Wie ich die Querdenken-Demo in Berlin erlebt habe

Otto Lidenbrock, Sonntag, 30.08.2020, 12:45 (vor 1978 Tagen) @ QuerDenker8293 Views

Einigermaßen erschüttert lese ich heute morgen die Schlagzeilen der Mainstream-Medien zu den Ereignissen auf der gestrigen Querdenken-Demo in Berlin. Da ich selbst von etwa 11:00 Uhr vormittags bis gegen 17:00 Uhr vor Ort war und in dieser Zeit den Bereich zwischen Friedrichstraße und Siegessäule mehrmals rauf und runter marschiert bin, möchte ich meine persönlichen Eindrücke dieser Veranstaltung wiedergeben, da diese dem Tenor der Medien teilweise diametral gegenüberstehen.

Mein Gesamteindruck lässt sich mit den Adjektiven friedlich und größtenteils entspannt beschreiben. Wo diese Beschreibung nicht zutrifft, lag die Schuld ganz eindeutig bei der Polizei, die, nach meinem Eindruck, mehrmals völlig unnötig zu einer Verschlechterung der Stimmung beitrug, indem sie Teilnehmer aussperrte und später am Abend das genehmigte Camp in der Nähe der Siegessäule auflöste und dabei z.T. absichtlich Gewalt gegen völlig friedliche Menschen anwendete.

Das bei dieser Veranstaltung auch einige Sympathisanten der Reichsbürgerszene etc. vor Ort waren, lässt sich nicht bestreiten, allerdings schätze ich ihren Anteil auf unter 1%. Diese Leute hielten sich aber vornehmlich im Bereich Unter den Linden auf, wo sie sich gegenüber den Botschaften Russlands und der USA versammelt hatten. Auch direkt vor dem Reichstagsgebäude hatte diese Fraktion ein Podium aufgebaut, anders als uns die Mainstream-Medien glauben machen wollen, war hier aber so gut wie nichts los, ich bin mehrmals da gewesen.

Wo und wann und von wem genau nun dieser "Sturm auf den Reichstag" initiiert wurde, weiß ich nicht, auf jeden Fall hatte er absolut nichts mit der Querdenken-Demonstration zu tun, auch wenn sich die Medien jetzt auf Hildmann und Konsorten kaprizieren.

Die Kundgebung selbst war eher langweilig, die Redner brachten nichts Neues oder Überraschendes unters Volk. Was hätte das auch sein sollen, wo alle Fakten praktisch frei verfügbar auf dem Tisch liegen? Die Position von Robert F. Kennedy war ebenso bekannt wie die von Michael Ballweg, einzig die etwas zu lang geratene Rede des grünen Kommunalpolitikers brachte etwas Interessantes zu Tage, nämlich, dass die Grünen über die wahre Situation genau Bescheid wissen, aber weiter mitspielen, vermutlich, weil sie sich im nächsten Jahr den Sprung in die Regierung erhoffen.

An "Prominenz" habe ich persönlich Christoph Hörstel von der Partei "Neue Mitte" und auch den Sprecher der Identitäten Bewegung Österreichs, Martin Sellner, gesehen.

Die tatsächliche Teilnehmerzahl wage ich nicht zu schätzen. Ich besitze zwar die Erfahrung eines Zuschauers von über 100 Begegnungen der Fußball-Bundesliga, wo ja auch mehrere Zehntausend Menschen auf einer Veranstaltung zusammenkommen, aber durch die große Weitläufigkeit des gestrigen Geschehens lässt sich keine auch nur halbwegs seriöse Schätzung vornehmen. Trotzdem würde ich von insgesamt mehr als 100.000 Menschen ausgehen.

Fazit: Insgesamt bin ich ein von der Veranstaltung ein wenig enttäuscht, vor allem, weil ich doch mit deutlich mehr Zuspruch gerechnet hatte. Den Veranstaltern möchte ich dennoch ein großes Kompliment aussprechen, weil die Organisation wirklich bemerkenswert professionell war und man die ganze Sache bis zum Ende im Griff hatte.

Besonderer Dank gilt dem Rechtsanwalt Markus Haintz, der an diesem Tag wirklich alles gegeben hat, um angesichts der gespannten Situation zwischen Veranstaltung und Berliner Senat bzw. Polizei zu deeskalieren und zu vermitteln. Er ist aus meiner Sicht einer der führenden Köpfe der Querdenken-Initiative geworden.

Leider haben meine Eindrücke und Erlebnisse des gestrigen Tages nicht dazu beigetragen, mein Gefühl hinsichtlich der Gesamtsituation zu verbessern. Im Gegenteil, ich befürchte, dass sich die große Mehrheit der Menschen in diesem Land von den Medien weiter hinter die Fichte führen lassen. Dies konnte ich im Verwandten- und Bekanntenkreis beobachten, den ich während des Tages mit Bildern und Eindrücken auf dem laufenden hielt. Mehrheitlich wurde lieber den Mainstream-Medien geglaubt, während meine Live-Eindrücke praktisch ignoriert wurden.


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