Es gibt keine Strukturen. Es gibt nur Menschen. Rettung ist unmöglich.
Hallo Mephisto!
Die Strukturen, das ist die Zivilisation mit allem, was dazu gehört, vor allem Handel und Verkehr und Nachrichtenübermittlung.
Es gibt keinen Handel und keinen Verkehr. Es gibt aber Handel treibende sowie umherlaufende und umherfahrende Menschen. Es gibt auch keine Nachrichtenübermittlung und überhaupt keine Fake-News sondern es gibt nur miteinander sprechende Menschen - die sich entweder um die Wahrheit gemeinsam mühen oder aber einander lügen und täuschen.
Dabei fällt mir ein, das ist historisch gar nicht so lange her, dass genau diese Zustände herrschten, ohne Handel und Verkehr. Nämlich vor Erfindung der Schrift und vor Erfindung des Geldes.
und keiner kannte jemanden außerhalb seines eigenen Stammes und interessierte ihn auch nicht.
Neulich fand man wieder einmal eine schöne Moorleiche in Dänemark. Und bei der genauen Untersuchung stellte sich heraus, dass die gute Frau in ihren letzten beiden Lebensjahren mehrfach zwischen Schwarzwald und Dänemark hin- und hergewandert war (Haaranalysen). Ich würde die (fiktive) Wette eingehen, dass jeder Mensch, der vor der Erfindung der Schrift gelebt hat, weiter gelaufen ist in seinem Leben wie Mephistopheles. Soviel zum Verkehr in der Frühzeit.
Die Strukturen, von denen Olivia und Du reden, die gibt es nicht. Was als Struktur erscheint, ist lediglich die Summe und das (u.U. technische) Produkt von menschlicher Arbeit und Verhaltensweise.
Der Mensch selbst ist auf extreme Weise konditionierbar, sei es durch Lernen oder durch Zwang. Also müsste es möglich sein, ihn auf die ideale Weise abzurichten: dass er keine Plastikflasche wegwirft (oder erst gar keine produziert) und nur vegetarisch isst und keine Pornohefte anschaut. Man kann den Menschen praktisch zu einem völligen Automaten machen. Warum klappt es dann nicht, dass 'die Welt' gut ist?
Weil es Interessengruppen innerhalb der Menschheit gibt, die verschiedene Ideen darüber haben, wie der Mensch abgerichtet werden soll. Insofern passt der Begriff "Interessengruppen", den Olivia verwendet, sehr gut, weil diese (relativ kleine Anzahl) Menschen eigene Interessen verfolgen und sich dafür je eigene Abrichtungssysteme ausgedacht haben.
Gäbe es nur eine einzige derartige Interessengruppe, dann wäre alles sehr einfach. Dann würden wir alle nach deren Pfeife tanzen. Leider aber gibt es (im Augenblick noch) mehrere solche Interessengruppen, die miteinander in Streit liegen. Und es ist dieser Streit der Mächtigen untereinander, der die eigentliche Ursache ist für all das Elend ...
Und dann gibt es noch eine weitere Ursache: dass nämlich die Masse der Menschen nicht bereit ist, sich selbst abzurichten, d.h. frei, selbstbestimmt und nach der guten Sitte zu leben. Das ist das, was Olivia mit 'Regeln' bezeichnet hat. Da gibt es ein Dutzend davon, und zwar kulturübergreifend, und die sind gar nicht schwer zu halten. Wenn gleichermaßen alle Menschen diesen Regeln gemeinsam und aus freien Stücken und in eigener Disziplin folgen würde, dann hätten 'die Interessengruppen' mit ihren Hetzereien und Versprechungen kaum eine Chance.
Es gibt, ins Große übertragen, demnach auch keine 'Zivilisation'. Sondern die sog. Zivilisation ist nur die Summe von Millionen sinnentleerter menschlicher Handlungen, die dem Diktat einiger weniger Mächtigen folgen.
Es ist nicht nötig, die Dinge nach außen zu projizieren, wenn sie im Innern der Menschen liegen und dort gelöst werden können. Das Gesamt der menschlichen Geschichte und der menschlichen Kultur ist nur das äußere Spiegelbild der (erkannten) Möglichkeiten und der Entscheidungen, die die Menschen getroffen haben. Oder eben nicht getroffen haben.
Der Kampf der Interessengruppen hat allerdings zu Wettbewerb und eben zur Suche nach immer neuen Möglichkeiten geführt (Innovation). Im Augenblick halten sich nach meiner Einschätzung die Vorteile und die Nachteile des Interessengruppen-Wettbewerb-Systems noch die Waage. Nachteile sehe ich eigentlich nur dort, wo die Natur (unwiederbringlich) zerstört wird und wo Menschen, vor allem in Lateinamerika, Afrika und Teilen von Asien auch heute noch ausgebeutet, mißbraucht und geopfert werden. Die Menschen im Westen und in den entwickelten Nationen sind selbst schuld an dem, was ihnen widerfahren wird. Mit ihnen habe ich nicht das geringste Mitleid.
Über die fernere Zukunft der Menschheit habe ich vor ein paar Tagen hier geschrieben (Vierteilung):
https://www.dasgelbeforum.net/index.php?id=569590
Weiner