Überleben ist alles - Kleine Rezension von Joseph Fouche

Oblomow, Mittwoch, 29.04.2020, 16:19 (vor 2100 Tagen) @ stokk2747 Views
bearbeitet von Oblomow, Mittwoch, 29.04.2020, 16:33

Hallo @stokki (ich erlaube mir einmal diese etwas anmaßend intime Ansprache),

genau um den handelt es sich, aber der hat politisch alles und alle überlebt, was in dieser Zeit nicht gerade einfach war. Neben Talleyrand vermutlich die spannendste Figur. Er hat auch Napoleon, der ihn hasste, überlebt. Und er war wandlungsfähig, dass einem Hören und Staunen vergehen kann. Er ist eigentlich der Prototyp eine Politikers, der nur eins kennt: mächtig sein und vor allem bleiben. Auch Stefan Zweig lässt bei aller Abscheu auch Bewunderung durchblicken. Unterwegs begegnen Joseph Fouche die unterschiedlichsten Typen, in denen man sich selbst gerne politisch spiegeln kann, wenn man Lust hat. Zudem versteht man auch die Französische Revolution als Wendepunkt in der europäischen Politikgeschichte. Das war wie ein Labor, wo mal alles durchgespielt wurde. Fouche behält immer kühlen Kopf, selbst, wenn es so aussieht als würde er beteiligt sein, er kann radikal, moderat und das Gegenteil sein. Er ist Opportunist und rechnet immer durch und ist ein Künstler im Warten wie im Zuschlagen.

Und Zweig kann schreiben, besonders seine Charakterisierungen sind verdammt juute Beobachtungen. Seelenkunde. Ich finde, dieses Buch sollte jeder lesen, der sich mit Politik beschäftigt. Dieses ganze Gewäsch an den Universitäten z.B. in Politologie über "Partizipation mit ständiger Rücksicht auf demokratische Strukturen unter empirischen Gesichtspunkten" ist doch das Wort, das ich hier nicht mehr schreiben werde. Fouche lesen, ohne sofort moralinsauer zu verurteilen, ist die beste Vorschule. Danach kann man sich entscheiden, ob man mittun will oder es sein lässt. Gerade lese ich wieder, wie Fouche in Lyon aufräumt. Ich nehme an, dass @Tempranillo, der immer über die Vendée spricht, diese groteske und ekelerregende Episode der Revolution kennt. Die Blutsäufer, die sich humanistisch gaben usw. Geschult durch @Tempranillo lese ich das Buch jetzt auch etwas anders. Das gebe ich gerne zu.

Herzlich
Oblomow

PS: Talleyrand:

Klug und fleißig – gibt’s nicht;
klug und faul – bin ich selbst;
dumm und faul – für Repräsentationszwecke noch ganz gut zu gebrauchen;
dumm und fleißig – davor behüte uns der Himmel!


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