„Last Days in Vietnam“ (2014) von Rory Kennedy, deutsche Zusammenfassung.

Dragonfly ⌂, Freitag, 07.08.2026, 20:45 (vor 1 Tag, 1 Stunden, 33 Min.) @ Dragonfly404 Views

„Last Days in Vietnam“ (2014) von Rory Kennedy ist ein Oscar-nominierter Dokumentarfilm über die chaotischen letzten Wochen und Tage des Vietnamkriegs im April 1975, als nordvietnamesische Truppen auf Saigon vorrückten und die US-Evakuierung (Operation Frequent Wind) stattfand. Er basiert auf Archivmaterial und Interviews mit Beteiligten (u. a. Diplomaten, Soldaten, CIA-Mitarbeiter und südvietnamesische Zivilisten) und beleuchtet das moralische Dilemma: Offizielle Befehle sahen nur die Evakuierung von Amerikanern vor – viele vor Ort riskierten jedoch Karriere und Sicherheit, um auch südvietnamesische Verbündete und deren Familien zu retten.

Die zentrale Rolle des US-Botschafters Graham Martin

Graham Martin, der letzte US-Botschafter in Südvietnam (1973–1975), steht im Fokus. Er wird als altmodischer „Cold Warrior“ porträtiert: höflich, entschlossen und tief emotional involviert (sein Adoptivsohn war im Krieg gefallen). Er weigerte sich lange, den drohenden Fall Südvietnams und die Notwendigkeit einer Evakuierung anzuerkennen.

Verzögerung und Optimismus: Nach dem Pariser Friedensabkommen 1973 und Nixons Rücktritt 1974 (Watergate) sah Hanoi den Weg nach Saigon frei. Martin hoffte auf weitere US-Hilfe, eine Verhandlungslösung oder eine Koexistenz (ähnlich Korea). Er verbot Diskussionen über Evakuierung als „Defätismus“ und „Gift“ für die Moral der Südvietnamesen. Er fürchtete, offizielle Pläne würden Panik auslösen und die Stadt destabilisieren. Der offizielle Evakuierungsplan sah nur die Rettung von ca. 5.000–6.000 Amerikanern vor – keine Südvietnamesen. Martin blockierte Listen gefährdeter Verbündeter und unterband inoffizielle „Black Ops“-Evakuierungen per Frachtflugzeugen (einige Offiziere handelten trotzdem und riskierten ihre Karriere).

Symbolik und Realitätsverweigerung: Er weigerte sich, einen großen Tamarindenbaum im Botschaftshof fällen zu lassen (nötig für Hubschrauberlandeplätze), weil das ein Signal der Niederlage wäre. Noch kurz vor dem Ende meldete er optimistische Einschätzungen nach Washington. Erst als nordvietnamesische Artillerie den Flughafen Tan Son Nhut am 29. April 1975 schwer beschädigte (Startbahnen zerstört), besichtigte er die Schäden persönlich und akzeptierte „Option Four“: die massive Hubschrauber-Evakuierung.

Was zur hektischen Evakuierung führte

Martins Zögern führte dazu, dass die Evakuierung erst im letzten Moment und unter extremem Zeitdruck begann – ausgelöst durch den Flughafenbeschuss und den direkten Befehl von Präsident Gerald Ford. Das Signal war der Radiospruch „The temperature in Saigon is 105 degrees and rising“ plus das Lied „White Christmas“.
Tausende Südvietnamesen strömten zur Botschaft und zu anderen Sammelpunkten. Helikopter flogen rund um die Uhr (ca. 21 Stunden) von Botschaftsdach und anderen Standorten zu US-Schiffen. Martin selbst weigerte sich mehrfach, abzufliegen, und ließ stattdessen Vietnamesen an Bord, um so viele wie möglich zu retten. Er blieb bis in die frühen Morgenstunden des 30. April und flog erst auf ausdrücklichen Präsidialbefehl als einer der Letzten ab (mit der US-Flagge). Einige hundert Vietnamesen blieben auf dem Dach zurück, als die Operation abgebrochen wurde.

Der Film zeigt neben Martins ambivalenter Rolle (zunächst blockierend, dann moralisch engagiert) auch die Heldenmut vieler anderer Amerikaner und die Verzweiflung der Flüchtlinge. Er endet mit dem Fall Saigons am 30. April 1975 und dem Schicksal der Zurückgelassenen. Insgesamt wurden Zehntausende gerettet, doch die Verspätung machte die Aktion besonders chaotisch und riskant.


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