Sie sehen das Problem zu eng

Diogenes Lampe, Mittwoch, 25.03.2020, 14:20 (vor 303 Tagen) @ aliter7492 Views

Hallo aliter,

Danke für Ihren verständlichen Einwand, auch wenn er nach meinem Dafürhalten nicht ganz zuende gedacht ist.

Aber was die Prognosen für Deutschland betrifft insbesondere Vertragsfragen, Territorialfragen etc. so teile ich die Ansicht keinesfalls:
Zum einen dürften in wenigen Jahren sich die BRD Bürger von den klassischen Deutschen bis 45 so unterscheiden wie die Italiener von den klassichen Römern und damit dürfte die wissenschaftliche, organisatorische und staatliche Qualität eine ganz andere werden, ob die Kooperation dann für Putin et al noch interessant ist ist fraglich.

Ich denke nicht, dass es Putin hierbei um die "Reinrassigkeit" oder gar die "Rassequalität" der Deutschen geht. Beides ist ohnehin eine Legende. Genauso die vom "klassischen Römer". Bekanntlich stammten diese hier von den Griechen und Etruskern und dort vom Frauenraub bei den Sabinern ab.[[herz]]

Polen haben Jahrhunderte in Deutschland und Österreich mit Deutschen zusammen gelebt. Gerade auch die Pommern, Preußen und Sachsen. So war der Kurfürst von Sachsen lange Zeit König von Polen. Oder schauen Sie mal in ein Telefonbuch in NRW, da wimmelt es von polnischen Namen, weil Polen dort schon in der Kaiserzeit massenhaft einwanderten, die heute defacto ganz normale Deutsche sind. Ohne Polen kein Ruhrgebiet könnte man da sogar meinen.

Es geht also Putin in punkto Renaissance des Deutschen Reiches in den Grenzen von 1914 ganz bestimmt nicht um Rassenqualitätsfragen, sondern - wie bei den Römern - um die Kultur, die sich aus diesem Zusammenleben entwickelt hat. Gab es Probleme, dann meist mit dem Vatikan, der den Katholizismus der Polen benutzte, um den Einfluss des Vatikans auf das durch Preußen protestantisch geprägte Deutsche Reich zu vermehren. Das war der Hauptgrund, warum sich der Papst damals als unfehlbar erklären ließ und Bismarck daraufhin die Jesuiten aus dem Reich warf.

Zum anderen sind rechtliche Ansichten, Verträge Ansprüche der Deutschen allen anderen Staaten (nicht nur den starken, sondern auch den schwachen wie Polen) völlig egal; das interessiert kein Schw...

Ich weiß nicht, woher Sie die Gründe Ihrer so präzisen Aussagen nehmen? Ich fürcht jedenfalls, Sie haben sich noch nicht allzu viel mit dieser Frage beschäftigt. Es geht nicht allein um deutsche Ansprüche sondern, wie ich schrieb, vor allem um Völkerrechtsfragen, die nach dem Ersten wie Zweiten Weltkrieg von den Siegermächten nicht gelöst wurden. Auch untereinander nicht. Nach wie vor ist Deutschland ein Zankapfel für die Siegermächte. Also zumindest interessieren sich schon mal Russland, USA, Großbritannien und Frankreich dafür. Dann die UNO mit ihrer Feindstaatenklausel und somit auch die Chinesen als ständige Mitglieder im Sicherheitsrat.

Wenn die sich aber interessieren müssen, müssen es zwangsläufig auch all die Staaten, die Territorium des Deutschen Reiches seit 1945 verwalten. Ich fürchte, Sie überblicken die Komplexität dieser für Europa und die Welt hoch politischen Frage nicht. Da geht es nicht um nationalistisches Kleinklein irgendwelcher patriotischer deutscher oder polnischer Stammtische. Die interessieren in der Tat niemanden.

Das ist so spätestens seit 1918 den Wilsonschen 14 Punkten, das war so bei den Abstimmungen in Oberschlesien, das war nach 45 so usw. Der Heilige polnische Pabst hat unter grossem Beifall auf die ewigen slavischen Ansprüche auf Breslau verwiesen und auch den Regierungen hierzulande sind historische Rechtsfragen unangenehm bis egal.

Genau Ihr Beispiel beweist doch, dass sich auch der Vatikan sehr für diese Frage interessiert, oder nicht? Johannes Paul II. ging es nicht nur um irgendwelche slavischen Ansprüche auf Breslau, das ist nur Propaganda. Dem Vatikan geht es bei der polnischen Frage ganz grundsätzlich immer nur um den Keil, den Polen seit dem Versailler Vertrag zwischen Deutschland und Russland resp. Sowjetunion trieb, treibt und treiben soll. Deshalb ist überhaupt nur ein Pole zum Papst gemacht worden.

Es ging dem Polenpapst um das Aufbrechen des Warschauer Pakts und um die Wiederbelebung des gegen die Russen gerichteten sogenannten Intermarums und die Eingliederung und Einbindung der baltischen Staaten und galizischen Ukraine in die britisch-vatikanische Geopolitik gegen Russland. Und dazu fungierte Polen stets als Aufmarschgebiet für die sogenannte Russische Mission der Jesuiten. Die Russen haben also ein vitales Eigeninteresse an der Lösung der deutschen wie polnischen Frage. Da geht es also gar nicht vordergründig darum, was sich die heutigen Deutschen oder Polen wünschen.

Im Perso meines Bruders steht nicht mehr Breslau sondern Wroclaw und wen er nachfragt, wann ihm die Staatsbürgerschaft deutsches Reich abgenommen wurde, würde vermutlich der Verfassungsschutzu (sic!) anrücken. So scheint es leider

Das mag sein. Denn der Verfassungsschutz hat unter Haldenwang ja offenbar schon Paranoia wegen der sogenannten "Reichsbürger". Aber linkes und rechtes Narrentum spielt in dieser Frage nun wirklich keine Rolle. So, wie es imgrunde keine Rolle spielen wird, was im Ausweis Ihres Bruders steht. Wenn Sie sich die Gebiete der Sorben in Sachsen anschauen, sehen sie die Lösung des Problems. Man wird beide Sprachen als Amtssprachen beibehalten und es wird auch ganz gewiss keine ethnischen Vertreibungen geben. Wie gesagt: Putin handelt streng nach dem Völkerrecht. Auch Russland ist ein Vielvölkerstaat. So, wie im Übrigen auch Preußen einer war. Deswegen bin ich auch guter Dinge, dass dieser Prozess weitgehend friedlich ablaufen wird, auch wenn nationalistische Grüppchen auf beiden Seiten da sicher stänkern werden.


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