Hallo Dieter, die Verschuldung (mT)
gab es auch schon in den 70ern. Bei Hauskreditraten von 10% und mehr haben sich die Zinsen
ganz schön geläppert. Es gab halt noch §10e EStG, wobei die Herstellungskosten des Hauses als Sonderabgaben abgeschrieben werden konnten. Der Spitzensteuersatz griff noch nicht für Durchschnittsverdiener, und die MWSt. lag bei 11% herum.
Es gab aber auch keine Zuwanderung in die Sozialsysteme, sondern wer kam mußte nach Völklingen in die Hütte oben ans Koksloch oder in Hamm runter in den Schacht wo es heiß, dunkel und verdammt staubig war.
Die Elterngeneration vom Kiffer Cem.
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Ich habe den höchsten Respekt vor denen, die haben nämlich genauso geschuftet wie die Bauern, die ihre eigenen Knechte selbst waren, und denen die EU Politik in den 70er Jahren die Lebensgrundlage geraubt hat. Sie wurden als erste auf dem Altar der Industrie geopfert. Das hat sich bis jetzt weiter fortgesetzt, siehe Mercosur-Abkommen.
Das was Du mit den Arbeitern sagt stimmt genau. Viele, die früher bei uns in der Palz bei den Bauern gearbeitet hatten, sind "in die Anilin" (BASF) gefahren und wurden dort Chemiearbeiter. Gefährlich, giftig, Schicht schaffen, aber wow, wie gut hatten die plötzlich verdient. Und das ganze dann massiv gefeiert, das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, was da in den 70ern und 80ern gefeiert wurde. Die Häuser hatten den "Partykeller" mit eingebauter Bar, die ausgestattet war mit mehr als heute so manche Kneipe.
Meine Eltern sagten schon damals, daß "feiernd die Welt zugrunde ginge", und das ewige Gesaufe und Gefeiere hat uns als Bauern, die natürlich 7-Tage Woche hatten, angekotzt. Während "die Aniliner" auf dem Sportplatz abhingen und gefeiert hatten am Sonntag nachmittag standen wir auf dem Acker und haben Zuckerrüben gehackt, Obst gepflückt oder Getreide geerntet, wenn die Zeit dazu reif war und die Sonne schien. Denn Petrus weiß nicht, ob es gerade Samstag oder Sonntag ist.
Zu Beginn mußte samstags noch halbtags gearbeitet werden und es war sogar noch Schule. Das hat sich dann irgendwann Ende der 70er geändert, dann war das ganze Wochenende frei.
Sagten wir noch zu Beginn, abends war der "6-Uhr-Verkehr", war es irgendwann der "5-Uhr-Verkehr" und heute ist es eher der "4-Uhr-Verkehr", in Berlin auch schon mal um 15.00h, und freitags merkt man, daß allgemein "Homeoffice", sprich 3-Tage-Wochenende angesagt ist.
Durch diese Kindheit und Jugend, die leider nicht auf der Sonnenseite der Arbeitnehmer saß, auf der Seite der IG Metall und von ÖTV Kluncker mit 11% Lohnsteigerungen, sondern auf der Seite des Berufsstandes, die schon immer selbst für ihre Zukunft und ihre Kinder verantwortlich waren, ohne jegliche EU Zuschüsse, und die wie kein anderer Berufsstand ab den 70ern rasiert wurden, kannst Du Dir vielleicht meine Verbitterung erklären, vor allem gegenüber denen, die noch nicht mal wie die Arbeiter geschafft und produziert und samstags auch Haus gebaut haben, sondern die noch eine Stufe drunter wahren, nämlich die mit gutbürgerlichen Eltern dann "Aussteiger", faule Rumhänger und Kiffer, Marxisten, RAF Anghänger, Demonstranten und Linksgrüne waren.
![[image]](https://c8.alamy.com/compde/ba3ph2/70er-jahre-schwarz-weiss-foto-menschen-jugendliche-sitzen-auf-treppen-gruppe-von-menschen-leasurewear-langhaarige-jungen-und-madchen-im-alter-von-18-bis-25-jahre-niederlande-amsterdam-ba3ph2.jpg
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Und auch heute nicht das Heft in die Hand nehmen, sondern bei der kleinsten Belastung schon rumnölen und vor Langeweile depressiv werden.
Wohlstandsverwahrloste, schon damals.
DT