Deshalb ja mein Hinweis. Meine Bequemlichkeit steht stellvertretend für die der vielen anderen, wenn nicht der Mehrheit. Dein Beispiel Budweiser zeigt eben gerade, dass Boykott gerade dort ...
... funktioniert, wo man eben keinen zusätzlichen Aufwand betreiben muss.
Wenn ich im Getränkemarkt stehe und zwischen 50 Sorten Bier in den unterschiedlichsten Preissegmenten und Geschmacksrichtungen wählen kann, wo gerade Budweiser kein Alleinstellungsmerkmal hat, dann ist es ein leichtes, gerade diese Brauerei abzustrafen. Ich schnappe mir einfach eine andere Kiste Bier und freue mich beim Hinausgehen, dass mein Geld nicht bei dem woken Laden Budweiser landet. Hat mich ja auch nichts gekostet: weder zusätzliche Marktforschung, noch ein Umweg usw. Einfach andere Kiste gegriffen und gut wars.
Ein Boykott mag ggfs. noch bei adidas greifen. Puma oder Nike haben ein ähnliches Branding, sind an den selben Orten verfügbar, spielen in der selben Preisklasse.
Bei Würth wird's schon schwieriger. Wenn ich selbstständiger Handwerker bin und keine Zeit habe, meine Materialien zu beschaffen, dann ist der Würth-Vertreter eine wichtige Stütze meiner geschäftlichen Aktivitäten, dass ich mein Arbeitspensum bei meinen Kunden effektiv und mit qualitativ hochwertigen Material erledigen kann.
Den Würth-Vertreter kann ich nur schwer ersetzen, insbesondere wenn ich als Handwerker in der Provinz agiere. In diesem Marktsegment genießt Würth eine quasi Monopolstellung.
Es ist immer einfach gesagt, gebt doch mal eure Bequemlichkeit auf und beteiligt auch an diesem oder jenen Boykott. Ist man aber gerade kein Sonderling, sondern trägt Verantwortung, ist das alles nicht einfach allein für sich umzusetzen.
In der Regel kalkuliert man dann Aufwand und Nutzen und schiebt dann in der Regel das Argument des Abstrafens beiseite und sagt sich: Herrgott, ich kann die Welt auch nicht retten.
Bei Budweiser ist es natürlich wieder einfach. Da bekomme ich das Glücksgefühl des Abstrafens gratis geliefert.
Selbiges gilt für den Sonderling. Er trägt ja in der Regel keine Verantwortung für andere, hat keine Familie zu ernähren. Er zieht ja gerade seine Existenzberechtigung und sein Glücksgefühl im Leben aus der Tatsache, um der bürgerlichen Mehrheitsgesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Das bedeutet gerade, dass er den Sinn des Lebens darin sieht, die woken Firmen abzustrafen. Andere Werte, wie geschäftlicher Erfolg, Streben nach Status, Erfüllung in der Familie sind im fremd.
Gruß Plancius
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"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad an Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand." ARTHUR SCHOPENHAUER