Retail Investoren, die an einen *irgendwann* höheren Ölpreis glauben - kann das eine systemische Krise auslösen?

pigbonds, Dienstag, 28.04.2020, 09:38 (vor 2101 Tagen) @ sodele3170 Views

Im Moment kaufen Retail Investoren ETF ähnliche Produkte, weil sie glauben, dass sie so an einem steigenden Ölpreis partizipieren könnten.

Die ETFs können aber nur Futures kaufen und wegen der Verwerfungen im Mai WTI Kontrakt, der bekanntlich einen Tag vor Settlement negativ ging, kaufen diese nun nicht nur den Front Kontrakt (Juni Kontrakt) sondern auch zukünftige Kontrakte.

Wer neu in der Thematik ist, hier eine Auflistung der WTI Futures Kontrakte:
https://oilprice.com/commodity-price-charts?&page=quote&sym=CL*1&name=Crude...

Hier die Holdings des grössten WTI ETFs:
http://www.uscfinvestments.com/holdings/uso
(Schön zu sehen, dass man als USO Investor bereits die höheren Preise der Zukunft gekauft hat)

USO wird natürlich niemals physisch Öl kaufen wollen und wie auch letzte Woche von einigen Schreibern hier richtig hervorgehoben, werden normalerweise alle Kontrakte finanziell geregelt.

Etwas hat sich aber verändert: die Shale Oil Produzenten stehen zum einen unter enormen Schulden-Druck, den Debitisten hier ist klar, dass die Produzenten bis zum Ende produzieren müssen, und wissen gleichzeitig nicht wo man das Öl noch lagern könnte. Daher werden sie als derzeit einzigen Ausweg Short Positionen im Futures Markt sehen. Diese Produzenten wollen unter allen Umständen physisch liefern. Das löst zwar das Lagerproblem nicht, es wird aber über den Futures Markt zu jemand anderem Problem.

Solange sich das Speicherproblem verschärft, könnte rein theoretisch der Preis seeehr negativ werden. Wer trägt nun im Falle der ETF Positionen das finanzielle Risiko? Vermutlich der Retail Investor - wobei ich nicht glaube, dass diese durchgesetzt würde. Wer noch? ETF Anbieter selber, Broker, der Exchange? Gäbe es ein Bailout? Das physische Lagerproblem wäre noch nicht gelöst, wird erst gelöst, wenn Produktion stoppt.

Besteht gar ein Ansteckungsrisiko auf andere Märkte? Ein systemisches Risiko?

Die Corona Massnahmen wurden nicht primär deshalb getroffen, weil der Virus so tödlich ist, sondern weil ein Überfluten und Zusammenbrechen des Gesundheitssystems verhindert werden sollte. Genau das passiert nun aber im Ölmarkt.

Meiner Meinung nach baut sich da ein ernstes Problem auf.


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