Widersprüchlich zum Erfolg verdammt.
Guten Tag,
Heute sehe ich den Machtaspekt von Geld deshalb deutlich anders. Die Beherrschung der Menschen mittels Geldes war das hilfreichste System, um die Entwicklung der Menschheit voranzubringen. Denn die Bewirtschaftung der Menschen mittels Geldes, erlaubte den Bewirtschafteten ein Leben in Freiheit, was sich, wegen seiner Leistungsfähigkeit gegenüber allen anderen Beherrschungsformen durchgesetzt hat. Überall dort, wo die Beherrschung der Menschen verloren ging oder geht, sind die Gesellschaften danach untergegangen. Das ist mit meiner Sicht leicht zu erklären: Geld erzeugt 1) einen Arbeitszwang und 2) einen Vorausplanungzwang. Wenn diese beiden Aspekte in einer Gesellschaft verloren gehen, weil ihre Einhaltung nicht erzwungen wird, gehen die Gesellschaften unter und danach prägt sich dann stets wieder das von dottore als widernatürlich angesehene Machtsystem erneut aus.
Du schreibts richtiger Weise, dass Geld zu Arbeit und Vorausplanung zwingt und behauptest gleichzeitig, dass Geld ein Leben in Freiheit erlaubt. Das erscheint mir höchst widersprüchlich.
Dass das Überleben von Gesellschaften von der Existenz und Wirkung von Geld abhängt, halte ich auch für richtige. Allerdings gehe ich davon aus, dass dem Menschen keine intrinsische Motivation innewohnt, Gesellschaften zu bilden. Er nimmt die Errungenschaften der Gesellschaft gerne mit, sein Lebensglück, Heimat und letztgründliche Befriedigung seiner Selbst findet er aber in erster Linie in der Gemeinschaft, nicht in der Gesellschaft. In meinen gesellschaftlichen Funktionen bin ich beliebig Austauschbar, nur in der Familie und im Freundeskreis kann mich niemand ersetzen. Und wenn die Gesellschaft mit seinen Zwängen der Gemeinschaft im richtigen Leben den Vorrang abläuft, sucht man eben Gemeinschaft in Online-Foren.
Vor einigen Tagen habe ich mich gefragt, was dabei rauskommen würde, wenn die Menschen ihre Vorstellungen von einem perfekten Tage beschreiben sollen. Ich vermute, für die wenigsten wäre es ein perfekter, Tag morgens ins Büro zu fahren, am Vormittag Kundenanfragen abzuarbeiten und am Nachmittag dem Meeting der Planungsgruppe „Unternehmensstrategie 2030“ beizuwohnen. Vermutlich würden sich die Leute eher wie Lou Reed äußern, auch wenn es sich um einen verkappten Drogensong handelt.
Der Konsens lautet, Führung ist notwendig, Steuern müssen sein. Dafür setzt sich auch der Beherrscher erheblichen Risiken aus, die seine Untertanen so nicht kennen. Herrschaft kann sinnvoll sein, wenn sie Maß halten würde.
Ich habe mal gelernt, dass ich, um meine Situation zu verbessern, in erster Linie auf mich selbst Einfluss nehmen sollte und weniger auf andere. In diesem Zusammenhang frage ich mich, ob ich als Beherrschter in diesem Konsens nicht selbst Maß halten sollte, anstatt mich, vollgepumpt mit Ansprüchen und irdischen Heilsversprechen an die Herrschenden zu wenden - Freiheit, Eigentum, individuelle Selbstentfaltung, Klimarettung, Sicherheit, dufte Infrastruktur, Urlaub in fernen Ländern, geregeltes Einkommen, wohlverdienter(?) Lebensabend, schnelles Internet aller Orten – die Aufzählung meiner Ansprüche ließe zu maßlos weiter fortsetzen.
Die Beherrschung der Menschen mittels Geldes war das hilfreichste System, um die Entwicklung der Menschheit voranzubringen.
Wieso lobst Du die erfolgreiche und höchst effiziente Entwicklung der Menschheit, wenn Du diese mit der Betonung von Regionalität recht radikal ausbremsen willst?
Wenn diese beiden Aspekte in einer Gesellschaft verloren gehen, weil ihre Einhaltung nicht erzwungen wird, gehen die Gesellschaften unter und danach prägt sich dann stets wieder das von dottore als widernatürlich angesehene Machtsystem erneut aus. Was nach meiner Überzeugung sich ausprägte, weil es für die gesamte menschliche Population günstiger war und ist.
Da wir vom Baum der Erkenntnis genascht haben, dürfte das so sein und so bist Du, mit Deinen Überlegungen und Deine Mitstreiter, wie Beo2, wohl zum Erfolg verdammt. Weil es mir noch viel zu gut geht, mache ich mir eher erfolgsunabhängige und damit etwas abwegige Gedanken und lasse die Dinge auf mich zukommen. Der Planungszwang ist in meinem Leben nie richtig angekommen.
Mit freundlichen Grüßen
Schneider