Ein "korrektes Geldsystem" - ein komplexes und durchaus flexibles Thema ..

Beo2, NRW Witten, Freitag, 12.11.2021, 20:49 (vor 1531 Tagen) @ Morpheus3216 Views
bearbeitet von Beo2, Freitag, 12.11.2021, 21:00

Kreditgeld hat sich gegenüber dem Vollgeld durchgesetzt, ...

Das ist schon mal der erste Unsinn: Auch das heutzutage partiell vorhandene Vollgeld, sprich: das ZB-Geld, ist Kreditgeld. Also:

Auch heute schon gibt es das staatseigene Vollgeld, und zwar als Bargeld und als Giralgeld. Das ZB-Giralgeld befindet sich auf den ZB-Girokonten der Banken und des Staates (evtl. auch der Bundesländer). Es ist das ausschließliche Zahlungsmittel zwischen den Banken untereinander sowie zwischen den Banken und dem Staat. Es steht aber dem Normalbürger nicht zu Verfügung. Und dies ist ein sehr großer Fehler .. und wurde "genau so gewollt", um privaten Banken das fettes Reibach mit einem eigenen Geldderivat (GB-Giralgeld) zu ermöglichen.

... weil Kreditgeld die anfängliche Verteilung mit Geld optimal organisiert.

??? Das ist schon der zweite Unsinn .. und nicht eines Kommentars wert.

Denn Vollgeld lässt sich beim besten Willen nicht über große Gebiete verteilen.

Das ist der dritte Unsinn .. eine inhaltslose Behauptung. Was ist ein "großes Gebiet"? Bitte um klare räumliche Definition. Klare Begriffsdefinitionen sind absolut notwendig, wenn wir eine diskutable Theorie vorstellen wollen.

Und wenn @Beo2 hier die Bank deutscher Länder als Erfolgsmodell anpreist, dann konnte das damals durch die Ausgabe von Kopfgeld einmalig so organisiert werden.

Die BdL war! ein Erfolgsmodell, denn sie brachte die Wirtschaft wieder zum Laufen, in sehr enger Koordination mit der Regierungspolitik. Du hast sicher keine Ahnung, was in den Jahren 1948-49, im Rahmen der damaligen Währungsreform geschah. Die BdL war ein staatliches Bankensystem und hätte, mit ein paar strukturellen und gesetzlichen Änderungen, bis heute erfolgreich funktionieren können.
Die BdL war sehr erfolgreich, denn sie war am Anwerfen des sog. Deutsche Wirtschaftswunders (1950-75) maßgeblich mitbeteiligt. Der Staat wurde direkt von der BdL finanziert. Sie wurde erst im Jahr 1957 mit einer "Neuerfindung", genannt "Deutsche Bundesbank", durch ein ganz anders, parasitäres System ersetzt, um die privaten Banken zwischen den Staat und seine Zentralbank als Maut-/Tributeintreiber zu setzen. Bis dahin gab es praktisch flächendeckend fast nur das staatliche Vollgeld.

Aber leider wäre danach keine Flächendeckende Geldversorgung ohne das Kreditgeld der Banken möglich gewesen.

Auch dies ist schlicht und einfach Falsch. Wo bleibt die Begründung? Auch eine Zentralbank wie die BdL oder die Bundesbank konnte und kann jederzeit GELD bzw. gesetzliches Zahlungsmittel (ZB-Geld) locker in rauen! Mengen in den Umlauf bringen, sogar via Kredite .. bis der Arzt kommt. Das könnte sie auch ohne das "Kreditgeld/Geldderivat der privaten Banken" tun, wenn sie eben dürfte.

Denn die heutige Geldversorgung der Zentralbanken, führt seit Jahren nur zu einer weiteren Überversorgung des Finanzsektors mit Geld. Was zwar zu inflationierten Aktien- und Häuserpreisen führte, aber in der normalen Bevölkerung nie ankam. Erst mit Corona konnte das geändert werden.

Das ist aber keine Schuld der heutigen Zentralbanken oder der Deutschen Bundesbank bzw. der EZB. Das ist ein Ergebnis der gewollt falschen Wirtschaftspolitik. Die ZB kann nur das tun, was ihr per Gesetz erlaubt wurde .. und das ist fast Nichts, außer Tonnenweise Geld in die Banken zu schütten. Was die Banken damit machen, darauf hat sie keinerlei Einfluss.

Kredite gab es, zur Zwischenfinanzierung von Abgabeschulden schon seit Ewigkeiten. Kredite beinhalten, wie Abgaben, den Geldbeschaffungszwang der Schuldner, was den Geldwert ausmacht. Sie sind deshalb hervorragend geeignet das dauerhafte Problem der Geldverteilung recht langfristig zu lösen.

Also haben wir gar kein Problem mit dem heutigen Geldderivat der GBanken? Da bin ich anderer Meinung.

Und ganz sicher: Ich habe nicht das Geringste gegen "Kreditgeld" einzuwenden .. ich möchte es aber als originales ZB-Geld (Vollgeld) allen Bürgern verfügbar machen. Solchem Geld- und Zahlungssystem können nämlich auch noch so viele Bankenpleiten nichts anhaben.

Vom WEF und anderen wird zwecks Geldverteilung oft von dem Modell des bedingungslosen Grundeinkommens geschwafelt. Dieses Grundeinkommen muss jedoch die eingebauten Selbstheilungskraft des Geldes „Inflation“ aktivieren.

Schon wieder eine Behauptung aus dem hohlen Bauch. Eine anschauliche Herleitung "des Problems" lieferst Du nicht. Das BGE und ein paar Varianten davon können wir gesondert diskutieren. Da gibt es unterschiedliche Modelle. Ich habe eine ganz eigene Version entwickelt .. auch zum Thema Finanzierung.

Das können wir aktuell gerader hervorragend beobachten. Durch die Corona-Maßnahmen wurde sehr viel Geld gleichmäßig verteilt und sofort wird diese Verteilung durch steigende Preise neutralisiert. Was allerdings sehr gefährlich für die Währungen ist, denn sobald es zum Entsparen oder enthorten kommt, kann sehr schnell eine Hyperinflation starten.

Das bestreitet ja niemand.

Meine Frage an @Beo2 oder andere Vertreter des Vollgeldsystems, wie will ein Staat sein Geld oder vielleicht sogar eine Weltregierung ihr Geld sinnvoll und gerecht verteilen?

Der Staat verteilt kein GELD, weder gleichmäßig noch ungleichmäßig, sondern tätigt Monat für Monat seine Ausgaben gemäß seinen von den Bürgern bestellten Aufgaben und Leistungen .. und hat ansonsten Wirtschafts-, Steuer- und Sozialpolitik zu betreiben. Dies führt letztlich zu einer "gewünschten" Einkommensverteilung in der Bevölkerung. Ob das nun "gut gemacht" wird oder ganz anders und besser gemacht werden könnte, ist ein sehr weites und tiefreichendes Thema. Bei mir kannst Du immer fündig werden.

Es gibt da leider nur sehr wenige und sehr beschränkte Möglichkeiten.

Das gilt nur heutzutage, da fast Niemand radikale Reformen der Spielregeln (= gesetzlicher Rahmenbedingungen) und der Wirtschaftspolitik möchte. Deshalb dümpelt diese Gesellschaft sehenden Auges ihrem vorgezeichneten, bereits sichtbaren Ende zu. Und das kann nur richtig übel werden. Ich werde es mir hoffentlich nur als Zuschauer "von oben" anschauen können.

Was kann sinnvoller und gerechter sein, als freiwillige Kreditaufnahme?

Richtig, das kann eine sehr feine Sache sein, setzt aber ausreichendes und sicheres Einkommen voraus. Und natürlich geht das auch mit Vollgeld.

Deshalb hat sich das Kreditgeld nämlich durchgesetzt und mit Recht.

Auch Vollgeld ist Kreditgeld. Ich rede doch vom ZB-Geld. Ich rede nicht vom sog. Warengeld = Gold- und Silbermünzen o.ä..
Aber Du bringst alles durcheinander .. weil Du von den historischen sowie von den alternativ vorgeschlagenen Geldsystemen nichts verstehst. Ich habe sie alle! studiert und verstanden, und war auch aktiv in der lokalen Tauschring-Szene.

Den Aspekt von Staatsanleihen würde ich gerne ausblenden, weil diese ein nachgelagertes Thema sind. Ansonsten freue ich mich sehr auf eine fachliche Diskussion.

Du hast bisher noch gar kein (alternatives) Geldsystem vorgestellt. Ich habe es getan, u.z. sehr konkret. Was möchtest Du also diskutieren?
Abschließend noch ein paar wichtige Anmerkungen oder Thesen:

_ 1) Die Größe der Einzugsregion bzw. des sog. Währungsgebietes ist kein wesentliches Konstruktionsmerkmal eines Geldsystems.
_ 2) Falsch konstruiertes "Geldsystem" muss auch in beliebig kleinen Regionen versagen. Habe ich hautnahe erlebt und verstanden in unserer lokalen Tauschring-Szene.

_ 3) Auch in einem sehr kleinen Währungsgebiet (Region) kann es sehr schnell zu fortschreitender Konzentration des Tauschmittels in wenigen Händen kommen .. bis die Wirtschaft schließlich zum Stillstand kommt, weil 75% der Teilnehmer am Hungertuch nagen. Habe ich selbst in unserem lokalen Tauschring hautnahe erlebt und verstanden.
___ Ich bin dort das reichste Mitglied geworden - und wusste nicht mehr, wofür ich die immer mehr werdenden Tauschpunkte (auf meinem Konto) ausgeben soll - denn noch mehr Kuchen konnte ich einfach nicht essen, Katzen und Hunde zum Ausführen hatte ich auch nicht, mein Fahrrad reparierte ich gerne selbst usw.) - bis ich schließlich resigniert ausgestiegen bin. Ich konnte den Betonköpfen dort nicht verständlich machen (obwohl ich Mitglied des Orgateams bzw. Vorstands war), warum es zu solcher Entwicklung in allen! Hunderten Tauschringen und regionalen Komplementärwährungen in DE zwangsläufig kommt und kommen muss, wenn keine bestimmten Maßnahmen dagegen installiert werden.

_ 4) Richtig konstruiertes und angepasstes Geldsystem KANN in beliebig großen Regionen nachhaltig funktionieren. Das geht aber nicht ohne bestimmte Wirtschafts-, Steuer- und Sozialpolitik. Sollte es zu einem verstärkten Abfluss von Zahlungsmittel aus einer Region kommen, kann dies z.B. mittels eines "Länderfinanzausgleichs" kompensiert werden - ist ja in der BRD etabliert. Das gibt es auch innerhalb der EU bzw. der Eurozone mittels der diversen Eurofonds, aus denen die schwächeren EU-Länder zugeschmissen werden .. zur großen Freude der dortigen korrupten Politiker. Ich kenne mich dort gut aus! Solcher "Regionenfinanzausgleich" kann aber durchaus einen steten ausgleichenden Rückfluss und Kreislauf des Zahlungsmittels herbeiführen.

Das Problem des "Geldabflusses" sollten aber eher an der Wurzel angepackt werden .. d.h. direkt an den Quellen der Einkommensverteilung in der Gesamtbevölkerung. Und dies ist ein unerwünschtes und komplexes Thema.

Mit Gruß, Beo2


gesamter Thread:

RSS-Feed dieser Diskussion

Werbung