Das Gelbe Forum Forum nach Zeit sortieren Forum nach letzter Antwort sortieren die 150 neuesten Beiträge
Forum-Menü | Fluchtburg autark am Meer | Goldpreis heute | Zum Tode von Jürgen Küßner | Bücher vom Kopp-Verlag
ZITAT »Wir ersticken in der Datenflut.«

    Warum zahlen Banken Sparzinsen?

    verfasst von Sokrates, 03.11.2010, 12:14

    Hallo allerseits.

    Auch wenn mir klar ist, dass alles was Zinsen betrifft hier schon zur Genüge abgehandelt wurde und jede neuerliche Diskussion daher bei Vielen auf wenig Gegenliebe stößt, erlaube ich mir dennoch die folgenden Überlegungen zur Diskussion zu stellen, da ich das Thema für sehr wichtig erachte und es nach wie vor sehr unterschiedliche Meinungen dazu gibt.

    Banken zahlen für Sparguthaben Zinsen. Manchmal mehr, manchmal weniger. Warum eigentlich überhaupt? Um ihre Kunden dazu zu motivieren, Sparguthaben zu halten. Doch was hat eine Bank davon und welche Bedeutung haben die Sparguthaben eigentlich für das Bankensystem insgesamt?

    Eine noch immer weit verbreitete Meinung lautet:

    Sparer leihen durch „Sparen“ der Bank Geld, das diese dann in Form von Krediten weiterverleiht. Die Bank benötigt also Sparguthaben, um Kredite vergeben zu können. Sie muss daher einen Teil ihres Zinsgewinns an die Sparer als Sparzinsen weitergeben, da die Sparer sonst keinen Grund hätten, ihr Geld der Bank zu leihen.

    Dieser Meinung ist natürlich klar zu widersprechen. Tatsächlich läuft es nämlich genau anders rum:
    Zuerst vergibt die Bank einen Kredit, ohne dabei bestehendes Geld zu verleihen, sondern indem sie das Geld in Form von GB-Giralgeld erst erschafft. Es bedarf also zumindest grundsätzlich keiner Spareinlagen, damit eine Bank Kredite vergeben kann.

    Warum haben Banken dennoch Interesse an Sparguthaben, welchen Vorteil haben sie dadurch?

    Sucht man nach dem Vorteil, sollte man vielleicht einmal die Alternativen betrachten.
    Was sind für einen Bankkunden die Alternativen zum Sparen?

    1) Das Geld in Form eines täglich fälligen Guthabens zu halten.
    2) Mit dem Geld einen Kredit zurückzuzahlen.
    3) Das Geld in Form von Bargeld zu haben.
    4) Mit dem Geld etwas zu bezahlen, bzw. es zu „investieren“.

    Zu 1) Wenn man Geld in Form eines täglich fälligen Guthabens bei einer Bank hat und dieses Geld auf ein Sparkonto „legt“, ändert sich eigentlich nur die Fälligkeit des Guthabens. Und die Bank benötigt während der Zeit, wo das Guthaben ein „Spar“-Guthaben ist, weniger ZB-Geld als Mindestreserve. Die Bank spart sich dadurch nur die Zinsen für das nicht benötigte Mindestreserve-ZB-Geld, also z.B. 3% von 3% = 0,09%. Durch das Zahlen von Sparzinsen ist damit Sparen für die Bank sicherlich das schlechtere Geschäft.

    Zu 2) Kredit-Rückzahlungen müssten der Bank eigentlich lieber sein, als Sparen, sie kann dadurch ja mehr neue Kredite vergeben, woran sie sicher mehr verdient als am Sparen.

    Zu 3) Wenn ein Sparer sich sein gespartes Geld bar auszahlen lässt, benötigt die Bank zeitnah zusätzliches ZB-Geld in voller Höhe des Sparguthabens. Muss sie sich dieses Geld direkt bei der ZB besorgen, muss sie dafür notenbankfähige Sicherheiten bei der ZB verpfänden. Bilanzmäßig bedeutet die Auszahlung nur einen Passivtausch. Die Verbindlichkeit gegenüber dem Sparer wird durch eine Verbindlichkeit gegenüber der ZB ersetzt. Auch bezüglich Zinsen ändert sich nicht viel, vorher bekam der Sparer welche, nun die ZB.
    Ein wirkliches Problem entsteht für die Bank allerdings, wenn sie keine notenbankfähige Sicherheiten hat. Es ist anzunehmen, dass die meisten Lösungen, die dieses Problem umgehen, ungünstiger sind, als die Sparen-Variante.

    Zu 4) Dadurch wandert das Guthaben nur zu einem anderen Bankkunden. Betrachtet man eine einzelne Bank, so liegt, falls der Zahlungsempfänger Kunde einer anderen Bank ist, das gleiche Problem wie bei 3) vor, die Bank bräuchte zusätzliches ZB-Geld. Betrachtet man die Gesamtheit aller Geschäftsbanken, so wird durch Investitionen kein zusätzliches ZB-Geld benötigt.

    Resümee

    Der Grund dafür, dass die Geschäftsbanken, sowohl einzeln als auch in Summe betrachtet, an Spareinlagen interessiert sind, kann somit nur daran liegen, dass sie damit erreichen wollen, möglichst wenig ZB-Geld in Umlauf bringen zu müssen. Die GBs können nämlich nicht das gesamte von ihnen in Umlauf gebrachte GB-Giralgeld in ZB-Geld „verwandeln“, da sie dafür über zu wenig notenbankfähige Sicherheiten verfügen.
    Das von ihnen geschaffene Giralgeld soll daher möglichst nicht in Bargeld „umgewandelt“ werden müssen, sondern in Form von Guthaben auf Kunden-Konten bestehen bleiben. Ob es sich dabei um Sichtkonten oder Sparkonten handelt, ist dabei eher von geringer Bedeutung.
    Obwohl Sparzinsen klarerweise die Motivation der Kunden, Sparguthaben anstelle von Bargeld zu halten, erhöht, ist es sehr fraglich, ob es für den Fall, dass keine Bank Sparzinsen zahlen würde, es wirklich zu einer erhöhten Bargeld-Nachfrage käme. Vielmehr ist anzunehmen, dass es genügen würde, keine oder geringere Kontoführungs-Gebühren zu verrechnen, um den Bargeld-Umlauf genauso gering zu halten.

    Damit wäre es sehr vernünftig, wenn die Banken übereinkämen, keine Sparzinsen mehr zu zahlen.

    ---
    Grüße von
    Sokrates

    

    gesamter Thread:

  • Warum zahlen Banken Sparzinsen? - Sokrates, 03.11.2010, 12:14

Wandere aus, solange es noch geht.


CoinInvest – Ihr Edelmetallhändler










480329 Postings in 56596 Threads, 953 registrierte Benutzer, 0 User online ( reg., Gaeste)

Das Gelbe Forum: Das Forum für Elliott-Wellen, Börse, Wirtschaft, Debitismus, Geld, Zins, Staat, Macht (und natürlich auch Politik und Gesellschaft - und ein wenig »alles andere«) | Altes Elliott-Wellen-Forum

Ja, auch diese Webseite verwendet Cookies. Hier erfahren Sie alles zum Datenschutz