Debitismus: Alles führt ins Elend, das eine früher, das andere später. Das Elend kommt aus den …
Hallo Bernd
Dottore, abseits seiner schon Jahre vorher vorgestellten Idee der Schaffung einer neuen Kreditpyramide, die ich vor einigen Tagen natürlich unvollständig als Anwendung auf die heutige Situation skizziert hatte, in
https://archiv.dasgelbeforum.net/ewf2000/forum_entry.php?id=135422 Re: Für die Zukunft ... Deflation, Inflation, Staat/ZB ... verfasst von dottore, 01.08.2002, 13:45
~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~
Hi Saint-Just,
Wie schon erwähnt ist der bücherfüllende Problemkomplex Deflation vs. Inflation sowie Reaktion von Staat/ZB DIE Frage aller Fragen für die Zukunft, auf die es vermutlich keine 'richtige' Antwort gibt.
Die Antwort ist relativ einfach. Sollen die weltweit krachenden Forderungsketten erhalten werden, muss in Konti (= schweizerisch für Konten) von Staaten (USA, Euro-Zone usw.) umgebucht werden. Bleiben dort als zusätzliche Staatsschulden stehen.
Staat hat nur zwei Möglichkeiten, Politik zu treiben:
1. Über zusätzliche Massivverschuldung (mit oder ohne Steuersenkung).
2. Steuersenkung in Form einer Leitzinssenkung der ZBs (die kassiert dann weniger - schnippelt weniger - von den aus den bei ihr liegenden Titeln (ZB-Pfänder) Zinsen).
Der Direktkauf von Staatstiteln (Offenmarktpolitik) bringt nichts, da die Zinsen, die Staat schuldet, an die ZB gehen und von dort - abzgl. ZB-Kosten - wieder an den Staat.
Ansonsten Banknoten drucken (ohne Titeleinreichung bei der ZB, was noch nie vorgekommen ist, auch nicht in der deutschen Hyperinflation bzw. Einreichen von unverzinslichen Schatzscheinen) = wie Hubschraubergeld.
Es beginnt schon bei der Zieldefinition. Was soll das Ziel von Wirtschaftspolitik sein? Der gesamtgesellschaftliche Nutzen?
Nicht definierbar.
Wo Gewinner, da Verlierer und umgekehrt, schwer zu aggregieren. Ok - geschenkt.
Ja, geschenkt.
Was beweist der japanische Weg? Wenig mehr als nichts. Die Notenpresse wurde NICHT angeworfen, dafür wurden Zinsen gesenkt
Die ZB-Steuer wurde gesenkt. Andere Steuersenkungen gab's auch, z.B. im April 2000.
und eine Menge unproduktiver Investitionen getätigt (z.B. überflüssige Bauwerke).
Vor dem Bruch der Hausse privat. Inzwischen nur noch Staats-Investitionen, die sich nicht rechnen. Da, die schöne neue Brücke! Ja, aber wo ist der Fluss?
All dies in einem recht positiven weltwirtschaftlichen Umfeld. Heutige Situation bei uns ist eine ganz andere. Schlechtes weltwirtschaftliches Umfeld, aber extremer Bedarf an Infrastrukturinvestitionen.
Dann kurbele bitte so an. Das klassische Autobahnbau-Programm.
Öffentliche Investitionen rechnen sich nicht. Würden sie sich rechnen, wäre das Wachstum der privaten Wirtschaft ununterbrochen gestiegen, statt zu fallen. In Deutschland sind ca. 2 Billionen öffentliche Investitionen getätigt worden. Resultat: Nullwachstum und demnächst Krise.
2 Bio private Investitionen hätten zumindest die 400 Mrd. Zinsen plus Amortisation per anno verdient (= Wachstum des BIP von ca. 12 %) bzw. wären ebenfalls auf Null abzuschreiben gewesen.
Spar- und Konsolidierungskurs, 'Stabilitäts'pakt und EZB-Satzung führen definitiv ins Elend, sind jedoch heute quasi-religiöse Dogmen.
… unbezahlten Rechnungen (Schulden → Überschuldung). Aus sonst gar nichts.
Einzige halbwegs positive Möglichkeit zu sein, scheint mit Notenpresse Hyperinflation zu erzeugen, um Schuldner real zu entschulden. Aber wie?
Steht doch da. Nochmal zum Mitschreiben: Staat gibt 1 Bio. unverzinsliche Schatzscheine ohne Ablaufdatum aus. ZB nimmt sie aktiv herein, Direktankauf. Passiv in ZB hat Staat dann aktiv 1 Bio ZB-Geld und kann machen damit, was er will. Sogar Trittins Bezüge vertausendfachen.
Unzähliges, was dem entgegensteht. Dazu gab's hier vor ein paar Tagen eine SEHR interessante Diskussion zwischen @dottore und @Aldibroker, wenn ich mich recht entsinne. Im Prinzip verwies @dottore auf rechtliche Fesseln; @Aldibroker meinte, diese würden gekappt.
Wenn sie gekappt werden, erfahren wir es todsicher als erste. Selbstverständlich kann man die rechtlichen Fesseln kappen, aber leider nicht so, dass es keiner merkt.
Wer wird nun recht behalten? Nicht nur diffizil, sondern auch schwierig.
Warum sich jetzt den Kopf über etwas zerbrechen, dass es noch nicht gibt. Die derzeitige Rechtslage (Maastricht usw.) ist völlig klar und unmissverständlich (keine Direkt-Kredite der ZBs an die Staaten).
Wer diese Frage beantworten kann, kennt - in groben Zügen - die Zukunft generell.
Nichts leichter als heute in die Zukunft zu blicken: Deflationäre Depression. Es sei denn, die Gesetze werden geändert und dann werden wir es wissen, wie danach die Zukunft ausschaut.
MEINE Prognose, besser Befürchtung, manifestiert sich in meinem Namen.
Saint-Just
Warum sich vor etwas fürchten, das Du kennst?
Gruß!
~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~
Warum ist die Konstruktion neuer Kreditpyramiden heute, bei letztendlich weltweit bestehendem Bevölkerungsrückgang, nicht mehr möglich?
Gruß - Ostfriese