondern nur um ein referenzloses Modell - ein Simulakrum - der Kommunikation.

Das Subjekt begehrt und das Objekt verführt - genauer: Das Subjekt ist ohnmächtig gegenüber dem Objekt, das die Macht hat. Das Subjekt ist der Tücke - der Rache - des Objektes ausgeliefert. Die Gegenreaktion des Subjektes ist dann seine Willkür - kann es sie überwinden?

Gruß - Ostfriese


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