Fehlerhinweis: angeblicher Renditeanstieg der englischen consols NACH dem Kriegsende?
Hallo Ashitaka/Ostfriese,
habe den Fehler rot im Zitat markiert.
Nathan Rothschild hatte von der britischen Krone wegen der Finanzierung ihrer jahrelangen Kriege gegen Napoleon den Auftrag, bei Provisionen von 2 bis 6 Prozent bekommen, europaweit - trotz Kontinentalsperre - Gold und Silber aufzukaufen. Die kontinentalen Koalitionspartner wollten nämlich wegen ihrer politischen, militärischen und wirtschaftlichen Dienste in Edelmetall bezahlt werden und nicht in Pfund. Wegen der zunehmenden britischen Verschuldung fielen die Kurse der typischen dreiprozentigen 100-Pfund-consols von Februar 1792 bis zum Beginn der Schlacht bei Waterloo am 15. Juni 1815 von 96 auf 60 Pfund. Der Aufkauf von Edelmetall wurde noch verstärkt nach der Rückkehr Napoleons (Nathan Rothschild: Eine 'unerfreuliche Nachricht') von Elba am 1. März 1815 - während des Wiener Kongresses vom 18. September 1814 bis zum 9. Juni 1815 - in der Annahme, dass der kommende Krieg ein langer Konflikt werden würde - was sich beinahe als verhängnisvolle Fehleinschätzung erwies.
Die Schlacht von Waterloo (Wellington: die knappste Sache, die man sich vorstellen kann. ) endete für die Krone nach einem Tag mit dem Sieg. Was sollte jetzt mit den großen Bargeldbeständen in Edelmetallen geschehen? Die jetzt anstehende Demobilisierung führte zur Reduzierung der britischen Verschuldung und damit zur Erwartung von Nathan Rothschild des Anstieges der Renditen der consols.
Nein, genau anders herum!
Die Rothschilds setzten Gold und Silber zum Kauf von britischen Staatsanleihen ein. Ende 1817 verkauften sie sie mit einer Rendite von 40%. Damit war das finanzielle Fundament der Rothschild-Bank gelegt.
Die Kausalkette ist folgende:
Der Krieg beginnt. Der englische Staat braucht auf einmal viel Geld. Er verkauft also viel mehr Staatsanleihen (festverzinslich, keine Änderung der Couponhöhe über die Laufzeit). Die lassen sich nur verkaufen, wenn die Coupons höher sind als früher.
Die Renditen von Primärware (Anleihen neu, direkt von Vater Staat) ziehen also an.
Sekundärware ("gebrauchte" Staatsanleihen) mit niedrigeren Coupons, die an Börsen oder OTC gehandelt werden fällt im Kurs. Es gibt also mehr Coupon für's zum Kauf aufgewendete Geld, so dass es für Käufer egal ist, ob man Neuemissionen oder alte Staatsanleihen kauft.
Nun endet der Krieg vorzeitig. Der englische Staat braucht nicht mehr so viel Geld. Er kann frische Ware mit geringeren Coupons verkaufen. Infolgedessen können auch Verkäufer von alten Staatsanleihen mehr Geld für ihre Papiere beim Verkauf verlangen. Käufer, ob nun von Altanleihen oder von frischer Ware kriegen weniger Coupon für's Geld und die Kurse von Altanleihen steigen.
Wenn ich von steigenden und fallenden Renditen schreibe, gilt das nur für Neukäufer. Wer schon FESTVERZINSLICHE Anleihen (Normalfall) besitzt, für den ändert sich fast nichts. Sein einziges Risko, bzw. je nach Marktentwicklung auch Chance: Wenn er die Coupons nicht ausgibt, sondert wieder anlegt, dann kann er diese nur zu aktuellen Kapitalmarktkonditionen anlegen, also zu gleichen, höheren, aber auch niedrigeren Renditen.
Gruß
paranoia
P.S.: Falls Dir der Zusammenhang sonnenklar ist, betrachte den Beitrag als Erklärung für alle anderen, für viele Anleger ist die gemeine Anleihe ein unbekanntes Wesen. Dabei sind die Anleihemärkte viel bedeutender als die Aktienmärkte...
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Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.