Hinweis Ankawor: Portugal war auch vom Stromausfall betroffen

paranoia, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Mittwoch, 28.01.2026, 00:04 (vor 13 Stunden, 7 Minuten) @ Ankawor476 Views
bearbeitet von paranoia, Mittwoch, 28.01.2026, 00:08

Hallo Ankawor,

danke für die Korrektur! :-)

Warum waren die Nachbarländer Marokko und Frankreich (und ich glaube auch Portugal) von dem Stromausfall in Spanien nicht betroffen?


Hier steckt die gesuchte Frage drin. :-)


Ich war in Portugal genauso betroffen wie die Spanier. Um 11 wegen Hitze und Windstille die Feldarbeit abgebrochen, gefreut, im Schatten bisschen DGF zu lesen, und nichts ging. Wie hier schon mal gesagt, habe ich mir meine Langsamdenkerei wirklich bewiesen, da ich erst nach einer Stunde angefangen habe, Wasser zu zapfen. In die Schlange der Hungrigen vor dem Supermarkt habe ich mich nicht eingereiht, da ich immer viel Bier vorrätig halte.

Leider trinke ich kein Bier, lerne ich vielleicht im Blackout. Hier in Hannover befindet sich eines der größten Bierläger Europas... :)

Auch habe ich nach einer Stunde erst kapiert, dass mein Auto meine autarke Versorgung mit allem ist, Strom, Licht, Wärme, und sogar Infos, da noch ein Sender sendete. Und der sagte, auch Südfrankreich sei betroffen gewesen.

Ich meine, Teile der Pyrenäen, ja, auf französischer Seite.


Aber worauf die Frage hinzielt, Spaniens Nachbarländer seien nicht betroffen gewesen, verstehe ich nicht.


Kurzversion:

Die Leitungen sind zu schwach dimensioniert und schalteten ab, als der Strom nun aufgrund der Abschaltung der Erzeuger in Spanien plötzlich gen Spanien floß.

Aber auch die Importfähigkeit Deutschlands ist begrenzt. Die Leitungen dürfen auch nicht ganz ausgereizt werden, wegen dem (n-1)-Kriterium: Wenn nur eine Leitung ausfällt, müssen die anderen die Last dieser Leitung tragen, damit eine Abschaltungskaskade vermieden wird, siehe auch:

https://de.wikipedia.org/wiki/Stromausfall_in_Europa_im_November_2006

Meiner Erinnerung nach gab es damals Ausfälle bis nach Nordspanien.

Langversion:

Durch sogenannte Interconnectoren sind die nationalen Netze mit ihren Nachbarn verbunden.
Im Rahmen unseres Verbundnetzes hängt so gar Marokko mit daran:

https://openinframap.org/#6.26/37.438/-3.074

Die Verbindungen von Spanien nach Frankreich sollen unterdimensioniert sein, mutmaßlich als Abwehrmaßnahme gegen spanischen Solarstrom.
Wahrscheinlich verkraften die französischen Kernkraftwerke nicht das tägliche Rauf und Runter mit dem Zufallsstrom. Deswegen haben die Polen ja auch Phasenschieber an den Grenzen gebaut, die ähnlich arbeiten sollen (kann ich im Detail mangels Elektronikwissen nicht erklären).

Mit dem Ausfall von vielleicht 40 GW in der Erzeugung in Spanien wäre die Netzfrequenz total eingebrochen (Blackout), weil der Strom jetzt aus Mitteleuropa und Marokko nach Spanien floss und wir 40 GW wegfallende Erzeugung nicht mehr wegregeln können, das hätte Lastabwurf im ganzen Netz bedeutet, ob der schnell genug erfolgt wäre, steht in den Sternen.

Schneller als ein Mensch reagieren kann, haben aber die Interconnectoren mit Abschaltung der Leitungen wegen Überlast reagiert. (Reaktionszeit in D: 10 ms, so eine Aussage eines Tennet-Mitarbeiters vor einigen Jahren).

Der Bezug zu Brutus ist folgender:

Wir können nur eine begrenzte Menge aus unseren Nachbarländern beziehen. Ich meine, "Herr T."* sprach von 15-20 GW, die er schon einmal gesehen hätte.

Im Kälte-Szenario brauchen die Franzosen selber eine Unmenge an Mehrleistung:

Wenn bei den elektroheizenden Franzosen die Temperatur von 0°C auf -10°C, fällt, dann brauchen die mittlerweile sogar 24 GW an Mehrleistung, entspricht der Leistungen von 20-30 Kernkraftwerken.

Zitat Netzbetreiber RTE-France:

[...
En hiver, chaque baisse de 1 °C se traduit par une demande supplémentaire de 2,4 GW, soit l'équivalent de la consommation électrique de Paris, nécessitant entre 2 et 3 réacteurs nucléaires pour répondre à ces besoins.
...]

Quelle:
https://www.rte-france.com/actualites/quel-impact-vague-froid-france-sur-systeme-electr...

Übersetzung Brain 1.0:

Im Winter führt ein Temperaturrückgang um 1°C zu einer Zusatznachfrage von 2,4 GW, was dem Äquivalent des elektrischen Verbrauchs von Paris entspricht, was wiederum zwischen 2 und 3 Kernkraftwerke benötigt um auf diese Nachfrage zu reagieren.

https://www.rte-france.com/actualites/quel-impact-vague-froid-france-sur-systeme-electr...

Die Franzosen müssten dann Last abwerfen, immerhin haben sie eine interessante Warn-App für's Handy, wann man als Franzose Energie sparen soll.

Aus Spanien kriegen sie die benötigte Leistung nicht.
Mitteleuropa braucht selber mehr Leistung.
Woher soll sie kommen?

Den Strom, den wir benötigen, wenn bei Gasmangellage die Leute nach Abkühlung ihrer Immobilien mit dem Herd heizen, kriegen wir nicht. Es fehlen die Erzeugungskapazitäten und das Netz schafft es auch nicht.

Es war für viele nicht schön, aber nur 12 Stunden und warm. Nun hänge ich in D fest

wegen dem autofeindlichem Wetter?

und wenn jetzt in der Kälte das passiert, was passieren muss, dann werde ich noch viel pessimistischer als normalerweise. Aber man kann noch schön das Leben genießen, weil praktisch niemand was davon weiß. Am Ostseerand sollen angeblich Leute rumschrauben oder so, hörte ich jetzt mehrmals.

Das klingt hoffnungsvoll, wenn am Ostseerand Leute rumschrauben. Hoffentlich keine Antifanten...

Wenn Du eine PKW-Mitfahrgelegenheit nach Portugal anbietest, sag' Bescheid. Über das Liegenbleiben in Frankreich brauchst Du Dir dann auch keine Sorgen zu machen.

Gruß
paranoia

--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.


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