Anis Amri - Die Sünden einer korrupten Staatsbürokratie, Teil 3

nereus, Freitag, 13.12.2019, 08:13 (vor 720 Tagen) @ nereus1336 Views

Was eine gut aufgestellte Recherche-Plattform schon vor Monaten herausgefunden hatte, sickert nun auch in den Mainstream – sofern man Telepolis dazu zählen möchte.

Veröffentlichte Videoaufnahmen werfen die Frage auf, wo der verdächtige Tunesier zur Tatzeit des Anschlages vom Breitscheidplatz war

Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Amri-Die-seltsamen-Wege-eines-angeblichen-Attentaeters...

Wie bitte?
Hier wird gefragt, wo der Attentäter zum Zeitpunkt des Anschlags war? [[hae]]

Zwischen 20:02 und 20:03 Uhr wurde der Anschlag in Berlin am 19. Dezember 2016 verübt. Nach Darstellung der zentralen Ermittlungsorgane war es der Tunesier Anis Amri, der den Lastwagen in den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz lenkte. Anschließend soll er zum U-Bahnhof Zoologischer Garten geflüchtet sein, von wo er in den Stadtteil Wedding gefahren sein soll, wo er wohnte.

Den genauen weiteren Fluchtweg aus Berlin Richtung Nordrhein-Westfalen konnte die Bundesanwaltschaft nicht rekonstruieren. Es gibt eine Videoaufnahme, die Amri am 19. Dezember 2016 im U-Bahnhof Zoo zeigt und die bei genauer Betrachtung grundlegende Fragen aufwirft. Die etwa 30 Sekunden lange Sequenz hat der Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB) im August 2019 veröffentlicht.

Laut Zeitstempel taucht Amri ziemlich genau um 20:04:00 im Blickfeld der Kamera auf, schlendert einen langen Gang entlang, für den er etwa 30 Sekunden braucht und streckt dann den Zeigefinger in die Videokamera.

Der Punkt ist: Amri begibt sich auf diesem Gang nicht zur U-Bahn, sondern er kommt von ihr, und er ist auf dem Weg nach draußen ins Freie. Der U-Bahn-Ausgang befindet sich am Rande des Busbahnhofes in der Nähe des Haupteinganges zum Zoologischen Garten.

Der war aber flott! Nur eine Minute!

Nach der offiziellen Tathergangs- und Fluchtversion wäre Amri also vom Tatort Breitscheidplatz geflohen und wäre in der U-Bahn-Station verschwunden, wo sich zwei U-Bahn-Linien kreuzen. Er hätte zwei Bahnsteige überwinden müssen und wäre dann nicht mit der U-Bahnlinie 9 Richtung Wedding gefahren, wo sich seine Unterkunft befand, sondern ist am Ende des Bahnsteiges wieder nach oben zum Ausgang gegangen und zwar Richtung Tatort Breitscheidplatz. Er flieht nicht, sondern bleibt da. Welchen Sinn macht das?

Wenn Herr Moser hier richtig liegt, wäre das mindestens eine 1.000 Dollar Frage.

Die Strecke vom Tatort über den verkreuzten U-Bahnhof bis zum Ausgang beim Busbahnhof ist etwa 400 bis 500 Meter lang. Dafür hätte der mutmaßliche LKW-Täter maximal eineinhalb Minuten Zeit gehabt. In dem Schritttempo, mit dem Amri für einen etwa 50 Meter langen Gang 30 Sekunden braucht, hätte er es in dieser Zeitspanne nur schwer schaffen können.

450 m in anderthalb Minuten, das ist recht ordentlich, um nicht zu sagen in einer Stadt mit Treppen und natürlichen Hindernissen schon enorm.
Das sind je 100 m 20 Sekunden.
Kein Thema bei einer Strecke, aber 4,5 x hintereinander – da muß man schon gut drauf sein. In jedem Fall ist man dann untrainiert etwas außer Puste.
Davon ist im Video allerdings nichts zu erkennen.

Gibt es also eine andere Erklärung für den Weg des Verdächtigen durch diesen U-Bahngang, der zum Ausgang führt? Kam Amri vielleicht erst kurz vorher mit der U-Bahn-Linie 9 am Bahnhof Zoo an und begab sich dann Richtung Breitscheidplatz. Dann wäre er bei der Tat nicht dabei gewesen.

Herr Moser! Was schreiben Sie denn da nur?
Der Attentäter soll beim Attentat nicht dabei gewesen sein? [[hae]]

Jedenfalls hatte sich Amri im Laufe des Tattages mehrfach mit der U-Bahn in der Stadt bewegt. Aufschluss könnten die anderen Videoaufnahmen geben, die im gesamten U-Bahnhof gemacht werden. Am Anfang des Ganges, den Amri entlangläuft, ist beispielsweise eine weitere Überwachungskamera angebracht. Auch der Bahnsteig der U 9 wird rund um die Uhr gefilmt.
..
Das Videomaterial müsste, wenn es seinen normalen Ermittlungsgang ging, bei der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe als oberster Strafverfolgungsbehörde des Staates vorliegen.
Seit vor kurzem bekannt wurde, dass aber sowohl Bundesnachrichtendienst (BND), Bundesverfassungsschutz (BfV) als auch das Bundeskriminalamt (BKA) der Bundesanwaltschaft (BAW) Beweismittel vorenthalten, - Videos nämlich, die von einem ausländischen Nachrichtendienst gekommen sein sollen - ist auch das fraglich.

Angaben dazu, welches Videomaterial sie vorliegen hat und ob es korrespondierende Aufnahmen zum Gang Amris durch den U-Bahn-Tunnel gebe, verweigert die Karlsruher Behörde aus "grundsätzlichen" Gründen. Sie äußere sich nicht dazu, "ob und welche Beweismittel in den von uns geführten Ermittlungsverfahren erhoben" werden.

Warum fallen mir dazu gerade die beschlagnahmten Videos der Hotelkameras in der Nähe des Pentagon aus dem Herbst 2001 ein, die ja aller Welt hätten zeigen können, wie eine Passagiermaschine in das am besten bewachte Gebäude der Welt eindringt.
Aus unerfindlichen Gründen wollte man das aber genau nicht.

Einer dieser Widersprüche betrifft den angeblichen Attentäter - sowie jene Beamte, die mit ihm zu tun hatten. Dazu gehört ganz wesentlich der Leitende Oberstaatsanwalt Dirk Feuerberg aus Berlin, stellvertretender Chef der Generalstaatsanwaltschaft in der Hauptstadt sowie Leiter der Staatsschutzabteilung (Abteilung 17) in der Behörde.

Ausgerechnet von einem derart ranghohen Beamten wurde die Akte einer Person geführt, die zum Verantwortlichen des schlimmsten Terroranschlages in Deutschland seit Jahrzehnten werden sollte.
Viele Spuren im Amri-Komplex führen zur Berliner Generalstaatsanwaltschaft und zu Feuerberg. Telepolis hat das wiederholt beschrieben. Unter anderem nach Feuerbergs Zeugenvernehmung im Untersuchungsausschuss des Bundestages vor einem halben Jahr.
Jetzt hatte ihn der Untersuchungsausschuss im Abgeordnetenhaus als Zeugen geladen. Die über sechsstündige Befragung war wie eine Kopie der Befragung im Bundestag.
Der Oberstaatsanwalt blieb bei seiner - allerdings mutwilligen - Linie, man hätte gegen Amri nicht strafrechtlich vorgehen können, seine realen Delikte hätten nicht für einen Haftbefehl ausgereicht. "Unser Arbeitsweise war alternativlos", so Feuerberg wörtlich.

Alternativlos – so fegt man jede Gegenrede vom Tisch.
Macht Erika auch immer so .. und kommt damit auch noch durch.

Unhaltbar ist das vor allem im Zusammenhang mit Amris Beteiligung an einer gemeinsamen gefährlichen Körperverletzung, die auch als versuchtes Tötungsdelikt eingestuft werden konnte sowie seinem gewerbs- und bandenmäßigen Rauschgifthandel, den Feuerberg wie schon im Bundestag als Handel mit "kleinen Mengen" bezeichnete und damit verfälschte.

Zugleich bestritt er, dass Amri Teil einer organisierten Drogenhändlergruppe war. Dabei hatte der zusammen mit drei Komplizen drei andere Drogenhändler angegriffen, währenddessen es auch zu dem lebensgefährlichen Messerangriff gekommen war. Zwei der drei beteiligten Komplizen Amris wurden deshalb 2017 auch zu Haftstrafen verurteilt. Amri wäre also ebenfalls darunter gefallen.

Durch den Auftritt Feuerbergs verfestigte sich zugleich aber auch das Bild, dass der 2015 in Deutschland eingereiste Tunesier eine Sonderrolle im gesamten Staatsschutzkomplex spielte. Und das trifft allem Anschein nach auch auf die Generalstaatsanwaltschaft in Berlin zu, die quasi inoffiziell an Stelle des Generalbundesanwaltes in der Hauptstadt Terrorismusverfahren führt - derzeit 29 an der Zahl.

Dass Feuerberg die Akte Amri führte und im Verlaufe des Jahres 2016 mehrfach seine schützende Hand über den Kriminellen halten konnte, war streng genommen nicht vorgesehen. Der Oberstaatsanwalt sollte die Staatsschutzabteilung aufbauen und nicht als Sachbearbeiter konkrete Verfahren führen. Er tat es im eigenen Auftrag und gegen den Willen seines damaligen Chefs, Generalstaatsanwalt Ralf Rother, trotzdem. Wie er die Akte Amri führte, war allerdings nicht gerade nach den Regeln der Kunst, denn viele Sachverhalte kamen gar nicht zu den Unterlagen.

Haalt, stop! Wie war das nochmals?
Der leitende Oberstaatsanwalt führte gegen den Willen seines Vorgesetzten eine Akte zu Anis Amri, aber das machte er so, daß Amri eher geschont als überführt wurde?
Wie lautet nochmals die Aufgabe eines Staatsanwalts?

Feuerberg, der erfahrene politische Beamte und Rhetor, räumte das ein, beschönigte seine Aktenführung zugleich aber mit Sätzen wie: "Ich mache es anders, arbeite lieber mit weniger Aktenseiten." Manchmal könne es sein, dass jedes Wort zu viel, störe. Sein Vorgesetzter Rother bekam die Akte erst nach dem Anschlag zu Gesicht.

Das sollten sich Leute merken, die wegen Steuerhinterziehung bzw. Schwarzarbeit angeklagt werden.
Sagen Sie dem Steuerbüttel: "Wir arbeiten lieber mit weniger Belegen, als mit zu vielen." [[freude]]

Es ist schwer zu fassen, was der Behördenvize und Sachbearbeiter der Causa Amri alles nicht gewusst haben will:
Dass eine nordrhein-westfälische Quelle, die VP 01, engen Kontakt zu seinem Kandidaten hatte.
Dass der die Quelle wiederum als Spitzel bezeichnete und bedrohte.
Dass es im Staatsschutzverfahren der Ermittlungskommission Ventum, bei dem Amri als Nachrichtenmittler Verwendung fand, um die zentrale mutmaßliche IS-Größe in Deutschland, Abu Walaa, ging.
Dass sich Amri tief in der gewaltbereiten dschihadistischen Szene bewegte. Dass das LKA die radikale Fussilet-Moschee in Berlin, in der Amri verkehrte, mit einer Kamera überwachte. Oder dass das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) in der Moschee eine Quelle platziert hatte.
All das will Feuerberg erst nach dem Anschlag erfahren haben.
[[kotz]]

Zum Herrn Feuerberg gibt es übrigens noch ein kleines Sahnehäubchen.
Doch da es lesbar und verstehbar bleiben soll, sei es für heute genug.

mfG
nereus


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