Die Goldene Regel der Durchdringung

Diogenes Lampe, Freitag, 10.01.2020, 20:47 (vor 415 Tagen) @ NST3564 Views

Hallo,

Der Inhalte aller Texte hat einen roten Faden - aus meiner Sicht, den
Vatikan und das daraus gestaltete Umfeld. In Bezug auf Europa und die USA,
welche von Europäern gegründet wurde, kann ich der Sichtweise folgen.

Für beides Europa/USA sind die religiösen Wurzeln auch die gleichen, im
Prinzip katholisch und evangelisch - ob letztere nichts mehr mit dem Papst
zu tun haben, sei einmal dahingestellt.

Aber schon mit Russland und dem Konstrukt wie es heute sich präsentiert,
dazu die orthodoxe Kirche dürfte das nur noch mit Abstrichen zutreffen.
Das heutige Christentum - Papsttum zählt rund 2 Mrd. Köpfe. Zum
mosaischen Teil dann noch 1,6 Mrd. Moslem. Alles zusammen max. 50%

Die anderen 50% haben eine andere Religion oder gar keine und diese Gruppe
wächst kontinuierlich während die andere schrumpft. Ich vermute jetzt
einmal den Umkehrpunkt haben wir mit der Jahrtausendwende erlebt.

Was wir sehen ist, dass diese Umformatierung gerade läuft. Aus meiner
Sicht ist der treibende Faktor, die neuen technischen Möglichkeiten, die
Quantencomputer sind möglicherweise die treibenden Kräfte im Hintergrund
- und die KI, die wahrscheinlich in nicht zu ferner Zukunft, als
Konkurrenten des Menschen in den Startlöchern steht.

Länder die dem Rechnung tragen, Russland und China - stehen dafür als
Stellvertreter auch Indien wird sich mit Sicherheit anschliessen.

Auf diese Länder hatte der Vatikan noch nie Einfluss, denn die Konzepte
des Denkens sind andere. Das British Empire/USA hatten bis zur
Jahrtausendwende mit ihrem Militär und ihren Zentralbanken auch diese
Länder dominiert, aber wir erleben gerade, wie sie sich frei schwimmen.

Jetzt kommt eigentlich meine Frage: Warum ist das immer nur ein Randthema?


Sozialstaat, Demokratie -- westliche Denkschemata sind der Erosion
unterworfen, mit der neuen Technik komplett inkompatibel. Mit KI Systemen
braucht man keine Zentralbanken mehr, um die Wirtschaft zu steuern, zu
kontrollieren, die ganzen Prozesse verwaltet die KI selbst - also
Kapitalismus gibt es keinen mehr, wenn 5G oder xG funktionieren .....

Warum will das keiner mit christlichen Wurzeln sehen? In Wirklichkeit sind
die Bürger des Westens treue Diener des Vatikan - und zwar aus
Überzeugung, denn den Schritt, den z.B die Chinesen schon wagen -
Überwachung und Erziehung digital - wird hier als Ausgeburt den Teufels
wahrgenommen.

Im asiatischen philosophischen Kontext gibt es aber überhaupt keine
Teufel - die wurden im Vatikan erschaffen. Erkennt ihr den Zirkelschluss?

Der ganze philosophische Unterbau des Westens, wird mit der neuen Technik
ab absurdum geführt werden. Es macht keinen Sinn, ein schon dem Tode nahes
Pferd, bis zum Schluss zu reiten ... denn die Richtung ist falsch. Alles
was ich im Prinzip lese, quer durch alle Foren und alternativen Medien, ist
der - neue Konservatismus - zurück zu alt bewährtem, aber das alt
bewährte war gar nicht so toll, wie uns heute versucht wird weis zu
machen.

Die 68er Babyboomer versuchten den Mief in den Beichtstühlen hinter sich
zu lassen, wurden aber von der Priesterschaft mit -Love and Peace-, Umwelt,
Feminismus und veganem Leben direkt im nächsten Bordell abgeliefert ....
den kapitalistischen Konsumtempeln ..... sogar die muskulösen Negers
werden für die bessere grüne Feministen Clique inzwischen auf Rezept und
zu Lasten des Steuerzahlers frei Haus geliefert ....

Extremster Materialismus versteckt sich heute unter dem Begriff
-Sozialstaat- auf den jene die ihn finanzieren inzwischen keinerlei
Kontrolle mehr ausüben. Wertkonservativ bedeutet in diesem Zusammenhang,
alles beleibt wie es war, nur die Begünstigten werden ausgetauscht.

Noch einmal, wohin wollen denn die neuen Wertkonservativen?
So toll ich heute im Rückblick die Reden z.B eines Franz Josef Strauss
beklatsche - seine Weitsicht - für das was er steht, dafür stand ich noch
nie - auch heute nicht.

Wertkonservativ, Bewahrer der Demokratie-der Echten, ist das nicht das
Vatikan Konzept?

Wenn Ex-Verfassungsschützer und Demokratieverteidiger zu neuen Ikonen
heranwachsen, dann ist nur eines klar, die Herde wird neu geframt - mehr
ist es nicht.

Kann mich auch irren. [[freude]] Lasse mich gerne eines besseren
belehren.
Gruss

Hallo NST,

Mit dem "neu geframt" haben sie natürlich recht. Dennoch: Sie sprechen hier eine ganze Reihe Themen an und bringen sie teilweise auch durcheinander. Ursache für das Durcheinander könnte sein, dass Sie in Ihren Überlegungen einige wichtige Dinge außen vor lassen und somit nicht beachten.

Da wir ja alle seit dem Ende der Napoleonkriege mit Hegel'scher Dialektik indoktriniert werden, die wir über die Medien so verinnerlicht haben, dass den Meisten das betreute Denken dabei gar nicht mehr auffällt, auch nicht den angeblich hoch Intellektuellen, neigen wir dazu, das Weltgeschehen in Fronten zu betrachten, die Krieg miteinander führen und dann kommt der Frieden als neue Synthese. Die ist dann das qualitativ höhere Programm. Und so war dann z.B. der Sieg der Aliierten über Hitler humanistischer Fortschritt, ohne dass man bei dieser Beurteilung berücksichtigte, dass Hitler ja von diesen "Humanisten" erst gemacht wurde. Sie sprechen von Konfrontationen, ich aber denke an Durchdringungen, welche eher der platonischen als der hegel'schen Dialektik folgen, eher der philosophischen statt der theologischen.

Sie stellen zwei Thesen - sprich Fronten - auf, also in ihrem Beispiel die drei abrahamitischen Religionen gegen die nicht abrahamitischen. Dann stellen Sie eine Parität fest und nehmen an, dass sich die nicht abrahamitischen Glaubenssysteme durchsetzen, indem sie die KI einsetzen. Dann nehmen sie den philosophischen Unterbau des Westens und machen daraus einen christlichen, den Sie dann folgerichtig der abrahamitischen Front zurechnen, die gerade verliert. Die KI aber machen Sie zur eigentlichen neuen Fortschritts-Synthese, also die qualitativ (sprich technisch) höherwertige Zukunft, welche die nicht abrahamitische Front gezogen hat, da sie sich mit einem Teil der abrahamitischen, nämlich der russisch orthodoxen, verband, um aus dieser die notwendige Antithese ziehen zu können.

In einem stimme ich Ihnen voll zu: Die Rückkehr zu früheren Verhältnissen in Europa ist eine Illusion und insofern auch der Konservatismus, der das anstrebt. Ich bin auch ganz bei Ihnen, wenn sie sagen: "Gott sei Dank!" Aber so, wie Sie das schildern, verhält es sich nicht in der realen Welt. Wenn Sie also schreiben, der Vatikan hätte nie Einfluss auf Russland, China und Indien gehabt, dann sind Sie in einem kolossalen Irrtum. Ich will hier nicht die ganze Geschichte der Jesuitenmissionen in Russland und China hersetzen und auch nicht die türkische und nicht zuletzt indische Geschichte dazu, die schon über das britische Empire eng mit dem Vatikan verbunden war -wenn auch "nur" in seiner protestantisch anglikanischen Priesterschaft, die hier die Führung der christliche Mission übernahm.

Ich würde Ihnen wirklich empfehlen, sich mehr mit der Missionstätigkeit der Jesuiten seit dem 16. Jh. zu beschäftigen und wie sie auf die europäische Geisteswelt gewirkt hat. Auch über ihre Pseudowissenschaftler, wie z.B. Athanasius Kircher. Das ist überaus lohnenswert. Hier können Sie auch reichlich in der Kunstgeschichte Europas fündig werden. Das ist eine wirklich hoch interessante Geschichte, die Ihnen auch von der europäischen Geisteswelt her ganz neue Perspektiven eröffnet. Schauen Sie sich unsere Schlösser und Gärten des 17. und 18. Jahrunderts an, wo es von chinesischen Einflüssen nur so wimmelt.

Im Übrigen kann eine neue Technik keinen philosophischen Unterbau einer Gesellschaft zerstören. Auch da sehen Sie anscheinend nur Fronten. Technik und philosophischer Unterbau entwickeln sich gemeinsam, wie kommunizierende Röhren. Natürlich war der Vatikan da wissenschafts -und technikfeindlich, wo er durch deren Entwicklung einen Machtkontrollverlust befürchtete. Genauso wie der Kommunismus. Aber er war nicht an sich diesen Errungenschaften gegenüber feindlich sondern hat sie natürlich selbst benutzt, sobald es ihm nützlich schien. Er versuchte halt stets nur, die wissenschaftliche und technische Entwicklung an seine Herrschaftsnarrative anzupassen und das wurde eben immer schwieriger, bis es imgrunde gar nicht mehr ging.

Als Kopernikus seine neuen Erkenntnisse über Sonne, Mond und Sterne und deren Bewegungen im All veröffentlichte, vor allem die Wahrheit, dass sich die Erde um die Sonne dreht und nicht umgekehrt, da reagierte ROM nicht nur mit der Inquisition sondern setzte dem einen "Kompromiss" entgegen, nämlich die Lehren von Tycho de Brahe. Googlen sie mal! Das ist ein sehr interessantes Thema.

Schauen Sie sich dann auch mal die Entwicklung der italienischen Renaissance genauer an (aber lesen Sie da bloß nicht die Machwerke von Merkels Hofhistoriker Münckler und seiner Frau, das ist reine Zeitverschwendung): Hier die der führenden Philosophen von Florenz, also Pico della Mirandola, Marsilio Ficino und Angelo Poliziano. Sie sind hauptsächlich damit beschäftigt, die gerade neu entdeckten platonischen Dialoge dem kirchlichen Aristotelismus anzupassen, der widerum auf den islamischen Gelehrten AbÅ« AlÄ« al-Husain ibn Abd Allāh ibn SÄ«nā, latinisiert Avicenna, beruhte. D.h., die gesamte römisch katholische Scholastik beruhte bis zu diesem Zeitpunkt auf einem islamischen Gelehrten und seinen Aristoteles-Kommentaren und somit der Denkmechanik, die wir auch Syllogistik nennen.

Der Neuplatonismus der Renassance wollte sich endlich dieser Denkmechanik entziehen, die immer nur auf festgelegten Prämissen basierten, die man aus der Bibel oder von den sogenannten Kirchenväter übernahm und die nach den Gesetzen der aristotelischen Logik nur ganz bestimmte Schlussfolgerungen zuließen. Es ging den Florentiner Gelehrten aber auch um eine Übereinstimmung zwischen der Lehre und der Erfahrung, also Geist und Natur. Pico war es dann auch, der das Konzept von der Würde des Menschen entwickelte und damit den Renaisannce-Humanismus, der nicht mehr Gott und das Jüngste Gericht ins Zentrum seiner Betrachtung setzt, sondern den Menschen als Krone der Schöpfung, also der Natur.

Damit dominierte aber auch eine neue Denkweise. Hatte die Scholastik vom Allgemeinen auf das Besondere geschlossen, so schloss nun der Renaissance-Humanismus vom Besonderen aufs Allgemeine. Das war die eigentliche Denkrevolution, die damals stattfand. Damit schlossen dann auch wenig später die Protestanten nun nicht mehr von Gott auf die Menschen sondern von den Menschen auf Gott. Das war die Geburtsstunde des europäischen Individualismus, wenn Sie so wollen.

Und so begann in Europa die Aufklärung, welche zuerst die biblischen Narrative infrage stellte, nachdem schon während der Renaissance und Reformation die Jesuiten auf dem Konzil von Trient das weströmische Christentum gespalten hatten, um die Herrschaftsnarrative des Papsttums zu retten. Der "Vater der Aufklärung" Pierre Bayle hatte dann schließlich nach den schlimmsten Religionskriegen in Frankreich, Deutschland und England 1697 sein Historisch-kritisches Wörterbuch veröffentlicht, in dem er nicht nur die biblischen Geschichten nach ihrem wissenschaftlichen Wahrheitsgehalt abklopfte, sondern er entwickelte damit auch eine ganz neue Methode, Geschichte zu betrachten: Die "historisch kritische Methode". Die aber war eine Kampfansage gegen sämtliche Herrschaftsnarrative des Katholizismus wie des Protestantismus. Der erste moderne Historiker in Europa wurde dann Voltaire mit seiner in Preußen geschriebenen "Geschichte des Zeitalters Ludwigs XIV."

Und so entstand die Aufklärungsbewegung, welche dann auch auf der Grundlage eines neuen wissenschaftlichen Denkens die technischen Möglichkeiten nicht nur erweiterte sondern auch durch die großen Enzyklopädien, die erst in Britannien und dann in Frankreich erschienen, einem großen Publikum bekannt machte. Vorher war das Wissen und Können alles eine Sache der Kirche und ihrer Klöster und Schulen gewesen. Nun wurde es allgemein und Kirchen wie Klöster überflüssig. Und am Ende, auf ihrem spirituellen Gipfelpunkt, hat Kant das gesamte metaphysische System der abrahamitischen Religionen vollkommen auseinander genommen und somit die Herrschaftsnarrative, die sich auf die Bibel oder irgend eine andere ominöse christliche Metaphysik stützten -wie z.B. auf die der Schwärmer um Swedenborg. Deshalb wurde er seinerzeit auch "Alleszermalmer" genannt.

Doch schon damals fanden über die Briten auch philosophische Einflüsse aus Indien nach Europa und zunächst ihren Niederschlag in der englischen Philosophie, wie z.B. bei Hume, der widerum Kant stark beeinflusste, indem er feststellte, dass die Welt, die wir glauben zu erkennen, nichts anderes ist als unsere Vorstellung. Doch erst Schopenhauer war es schließlich, der die indische Philosophie der Upanishaden in die europäische Philosophie einführte und uns aufklärte, dass die Welt nicht nur bloß unsere Vorstellung sondern eben auch unser Wille ist, der den Weltwillen in uns vertritt, was großen Einfluss auf die Entwicklung des Konzepts vom freien Individuum hatte, also auch auf die Konzepte des Humanismus und der Humanität. Aber auch damit ging die technische Entwicklung einher. War die Industrialisierung an ihrem Anfang noch weitgehend eine mechanische Angelegenheit, also eine zweier sich widerstreitenden Kräfte, so wurde sie schließlich elektromechanisch und schließlich elektronisch. Und die Basis für die europäische Psychologie hat ebenfalls Schopenhauer gesetzt, nicht Sigmund Freud, auch wenn der sich auf dessen Lehre stützte, als er aus dem metaphysischen Willen bei Schopenhauer den unbewußten Trieb machte.

So, wie heute die islamischen Länder mit ihrem Steinzeitkoran Probleme damit haben, sich technisch und wissenschaftlich zu entwickeln, so erging es den jüdischen und christlichen Gesellschaften mit ihrer jeweiligen Bibel in Europa. Was also bei uns verschwindet, ist keineswegs der philosophische Unterbau, sondern der religiöse, was Sie schon an den verzweifelten Versuchen des Jesuiten-Papstes erkennen können, der alles unternimmt, um die ganze katholische Lehre der letzten zweitausend Jahre auf den Kopf zu stellen und seinen Herrschaftsnarrativen anzupassen, damit die Institution Katholische Kirche überhaupt überleben kann.

Doch das kommt dem Versuch der Quadratur des Kreises gleich. Genauso, wie der der Protestanten, die versuchen, sich mit dem Islam zu verbinden. Sie höhlen dabei ihr eigenes Glaubensgebäude aus. Das Resultat: Europa wird über die Grünen, die nicht zufällig die Farbe des Islams gewählt haben, technisch, wissenschaftlich und religiös wieder ins Mittelalter verfracht; und die Gläubigen, die gar nicht wissen, wie ihnen geschieht, nehmen reißaus.

Der philosophische Unterbau verbindet sich dagegen leicht mit dem Chinas und Indiens und genau das hat Ost-ROM, also die russisch orthodoxe Kirche nach ihrer Befreiung aus dem jesuitischen Joch der Sowjetunion erkannt und getan. Indem nun Putin die russische Kirche in das neue russische Staatswesen integrierte, näherte er sich auch den islamischen Gemeiden Russlands an. Da geht es dann aber weniger darum, was Christus oder Mohammed gesagt und getan haben, sondern darum, den Kern ihrer von West-ROM wie von Ost-ROM verfälschten Lehre offenzulegen, also die Goldene Regel, die letztlich auch die Basis für das neue Seidenstraßenprojekt zwischen den Staaten darstellt. Und die ist nicht nur auch Grundlage der chinesischen Philosophie sondern auch der indischen. In der russischen Literatur werden Sie darüber hinaus starke Einflüsse von Schopenhauer bemerken, vor allem bei Tolstoi und Dostojewski, die nach wie vor bestimmenden Einfluss auf die russische Literatur haben.

Fazit: Es geht also nicht mehr um Fronten sondern um Durchdringungen in der Zukunft. Die KI muss sich diesen geistigen Entwicklungen anpassen und ist ja auch nicht zuletzt ein Resultat dieser neuen Spiritualität.


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