Was mir nicht einleuchten will, ist die schlichte Tatsache, dass wir auf Millionen von Seiten …
Hallo paranoia
Was soll das
… Ostfriese/Ashitaka? :),
Im Gelben Forum, in dem sich die User auf einer gemeinsamen Erkenntnisreise - wie besonders während der Recherchearbeit im ehemaligen alten EWF - befinden, hat der Ostfriese […] nur die systemische Kernfrage hinter dem vordergründigen Fragezeichen für eine Antwortfindung im Blick: Für ihn gilt ausschließlich, den versteckten Motor des Systems - the hidden engine - zu ergründen.
Die täglich wahrnehmbare erlebbare Wirklichkeit vieler Foristen und Blogger steht offensichtlich im Widerspruch zu den Lehrinhalten, die ihnen an den Schulen und Akademien vermittelt wurden: Die zurückgehende Anzahl der Beiträge und sogar die Schließung der Blogs/Foren wie Stelters bto, Stöckers Zinsfehler, Renée Menéndez' soffisticated, Fazit der FAZ usw. zeigen es.
Sie sind Opfer ihrer selbstverschuldeten Unmündigkeit. Ihnen fehlt der Mut, sich den Panzerungen der eigenen Denkstrukturen zu entledigen.
https://archiv.dasgelbeforum.net/ewf2000/forum_entry.php?id=254247 Re: Nochmals zu Termin, Sanktion und Zwang verfasst von dottore, 17.02.2004, 16:05
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→ Hi Dimi,
vielleicht nochmals zur Erklärung. Es geht um den Zwang, etwas zu tun.
1. Dass getauscht wird; bedeutet nicht, dass es einen Zwang dazu gibt. Es gab z.B. auf Tobriand den Tausch Fisch/Yam, obwohl beide Seiten es bei dem hätten belassen können, was sie zur Verfügung hatten. Es ist aus keiner Tauschwirtschaft zu erkennen, dass sie sich nennenswert dynamisiert hätte.
2. Dass eine Abgabe (Tribut, Steuer) erzwungen wird, darf angenommen werden. Die entscheidenden Punkte dazu sind Termin und Sanktion, sofern der Termin nicht erfüllt wird.
3. Wird verliehen / geliehen ergibt sich ebenfalls ein Zwang, nämlich der, das Geliehene zum Termin zurückzugeben bzw. bis dahin zu fertigen und auszuhändigen. Auch dazu bedarf es, um einen Zwang darzustellen, einer Sanktion. Auch daraus leitet sich keine permanente Dynamisierung ab, da es mit der Entrichtung der Sanktion (u.a. Verspätungszuschlag) sein Bewenden hat.
4. Es muss also nach etwas gesucht werden, dass jene, die sich subsistenzmäßig, wenn auch mit geringem Fortschritt (Domestizierung, Irrigation o.ä.) erhalten, auf Dauer unter Zwang (Termin, Sanktion) gehalten werden. Dabei ist die daraus resultierende Abgabe für den Abgabenfordernden eine Bequemlichkeit, für den zur Leistung Verpflichteten eine Last.
5. Da auch andere nach dieser Bequemlichkeit (Ausdruck: Hierarchie) streben und gleichzeitig die Leistenden unwillig werden, gerät der Abgabenfordernde (Macht) seinerseits - falls er seine Stellung nicht aufgibt - unter Druck, seine Position zu halten. Er ist gezwungen, seine Position defensiv bzw. offensiv zu verteidigen. Der Zwang, unter dem er steht, ist der nachvollziehbare Wunsch, die Sanktion zu vermeiden, die ihn nach Verlust seiner Position ereilt.
6. Das Mittel, seine Position zu halten, sichern, auszubauen ist - außer unter Zuhilfenahme supranatürlicher Kräfte (Priester o.ä.) - schlicht die Waffe. Diese muss er möglichst monopolisieren (lahmer Schmied-Phänomen), was zu Metallabgaben führt (in der Bronzezeit getrennt nach Kupfer und Zinn).
7. Als Abgabe kann er redistributionsfähige Subsistenzmittel abfordern (Getreidesilo-Phänomen), was seine Verteiler- (Redistributions-) und Machtfunktion zugleich stärkt und gefährdet. Oder er nimmt Protzabgaben entgegen, die er thesauriert, ohne sie wieder auszugeben, was auch nicht beabsichtig war (Gerloff).
8. Fordert er teilbares Edelmetall, kann er es zunächst thesaurieren (Tempelbank), muss es aber in irgendeiner Form wieder dorthin zurückschleusen, aus dem es ursprünglich kam (nicht reproduzierbar).
9. Die zu Edelmetallabgaben Verpflichteten müssen sich das, was sie laufend leisten müssen, ihrerseits bei Thesaurierer beschaffen, es von dort ertauschen (Beginn des Fernhandels, wobei der Händler, siehe altassyrisch tamkarum zunächst als Agent des Machthabers auftritt - royal agent -, vgl. Radner), mit dem Metall auf Reisen geht und die gewünschten Güter beschafft; dabei entwickeln sich Unterhändler usw., der tamkarum wird auch Banker usw.). Das Metall beginnt, zu zirkulieren, d.h. es kehrt wieder zu dem Platz zurück, von wo es als Abgabe abgefordert wird. Das Edelmetall ist keineswegs small exchange, sondern beschränkt sich im Bereich der Abgabenmacht auf kleine Machtcliquen (siehe noch Etrusker).
10. Es kommt zu ersten Preisen, die sich zunächst ausschließlich auf Stück- und nicht etwa Gattungsgüter beziehen und das ausdrücken, was das Stückgut im Abgabengut wert ist.
11. Wird der Machterhalt in großen Stil in Frage gestellt (Umsturz, Krieg) und reicht zum Machterhalt nicht die vorhandene manpower aus, muss diese - ebenso wie die erwähnten Güter - gekauft werden, Klartext: Es werden jetzt mit dem Abgabengut nicht Sachen, sondern Dienstleistungen ertauscht, also machtherhaltende Fremdtruppen (Söldner). Diese lassen sich aus naheliegenden Gründen (Transport usw.) nicht in Subsistenzmitteln entlohnen, sondern just in dem Edelmetall, in dem seit jeher Fremdtruppen bezahlt wurden. Die Fundlage dazu ist von überwältigender Eindeutigkeit, reicht vom Assyut-Hort, der einzigen ägyptischen Goldmünzprägung (nach Sikulo-punischen Münzfuß), der römischen Goldprägung nach (!) Cannae bis zu den größten Münzhorten, die je gefunden wurden (Norddeutschland, Skandinavien, Gotland usw.).
12. Auch die größten Tributforderngen bzw. Beuten (Karthago, Persepolis, Danegeld bis hin zu den Reparationen nach WK II) bestehen aus Edelmetall, das seinerseits, da Abgaben- bzw. Tributgut den besagten Wert, ausgedrückt in anderen Gütern erhält.
13. Ist der Metallabgabenschuldner zwar solvent, aber nicht im Abgabengut selbst liquide, muss er sich dieses über Leihvorgänge (monetär) beschaffen, was nicht nur den Zwang zur sanktionsbewerten Rückgabe (Zählung = Vorzählung, sobald gewichtsgenormt, speziell: gemünzt) beinhaltet, sondern auch den enorm hohen Zinssatz (20-30% p.a. im frühen Nahen Osten), der sich aus der Sanktionsdrohung (Tod, Versklavung, Schuldknechtschaft) erklärt und nicht etwa aus irgendwelchen fabelhaften Gewinnmöglichkeiten, die sich aus dem toten Kapital (Metallgeld) erzielen ließen.
14. Der Zinssatz ist immer Kurzfristzinssatz (man hofft, sich der Misslichkeit rasch und mit einem glücklichen Schlag entledigen zu können) und nicht etwa längerfristig zur Verfügung gestelltes Kapital - auch wenn sich der Vorgang wiederholen lässt.
15. Hätte es Langfrist-Kapitalisten gegeben, müssten sich von ihnen irgendwelche Spuren finden lassen (Privatpaläste, Prunkgräber), was aber nirgends der Fall ist, woraus zu schließen ist, dass diese Schichten ab Vorliegen einer bestimmten Thesaurierungsmasse selbst in den Kampf um die Macht eingeschaltet haben (Bürgerkriege, am besten die umfangreichen - nach Staats- und Abgabenstandard geprägten - IIIViri-Münzen in der Endphase der römischen Republik).
Es geht also nicht um den Aspekt Tauschen oder Leihen auf privater Ebene, die sich irgendwie glückhaft ergänzen und den Prozess dynamisieren, sondern um den Zwang, der zunächst und zuerst Abgabenzwang ist, von dem alles Weitere unschwer abgeleitet werden kann.
Da die Machtausübung in Form des bewaffneten Zwangs sowohl zu diseconomies führt (wer arbeitet schon gern für andere) als auch permanent Machtgefährdung bedeutet (neue Schweine an den Trog), hat sich als ein probates Mittel die laufende Machtzession erwiesen, die sich (Idealbeispiel England) bis herunter zur Zession sogar des Abgabenmonopols in Form des Etat- und Abgabenerhebungsrechts (Herrscher-Landlords-Rentiers-Parlament, nicht an die Bevölkerung selbst!) entwickelt hat (moderne Demokratie mit Haushaltsrecht der gewählten Volksvertretung) entwickelt.
Das Abgaben-Erhebungs-Privileg endet nunmehr vor unseren Augen in sich selbst, da auf die Abgaben gezogen wird (lief auch schon jahrhundertelang davor parallel, allerdings kernmacht- bzw. herrscherbezogen), womit die künftigen Steuern zediert werden. Längst sind in allen modernen Staaten mehr als die Steuern eines Jahres an die Halter von Staatstiteln (Bills, Bonds, usw.) abgetreten.
Das Ende dieses letzten Machterhaltungsinstruments ist erreicht, sobald die überhaupt möglichen (bei freier Wirtschaft natürlich mehr als sonst) Steuern nicht mehr ausreichen, um die bereits zedierten (und mit [Jahres-]Fälligkeit versehenen!) Steuern zu decken, alias die Zinsen (= immer Abgaben ex Abgabenerzwingungsmittel Eigentum bzw. Macht) auf die Staatsschulden zu decken.
Dies kann zwar noch gestretcht werden (Notenbanken usw.), endet aber so oder so. Spätestens dann, wenn zusätzliche Beleihungs- (und damit BIP-Mehrungs- und damit Steuererhebungs-)möglichkeiten, die als Besicherung immer den Zugriff auf vorhandenes (Grundbesicherung) oder erwartetes Eigentum (Lohnpfändung) nicht mehr möglich sind (vgl. Paper).
Noch sind Möglichkeiten zu sehen (Bevölkerungsvermehrung, neue property rights, neue Märkte usw.), was aber nicht bedeutet, dass diese Veranstaltung erst endet, nachdem auch der letzte noch potenzielle Schuldner, der aktuelles oder potenzielles Eigentum anzubieten hätte, sich in den Kettenbrief eingereiht hat, sondern irgendwo davor.
Letztlich bleibt's dabei, dass sich das Welt-BIP (wie auch immer verteilt, wobei sich die Verteilung zugunsten der Zessionsbegünstigten verschlechtert) um mindestens den Betrag erhöhen muss, um das es bereits zediert wurde, alias also um die Zinsen steigen muss.
Dass die Zeit bis dahin kein Zuckerschlecken ist, zeigt vielleicht noch besser als die üblichen Reiche der Antike jenes von Assur. Dort hatte sich eine mit heutiger Wirtschaft absolut vergleichbares Gebilde entwickelt (alles war vorhanden, privates Eigentum, Handel, Geld, Zins, sogar Aktiengesellschaften) - und dennoch ging es in großen inneren Wirren unter. (meine Hervorhebung)
Dass Assyrien eine andere - ursprünglich unterjochte und waffentechnisch inferiore - Macht schließlich überrannte, könnte aufmerksamen Zeitgenossen ein Hinweis sein. Muss aber nicht. Es kann sich auch alles irgendwie auflösen und wir jäten wieder das Feld und jagen Proteine im Freien. Wer weiß?
Noch ein letztes: … nachlesen können, wie Kulturen auf- und niedergingen und wir auf einmal die einzigen seien, denen derlei Fahrt erspart bleiben soll.
Die Prinzipien von Tausch, Leihe, Geld, privatem Eigentum usw. sind über 4000 Jahre alt. Warum haben sie nicht - einmal entdeckt - die Menschheit zu ununterbrochenem Glück und Segen geführt? Die Diskontinuitäten müsste man dann wohl finsteren Mächten oder dem Bösen in die Schuhe schieben, was selbst für mein bescheidenes Gemüt dann doch zu schlicht wäre.
Vor mir steht eine zapotekische Skulptur aus Obsidian. Der derzeit beste Steinschneider Casimiro Guiterrez erklärt, dass es ihm a) ein Rätsel sei, wie sie geschaffen wurde und er b) viele Monate brauchen würde, um mit modernsten Maschinen ein Duplikat zu fertigen.
Synthesen gibt's halt viele.
Gruß!
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Gruß - Ostfriese