Die Diskussion um Rente und Kinder hatte ich neulich schon in einem Forum...
Ich hab jetzt mein achtes Kind bekommen.
Weil man muss ja auch an das Alter denken, wenns keine Rente mehr gibt, kann ich ja nur mittels Kinder für das Alter vorsorgen.
Genau so war es ja EINEN TAG, bevor diese Rente, damit die Leute eben NICHT mit zu vielen Kindern die eigene Altervorsorge betreiben, eingeführt wurde.
Meines Wissens wurden die Sozial- und Rentenversicherungen von Bismarck eingeführt und dessen Absicht war m.W. in erster Linie, die Sozialisten zu schwächen (ein intelligenter Mann, denn die sozialistischen Ansätze taugen i.d.R. nicht viel). Ob es dabei auch um zuviel Nachwuchs ging, weiß ich nicht.
Die Frage ist, was die Geburtenrückgänge bewirkt hat, denn ziemlich zeitgleich begann die Hochindustrialisierung Deutschlands, was die Lebensbedingungen großer Teile der Bevölkerung grundlegend umgewälzt haben dürfte. Schleichende Maschinisierung der Landwirtschaft, Landflucht, hocharbeitsteilige abhängige Beschäftigung, steigender Bedarf nach besserer Bildung (bzw. bessere Einkommensmöglichkeiten dadurch).
Meine Hypothese ist nämlich, dass eine geringe soziale bzw. Altersabsicherung heute NICHT MEHR dazu führen würden, dass die Leute mehr Kinder bekommen. Warum? Weil man die halt nicht mehr aufs Feld schicken kann, sondern erstmal 20 Jahre massiv Zeit und Geld investiert, auf eine ungewisse Zukunft hoffend, in der sie (idR. in abhängiger Beschäftigung) genug verdienen, um ihre Eltern zu finanzieren.
Aus Sicht der Bevölkerung gibt es also folgende Möglichkeiten:
a) gar keine Kinder, dafür massiv Geld zur Seite schaffen, um im Alter und bei Krankheit abgesichert zu sein (hoher Lebensstandard, sofern das Einkommen passt auch relativ hohe Sicherheit im Alter)
b) wenige Kinder extrem gut bilden, was ebenfalls viel Mühe aber zusätzlich noch Geld kostet und außerdem ein hohes Risiko darstellt, wenn die dann doch keinen Job finden, sich nicht wie gewünscht entwickeln oder du ihr Überleben nicht lange genug sicherstellen kannst, im Erfolgsfall stehst du evtl. besser da, als bei Strategie a, aber garantiert ist auch das nicht (insgesamt mittlerer Lebensstandard, sofern das Einkommen passt auch mittlere Sicherheit im Alter)
c) viele Kinder, die viel Kosten und Arbeit machen, die aber weniger gut vorbereitet sind, als die in Strategie b (auch die Überlebenswahrscheinlichkeit dürfte sinken), in der vagen Hoffnung, dass alle zusammen oder ein Ausreißer die Sache irgendwie schaukeln (niedriger Lebensstandard, sofern das Einkommen [man muss die Kinder ja erstmal durchbringen] und die Fruchtbarkeit passt, evtl. noch akzeptable Sicherheit im Alter)
Der zeitnahe Nutzen von Kindern, den es früher gab, hat eine Familie, die in der Stadt lebt, vielleicht nichtmal Wohneigentum hat, schlicht nicht. Die Investition in Kinder ist riskant und anstrengend, genau das ist es, was wir beobachten und es kam in erster Linie mit der Industrialisierung.
Welche Strategie würde ein heutiges Paar wohl wählen, wenn die soziale Absicherung sinkt? Ich befürchte, ich ahne es...
Mir ist im Zusammenhang mit diesem Thema auch aufgefallen, dass es m.W. kein industrialisiertes Land gibt, welches vollkommen ohne soziale Sicherungssysteme auskommt, selbst Hongkong, Japan und Südkorea, die USA, die nach unseren Standards eine niedrige Absicherung haben, haben immerhin eine. Und besonders die fernöstlichen Asiaten, haben die absolut niedrigsten Geburtenraten auf der Welt (bei uns sinkt sie angeblich auch, bedingt durch stark steigende Unsicherheit, die horrenden Kosten für Wohneigentum etc. [die C-Impfung lasse ich mal außen vor, die kann ich nicht wirklich beurteilen]).
Ich vermute die Kausalität also anders, als oft gedacht:
1) Industrialisierung
2) soziale Not und Krisen
3) Aufstieg linker Parteien und Ideen
4) Durchsetzung sozialer Verbesserungen durch jene (oder sogar Gegner der Linken, siehe Bismarck)
5) ausbleibende Geburten, durch die neue Gemengelage und Lebensrealität (und bessere Verhütungsmethoden, die darf man auch nicht vergessen!)
Kappt man jetzt Punkt 4, wird man einfach zu Punkt 3 rutschen und Unruhen bekommen, weil die eigentliche Ursache nicht verschwunden ist. Der Weg zurück zur Agrargesellschaft ist für das mittlerweile dicht besiedelte Deutschland m.E. auch nicht möglich (außer wir bemühen uns, die Deagel-Liste überzuerfüllen) und natürlich auch nicht wirklich wünschenswert, wir wären auf ewig abgehängt...