Sechs Jahre seit Corona: Zeit, die schnell vergeht

PPQ ⌂, Pasewalk, Sonntag, 15.02.2026, 20:37 (vor 1 Tag, 14 Stunden, 56 Min.) @ helmut-1767 Views

Das Erstaunlichste an der Pandemie: Corona hat kaum feste Spuren hinterlassen in der kollektiven Erinnerung. Die Pandemie hat Freunde entzweit, sie hat Menschen das Vertrauen in Politiker geraubt und Politiker überzeugt, dass Wählerinnen und Wähler der eigentliche Feind sind, den es mit Maßnahmen, Regeln und Auflagen zu bekämpfen gilt. Stadt und Land sind in den ungezählten Wellen auseinandergedriftet.

Ost und West, Links und Rechts, die gebildete Elite und die von ihr abschätzig betrachtete Masse, sie alle zerfielen in Parallelwelten, die einander beargwöhnten.
Die Zeit mit dem "Mund-Nase-Schutz" ist kulturell ein einziges Ödland. Filme, die während der Pandemie Filme gedreht wurden, handelten absichtlich nicht von Massensterben und Weltuntergang. Die meisten waren, was sie immer sind: Der nächste "Tatort", die nächste Literaturverfilmung, die nächste ZDF-Komödie oder noch ein Superstarspektakel aus Hollywood. Peinlichst vermieden es Regisseure zum ersten Mal in der Geschichte der Moderne, eine großer, große Krise als Kulisse für ihre großen Dramen zu nutzen.

Corona-Filme oder auch nur Filme, die in der Corona-Zeit spielen, gibt es von wenigen, sehr wenigen Ausnahmen abgesehen nicht. Wenn eine Maske auftaucht oder ein Beatmungsgerät, dann nie als kultureller Code. Auch in der Musik ist Pandemie eine Leerstelle. Keine Band hat sie besungen, kein Komponist ihr eine Maskenoper geschrieben. Es gibt kein Theaterstück über die Osterwelle und kein Triptychon eines Malers über die bis dahin für jedermann unvorstellbaren Reiseverbote im Sommer 2020.

Historiker, die in 100 oder 500 Jahren nach dem Zeitalter suchen, in dem aus Italien und Spanien, aber auch aus Großbritannien und den USA schreckliche Nachrichtenbilder kamen - verzweifelte Ärzte, Leichenwagenkolonnen, überfüllte Krankenhäuser, Schlangen vor Arbeitsämtern und Gräberfelder - werden in Kunst und Kultur nicht fündig werden. Keine Heldengeschichten aus Pflegeheimen.

Keine Liebesfilme mit Klatschen vom Balkon. Nicht einmal ein Thriller aus dem Inneren des Bundeskrisenstabes ist bis heute entstanden, geschweige denn eine packende Serie über die Konflikte im Robert-Koch-Institut oder die Ansteckungsangst in der Ministerpräsidentenkommission.

Eine Seuche ohne Spuren

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Wir sprechen verschiedene Sprachen. Meinen aber etwas völlig anderes. www.politplatschquatsch.com


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