So schaut's aus!

Ashitaka, Montag, 11.05.2020, 18:55 (vor 2087 Tagen) @ Olivia2419 Views
bearbeitet von Ashitaka, Montag, 11.05.2020, 19:23

Hallo Olivia,

Unsinn! Niemand verbietet denen, Umsatz zu generieren! Die müssen den Umsatz unter VERÄNDERTEN Bedingungen generieren!

So schaut's aus. Zumindest bei den meisten Betrieben die nicht in den letzten Jahren alles auf Pump renoviert haben und sich bei 08/15 Küche einen teuren 5 Sterne-Saal geleistet haben. Hoteliers mit Gastronomie ist ein anderes Thema. Da sieht es wirklich sehr mau aus.

Aber 90% der mittelständigen Gastronomieetriebe mit warmer Küche sitzen nicht im berliner, kölner oder münchner Stadtzentrum, haben treue Kundschaften und keine Laufkundschaft wie am Flughafen.

D.h. sofort den Kundenstamm aktivieren und in die Akquisition. Exklusiver Lieferdienst! Muss er sich halt etwas umstellen und ein paar Köche müssen "Fahrer" werden. So what?

Und alle die man nicht braucht in Kurzarbeit schicken. Läuft bei Familienbetrieben nach eigenen Erfahrungen bestens, vorausgesetzt die Kundenfrequenz und Kundentreue bzgl. warme Speisen passte auch schon vorher. Für reine Pinten ist es gerade die Hölle!

Hier stehen vor den Lokalen überall große Schilder: WIR sind für Sie da! Rufen Sie uns an, wir lieferen Ihnen alles nach Hause!

So funktionierts bei vielen ohne dass sie verlustig unterwegs sind. Zwar wird wegen der wegbrechenden Getränkeumsätze der Rohertrag niedriger ausfallen, dafür sind die fixen Kosten / Liquiditätsbelastungen der Gastronomen im Schnitt wirklich ein Witz. Auch die Mieten sind bis auf die Stadtregionen nicht das Problem.

Mit Essensauslieferungen schaffen sie 45% Rohertrag. Die Personalkosten sinken auf max. 10% statt der üblichen 22%. Da muss der Chef mal selbst die Küche leiten. Die Aushilfen fürs Wochenende und die Veranstaltungen fallen weg. Miete im Schnitt 6%-8% (die meisten zahlen keine 4TEUR Pacht im Monat, viele Familienbetriebe haben Eigentum und dafür Rücklagen), Fahrzeugkosten steigen geringfügig auf 4-5%, wenn überhaupt. Werbekosten kann man sich dank sozialer Medien schenken und die übrigen Kosten schlagen im Schnitt ca. mit 10% Punkten zu buche (Verwaltung, Telefon, Buchführung, Betriebsbedarf etc. ohne Reinigungskosten, Beiträge).

Bleiben 12% Betriebsergebnis über. Schafft man es noch Getränke auszuliefern sieht die Rechnung deutlich besser aus (Rohertrag würde ich dann mit 60% statt den üblichen 70% ansetzen).

Ertragssteuerbelastungen bis auf weiteres erst mal auf Null fahren, falls gesetzlich versichert auf Mindestbeitrag runter gehen (zieht jede gesetzliche Krankenkasse mit geändertem Einkommensteuervorauszahlungsbescheid sofort mit).

Planungen und Hilfen leistet der Steuerberater umsonst, sofern er es checkt die bis zu 4 TEUR BAFA-Mittel zu beantragen und die Voraussetzungen dafür erfüllt.

Bleiben zwischen 12 und 27% Betriebsergebnis = vorläufiges Ergebnis (vor übrigen Zins- und Tilgungsdiensten) über. Wenn man da keine 3-4 TEUR Umsatz die Woche / 2.500 bis 3.420 € mtl. Ergebnis schafft und sich nicht mit den 15.000 Soforthilfe plus verfügbarer KfW-Mittel und tilgungsfreien Jahren über Wasser halten kann, dann soll es halt so sein.

Ich bin erstaunt, wie viele Gastronomen das seit Wochen schaffen und baff wie gutgelaunt sie es meistern. Dass viele jammern hat auch mit der fehlenden Begeisterung und Initiative der Geschäftsführer zu tun. Da hab ich schon alles erlebt (letztes Jahr noch AWD oder Vermögensberatung, heute exklusive Küche mit Aldieinkauf). Oder 900 € AMG vor der Tür, immer an der Überziehungsgrenze und jedes dritte Jahr Betriebsprüfungen bei denen die Kassenführung auch nach dem hundertsten Hinweis ein Fremdwort bleibt. Da konnte ich früher ein Liedchen von singen und bin heilfroh wenn sie nun alle vom Markt verschwinden. Dieses Möchtegernunternehmertum, dass jeden Monat anruft und fragt weshalb die Umsatzsteuer so hoch ist, ist in den Städten leider keine Seltenheit.

Der Fisch stinkt vom Kopf.

Herzlichst,

Ashitaka

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