Der Begriff SIMULATION stört mich!
Hallo Ostfriese -
wir können uns vielleicht in vielen Dingen einig werden, aber wenn ich einen Brief von Finanzamt bekomme, dann ist das für mich keine Simulation sondern ärgerliche Realität. Der "Staat" ist da (seit etwa 5000 Jahren). Wahrscheinlich bekommen wir ihn nie mehr weg.
Die Zeiten also, da überschaubare Menschengruppen ihre je eigenen Anführer hatten, sind seit Jahrtausenden vorbei (regional verschiedene Zeitskalen). Die laufend zunehmende Populationsdichte und die je begrenzten Ressourcen haben daher zu großen geschichteten und arbeitsteiligen Menschenkollektiven geführt. Ihnen droht immer die Gefahr, dass die stärkeren Individuen (nach Intelligenz und Organisationstalent, physischer und psychischer Kraft) sich zu einer Elite zusammenschließen (sie mag dabei elitenintern gerne ein Wettbewerbssystem haben). Diese Elite wird dann die schwächeren Mitglieder der Gesamtgruppe unterdrücken und ausnützen. Es gab ein paar wenige Momente in der Geschichte der letzten 3000 Jahre, wo man versucht hat, diese gefahrbergende Struktur aufzubrechen. Die bekanntesten sind für die Antike die Reformen von SOLON (mit nachfolgender Polis-Demokratie), für die Neuzeit die Epoche der Aufklärung und der "Französischen Revolution".
Rein formal und theoretisch gesehen ist gemäß der neuzeitlichen Staatsphilosophie demnach das Individuum (anteilig!) der Souverän im "Staat". Das heutige Individuum ist sich dessen aber nicht wach bewußt und hat nicht die Fähigkeiten, nicht die Mittel und nichteinmal den Willen, seine Souveränität auch wahrzunehmen. Daher ist der Ausdruck berechtigt, dass dieses Individuum eigentlich schläft (Kant hätte freundlicherweise gesagt, es sei nicht 'aufgeklärt'). Dieses Individuum nun träumt davon, dass es einen imaginären Staat gäbe, der all das für das Individuum regelt, was es nicht selbst leisten kann oder nicht gerne selbst machen will - etwa die Verteidigung des Kollektivs gegen den bösen Putin oder Raubzüge nach billigem Erdöl und seltenen Erden oder Schutz vor Messerstechern in der Straßenbahn und Grapschern im Freibad.
Die Elite weiß von der Unfähigkeit und den Träumen der Masse, nutzt diese führ ihre eigenen Interessen schamlos aus und ist dabei bereit, über Millionen Leichen, Verstümmelungen und Zerstörungen hinwegzuschreiten (Weltkriege, Corona u.ä.). Anderes Besipiel: früher haben die Kinder ihre Eltern während deren Alterszeit selbst gepflegt, heute dagegegen gibt es das System der staatlichen Pflegeversicherung - organisiert von einer Elite aus Politikern, Beamten und Unternehmern - und ich habe Einrichtungen gesehen (betrieben von einer osteuropäischen Pflegemafia), da lagen halbtote 80-Jährige stummgespritzt und angeschnallt in Betten und produzierten 2000 Euro Profit im Monat. Alles, was der Einzelne nicht tun mag, wird gerne auf "den Staat" verlagert, damit das Individuum maximalen Mehrwert produzieren und zugleich sich selbst frei entfalten kann - letzteres wiederum weitgehend entlang den Anregungen, die von der Elite stammen (Disneyland, Hollywood und META etc. etc. etc).
Je größer nun die Masse und je gerissener die Elite, desto disparater wird die Spannung im Gemeinwesen. Dies führt dazu, dass das komplett degenerierte politische Schlafschaf entsteht - ein defektes, seiner selbst entäußertes Individuum, am Ende seelisch und materiell obdachlos und drogenabhängig. Der Elite ist dies absolut gleichgültig. Denn es gibt so viele Menschen, dass der einzelne Mensch (aus Sicht der Elite) ersetzbar ist und somit zur Nebensache wird. Er ist nur noch ein "handle"-bares Wirtschaftsobjekt (Menschenmaterial, human ressources) bzw. ein weitgehend steuerbares Konsumsubjekt.
Diese ganze Angelegenheit wäre (welthistorisch gesehen) nicht weiters schlimm. Ich finde sie stellenweise (!) sogar gut. Denn entlang diesem Mechanismus hat die Menschheit wirklich unglaubliche kulturelle und technische Leistungen erbringen können. Siehe zum Beispiel hier:
https://www.youtube.com/watch?v=QVx7HgODYzI
(Die wichtigste Maschine der Welt)
Es gibt nur ein einziges Risiko auf dieser Schiene der Weltgeschichte: die Elite hat keine Bremse eingebaut. Sie selbst ist nicht disziplinierbar. Sie lässt sich nicht steuern. Ihre Gier ist unersättlich. Sie ist pathologisch soziopathisch. Und diese Eigenschaft wird noch dadurch laufend verstärkt, dass die Elite intern in einem Wettbewerbssystem steht (d.h. es findet fortlaufend eine Selektion in Richtung dieser pathologischen und kriminellen Verhaltensweisen statt).
Dieser maximale Antrieb von Seiten der Elite, verbunden mit einer maximalen Masse an ausbeutbarem Menschenmaterial und hohem Ausbeutungsgrad, führt nun zu einer Situation, die man als Selbstzerfleischung bezeichnen könnte. Und die größenmäßige Dimension des Geschehens (bei 8,5 Milliarden Menschen) führt darüberhinaus zu einer Belastung des gesamten planetaren Ökosystems. Die Selbstzerfleischung der Menschheit ist man bereit hinzunehmen. Die Elite rechnet damit, führt teilweise das Geschehen selbst herbei, ist darauf eingestellt, nimmt das Risiko in Kauf (ORDO NOVO AB CHAO). Es bleibt die Frage, ob der Planet es aushält. Sehr wahrscheinlich JA! Er hat schon Schlimmeres erlebt.
Dies ist, kurz zusammengefasst, die aktuelle Weltlage und die Sache mit "dem Staat" - aus der Sicht des hiermit freundlich grüßenden @Weiner.