Der Mann aus dem feurigen Ofen - für @Tempranillo.
Hallo Tempranillo!
Auf der Suche nach etwas Anderem, wozu ich allerdings noch nicht fündig wurde, stieß ich auf einen kleinen Artikel im Jüdischen Aufbau, einer der wichtigsten deutschsprachigen Zeitungen in den USA währen der Kriegs- und Nachkriegszeit.
Der Beitrag stammt aus der Ausgabe vom 09.01.1948 von Seite 5 zum Thema „Geschichten der Rettung“.
Der Mann aus dem feurigen Ofen
Unter den etwa 200 jüdischen DP’s - die Abkürzung ist schlecht lesbar die am vergangenen Donnerstag mit der „Marine Tiger“ aus Bremerhaven in New York ankamen, der in Beuthen - vermutlich ist das heutige Bytom in Polen gemeint - geborene Heinrich Hauser. Er kam mit Frau und Kind hier an. Zeitungsleuten erzählte er das folgende erschütternde Erlebnis.
1941 wurde er von den Nazis aus Lodz nach dem Arbeitslager Kraszchek schlecht lesbar , dann nach Budzin, schließlich 1941, nach dem Todeslager Majdanek verschickt. Etwa zwei Wochen vor der Befreiung durch die Russen wurden er und ein zweiter Lagergenosse wegen eines angeblichen „Vergehens“ vom Lagerkommandanten in einen noch nicht angezündeten Krematoriumsofen geworfen.
Sie sollten die ersten Opfer der nächsten Verbrennungsaktion werden. Die Ofentür schloß sich hinter ihnen. Drei Stunden später kam der polnische „Kapo“ (Lagerpolizist), dessen Aufgabe das Ofenanzünden war. Er machte die Türe auf, war überrascht die beiden zu entdecken und lief fort, um sich Instruktionen zu holen. Diese Pause nutzen die Todeskandidaten, um zu entweichen.
Hauser hatte vor Entsetzen die Sprache verloren. Er gewann sie erst wieder, als die russischen Soldaten einmarschierten und ein Unteroffizier die Frage an ihn richtete, wie er heiße: Jude Heinrich Hauser! erwidert er, wie er beim Verhör durch SS-Leute zu antworten gewohnt war. Damit hatte er die Sprache wieder gewonnen.
Quelle: https://archive.org/stream/aufbau1419481948germ#page/n22/mode/1up
Einfach nur erschütternd.
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mfG
nereus