DT, da ist fast alles drin, außer saubere Belege

Dragonfly ⌂, Mittwoch, 28.10.2026, 14:21 (vor 15 Stunden, 22 Minuten) @ DT560 Views

Du stellst Qubitzahlen, Forschungsprogramme und Roadmaps nebeneinander und landest bei „jetzt ETFs kaufen“. Dazwischen fehlen allerdings ein paar Schritte: nachgewiesene Rechenleistung, wirtschaftlicher Nutzen und eine nachvollziehbare Bewertung.

1. IBM Ehningen: Der von IBM genannte Heron-Prozessor hat 156 Qubits, nicht 155. Geschenkt, das kann ein Tippfehler sein. Entscheidender ist: Weder die Zahl der Geräte pro Standort noch die Zahl ihrer physischen Qubits beantwortet die Frage, welche praktisch relevanten Probleme sie besser lösen als klassische Rechner. „Höchste Quantencomputerdichte“ klingt eindrucksvoll, ist aber kein Leistungsnachweis.

2. Shanghai und die 1.000 Qubits: Für „zehn supraleitende Quantencomputer in einem Raum“ und „der größte hat 1.000 Qubits“ fehlt in deinem Beitrag eine überprüfbare Quelle. Selbst wenn die Zahlen stimmen: Die physische Qubitzahl allein sagt wenig über die nutzbare Rechenleistung aus. Dazu gehören Fehlerraten der Quantengatter, Kohärenz, Konnektivität und die zuverlässig ausführbare Schaltungstiefe. Bei fehlertoleranten Systemen interessieren außerdem die logischen Qubits und deren Fehlerraten. Ein großer Chip ist noch kein Nachweis eines praktisch relevanten Rechenvorteils.

3. QuEra: Ja, das Experiment mit über 3.000 physischen Qubits ist real und wissenschaftlich beachtlich. Demonstriert wurde eine kontinuierlich nachgeladene Anordnung neutraler Atome mit kohärenter Speicherung und Manipulation von Quanteninformation. Daraus wird aber nicht automatisch ein universeller, fehlertoleranter Rechner mit 3.000 logischen Qubits. Auch die Demonstration von Fehlerkorrektur bedeutet noch nicht, dass sämtliche genannten Qubits gemeinsam für lange, zuverlässige Berechnungen zur Verfügung stehen. Diese Unterschiede verschwinden in deiner Darstellung hinter einer großen Zahl.

4. Die 1.000 Doktoranden und 300 Postdocs: Diese Größenordnung halte ich für ausgesprochen unglaubwürdig. Du sprichst offenbar von einem einzelnen Campus und dort allein von Quantentechnologien. Dafür möchte ich eine belastbare Quelle sehen: Welche Institute werden mitgezählt, welcher Standort ist gemeint, und handelt es sich um tatsächlich dort tätige Wissenschaftler oder um Ausbauziele? Bis dahin ist das eine eindrucksvolle Zahl ohne überprüfbare Grundlage. Und selbst wenn sie stimmt: Personalstärke ist kein Benchmark für Rechenleistung.

5. Quantenkommunikation: Micius, Glasfasernetze für Quantenschlüsselverteilung und Satellitenprojekte sind relevante Leistungen. Du führst sie ausdrücklich zusätzlich zu den Quantencomputern an. Nur tragen sie zur strittigen Frage wenig bei: Ein Netz zur Quantenschlüsselverteilung faktorisiert keine Zahlen und berechnet keine Moleküle. Fortschritte bei der sicheren Schlüsselverteilung belegen keine kommerzielle Reife universeller Quantencomputer. Auch die konkreten Angaben zu 1.000 beziehungsweise 10.000 Quantensatelliten brauchen eine belastbare Quelle.

6. „Jetzt ETFs kaufen“: Hier wird aus der Forschungsübersicht endgültig ein Anlageprospekt. Selbst eine erfolgreiche Technologie ist nicht zu jedem Preis eine gute Anlage. Welche Unternehmen verdienen womit Geld? Wie viel davon ist bereits eingepreist? Welchen Kapitalbedarf haben sie, und was steckt überhaupt in dem empfohlenen ETF? Dazu steht bei dir nichts. QuEra plant sein fehlertolerantes Libra-System für 2028. Das ist eine Roadmap, kein Nachweis künftiger Gewinne für heutige Anleger.

7. Kernfusion und Skalierung: Natürlich sind die technischen Probleme unterschiedlich. Daraus folgt aber kein belastbarer Zeitplan für wirtschaftlich nutzbare Quantencomputer. Fehlerkorrektur, Steuerung und Systemintegration sind keine Fußnoten zur Fertigung. Bei supraleitenden Systemen kommen unter anderem Kryotechnik und Verkabelung hinzu, bei Neutralatomen etwa Lasersteuerung, Atomverlust und Nachladen. „Hauptsächlich Nanotechnologie und Fertigung hochskalieren“ unterschätzt genau die Schwierigkeiten, an denen sich die praktische Nutzbarkeit entscheidet.

China betreibt beeindruckende Quantenforschung. Quantencomputer sind real, und die Fortschritte verdienen eine ernsthafte Diskussion. Gerade deshalb sollte man Demonstrationsexperimente, nutzbare Rechenleistung, Produktankündigungen und Börsenfantasie sauber auseinanderhalten.

Hat dir da am Ende jemand bei einem Glas Baijiu einen Pandabären aufgebunden?


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