Erich Mende und die politischen Kabarettisten
Hallo Weiner
Die Mächtigen sitzen auf dem Nockerberg und lachen mit, denn sie wissen: dadurch wird ihre Macht weiter zementiert.
Aus den Glanzzeiten der Ensembles Die Stachelschweine in Berlin und der Münchner Lach- und Schießgesellschaft ist eine schöne Geschichte überliefert, die mittlerweile 50 Jahre zurückliegt.
Bei den Uraufführungen ihrer neuen Programme saßen immer bekannte Politiker der damaligen Zeit in der ersten Reihe des Auditoriums. Die Kabarettisten fragten den damaligen - heute in Vergessenheit geratenen - FDP-Bundesvorsitzenden Erich Mende (1916 – 1998) einmal, warum er sich regelmäßig die neuen Programme ansehe und anhöre, worauf er antwortete, dass er wissen möchte, welche politischen Stimmungen und Auffassungen bei den Intellektuellen und im Volk bestünden und vorherrschten, um die für ihn richtigen eigenen Antworten für seine Politik zu finden und zu formulieren. Die Kabarettisten waren sprachlos und verärgert, weil sie erkennen mussten, dass sie von den Politikern nur für deren eigenen politischen Zwecke benutzt, vereinnahmt und missbraucht wurden - was ja wohl nicht die Aufgabe des Kabaretts sei. Ihr späterer Kommentar war, dass sie die Politiker von vorneherein aus den Veranstaltungen hätte ausschließen müssen.
Gruß - Ostfriese