Hallo Bergamr -
ich gehe unten auf die eher theoretischen Aspekte ein, gebe aber hier vorab ein einfaches Besipiel für direkte Demokratie und Rechtsstaatlichkeit und Problemlösung.
Bekanntlich bereitet die so genannte Zeitumstellung alljährlich vielen Menschen Probleme, und das nicht nur subjektiv, sondern es zeigen sich statistisch klare Häufungen von Krankenstand, Unfällen und sogar Todesfällen. Deswegen wird das seit langem politisch diskutiert, die wichtigsten Pros und Contras kann man im Wikipedia-Artikel nachlesen. Die aktuelle Situation ist die, dass die EU, die die erste Zuständigkeit hätte, den Schwarzen Peter ausnahmsweise! den Einzelstaaten zugeschoben hat, d.h. die dürfen jetzt entscheiden, wie sie's handhaben wollen. In Deutschland wechselt die Meinung innerhalb der politischen Parteien und innerhalb der Zeit, mal sind sie für eine Abschaffung der Zeitumstellung, mal sind sie dafür. In Umfragen will eine Mehrheit der Bevölkerung eine Abschaffung der Umstellung, aber es zeichnet sich keine klare Mehrheit ab für die beiden Optionen: Sommerzeit oder Winterzeit beibehalten. In der Medizin tendiert der Sachverstand eher in Richtung wie's früher war (also ohne Sommerzeit). Das Thema wird aktuell nicht diskutiert, d.h. auf die lange Bank geschoben - denn man hat ja wichtigere Dinge zu tun (Kriegführen, Klimaretten etc.).
In Deutschland hat der Bund die Hoheit für Maße, Gewichte, Zeitrechung, physikalische Konstanten usw. - aber wenn der Bund seiner Steuerungspflicht nicht nachkommt, haben die Länder legitim das Recht, diese Aufgabe an sich zu ziehen. Nun werden die Landesparlamente sich aber genausowenig mit diesem Thema beschäftigen wollen und haben ihre eigenen Ausreden (Flüchtlingskrise, Windräder, Wahlkampf usw.).
Ich frage mich nun: warum nutzt man nicht den Weg einer Volksinitiative, um hier Klarheit herzustellen. Die Fragestellung ist einfach und kommt fast einer Abstimmung gleich (während Entwürfe für Volksgesetze sehr viel mehr Sachverstand erfordern würden). Erste Frage lautet dann: Bist Du für oder gegen die Zeitumstellung? Zweite Frage, wenn Du dagegen bist: willst Du lieber Sommerzeit oder Winterzeit? Für den Antrag muss man je nach Bundesland eine fünfstellig Anzahl von unterstützenden Unterschriften sammeln, dann geht es zur Landesregierung oder zum Landesparlament. Wird dort nichts gemacht, kommt es zur amtlichen Abstimmung. Wenn eine solche Initiative gleichzeitig in allen Bundesländern durchgeführt wird, kommt eine bundeseinheitliche Wirkung zustande, die dann entweder über den Bundesrat oder - freundlicherweise - über das Bundesparlament in ein Bundesgesetz gegossen werden kann.
Und nun frage ich erneut: warum nutzt man nicht diesen so einfachen und banalen Weg, um die Frage nach der Zeitumstellung zu lösen? Natürlich kenne ich die Antwort: es hat niemand Interesse daran. Es ist wichtiger, mit dem Hund spazieren zu gehen; oder man ist gerade auf Reise, hat eine Einladung zur Party, möchte noch ein bißchen am Computer spielen, Zeit mit der Familie verbringen, sein Hobby pflegen, abwarten bis die Migräne vorbei ist - oder Überstunden machen und kein Geschäft auslassen etc. etc. etc. (ich habe mich jetzt selbst zitiert).
Nun behaupte ich aber, dass sämtliche politischen Fragen der Gegenwart sich auf diesem simplen Wege lösen ließen. Sämtliche! Und das nicht nur in Deutschland sondern weltweit - sofern man/frau hierzulande einmal beispielhaft mit 60 Millionen Wahlberechtigten vorangehen und zeigen würde, dass und wie es funktioniert. Und die ganzen Diskussionen um Fassadendemokratie oder um -kratie hin oder -kratie her, wie sie hier geführt werden, halte ich auch nur für billige Ausreden, um es ganz klar zu sagen. Denn der obig geschilderte Weg ist erstens praktikabel (jeder hat einen Kugelschreiber für eine Unterschrift) und außerdem geht dieser Weg absolut konform mit dem Prinzip der Rechtsstaatlichkeit. Es braucht hier keine Gewalt und keinen Pfefferspray, und das alles kann selbst bei einem Lockdown gemacht werden. Einzig ein Kugelschreiber und Kommunikation und Nachdenken und etwas Organisationstalent sind erforderlich. Aber das ist offenbar schon zu viel verlangt ...
Also werden die Verhältnisse nicht nur bleiben wie sie sind, sondern sie werden sich extrem verschlechtern. Denn der Staat, den wir gehabt haben, funktioniert micht mehr. Er soll zerstört werden. Die Gatter, mit denen die Herde gehegt wurde, werden abgebaut, und die Herde wird zum Schlachthof getrieben. Die Schafe werden noch ein paar Grasbüschel abgerissen, als Wegzehrung - und dann geht's los. Zurück bleiben schwarze Kugeln, und Kugelschreiber ...
@ Dieter: In Deiner Antwort schreibst Du unter anderem:
bezügl. Rechtsstaatlichkeit: Weisungsgebundenheit gehört abgeschafft. Richter und Staatsanwälte werden von den Volksvertretern gewählt und dürfen zuvor weder Paralamentarier noch Regierungsmitglieder gewesen sein (Volksnähe).
Ich habe exakt zu diesem zentralen Punkt einen Vorschlag gemacht und dabei darauf hingeweisen, dass bereits ein Gesetzentwurf in Bearbeitung ist. Den kann man verwenden und modifizieren und zum Gegenstand eines Volksgesetzes auf Landesebene machen - und nach dem oben beschriebenen Verfahren realisieren. Ohnehin haben die Länder die Hoheit über das Gerichtswesen, und wenn alle Länder gleichlautende Gesetze haben, muss der Bund aus Gründen der Rechtskonformität nachziehen.
@Morpheus schreibt unter anderem:
Wenn die Menschen verstanden haben, dass die gegenwärtigen Strukturen dauerhaft nur noch zu schlechten Ergebnissen führen, ... dann werden die Damen und Herren [in der Regierung] freiwillig gehen, weil sie keine Legitimität mehr haben und auch ihre Anweisungen niemand mehr ernst nehmen würde.
Das werden Sie kaum tun, sondern sie werden jede nur denkbare Idee, und sei sie noch so pervers (siehe Amri, siehe NSU, siehe 9/11, siehe Nordstream, siehe Krieg, siehe FED, siehe KI ...) nutzen, um ihren Status Quo zu erhalten. Und sie sind Dir immer drei Schritte und Schachzüge voraus. Ich habe in einem meiner letzten Beiträge den Vorschlag aufgeworfen, dass parallel zur 'gewählten' Regierung eine Ersatzregierung etabliert werden könne, mit voller Transparenz und Öffentlichkeit. Diese würde die oben erwähnten Volksinitiativen in Serie ergänzen und für einen Notfall bereitstehen. Macht hat, wer den Ausnahmezustand beherrschen kann.
@Beo2 ist, nachdem das Stichwort "Gewalt" eingeworfen worden war, auf diese Linie eingeschwenkt:
Leute, ohne "Herrschaft" (von Spielregeln & Rechtsicherheit) geht gar nichts ..!
Wir brauchen klare, sanktionierte Spielregeln und bewusste Beschränkung des Egoismus.
Hier ist zu sagen, dass es verschiedene Arten von Macht und Gewalt gibt (siehe unten). Nehmen wir wieder das ganz neutrale Beispiel des Straßenverkehrs. Wenn da '30km' steht, weil das so beschlossen wurde, dann fährt man halt in Gottes Namen '31km'. Und wenn ich dann erwischt werde, dann muss ich halt mein Bußgeld bezahlen. Entweder ich diszipliniere mich selbst - oder der Staat diszipliniert mich. Diese Gewalttätigkeit des Staates akzeptiere ich, denn auch der Bußgeldkatalog wurde 'beschlossen'.
@MausS: Wirklich, Du brauchst Dich überhaupt nicht entschuldigen! Ich fühlte mich in keinster Weise verletzt! Ganz im Gegenteil - etwas emotionaler Pfeffer belebt die Diskussion. Leider hast Du meine Frage nicht beantwortet - das ist aber nicht weiter schlimm. Wenn Gewalt für Dich legitim ist, warum arbeitest Du dann in GmbHs mit? Ist es nicht einfacher, Banken zu überfallen oder mit Drogen zu handeln oder Waffen zu schieben oder Cum-Ex-Geschäfte oder seriellen Mehrwertsteuerbetrug über die Landesgrenze hinweg zu tätigen?
Wo und wann bitte gab es in der historischen Wirklichkeit jemals soziale Organisationsformen ohne ein hierarchisches Gefälle, einschließlich der damit einhergehenden Befähigung zur Ausübung organisierter Gewalt?
Ich habe hierzu mal auf das neueste (posthume) Buch von David Gräber hingewiesen (ist leider dick sowie schwer zu lesen / für @Mephisto hatte ich eine Rezension rausgesucht und verlinkt). Dieses Buch zeigt auf, dass in der Phase beginnender Überschußproduktion (vor 6000 - 8000 Jahren) verschiedene Modelle nebeneinander existierten. Es hat sich dann aber ergeben (in der historischen Entwicklung), dass der gewalttätige und hierarchische Weg der effizientere war und ist. Deswegen muss er nicht der bessere sein. Im Augenblick wandern die Überschüsse (wo sie vorhanden sind) in Spiel und Spaß und Luxus und Bullshit - oder ins Militär und damit in extrem gesteigerte Aggression. Könnte sein, dass noch zu Deiner und meiner Lebzeiten, dieser Schuß nach hinten losgeht. Die frühen Industalkulturen wären ein gutes Beispiel relativ gewaltfreier Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme (hängt immer von der Populationsdichte und ihrer Relation zur Überschussproduktion und zu einer allgemein akzeptierten Verteilungsgerechtigkeit ab).
Und falls man dies, die Organisation der Gesellschaft ohne Implementierung eines Herrschaftsanspruchs, anstreben will: wie soll das praktisch umgesetzt und langfristig funktionierend gestaltet werden?
Wie oben am Beispiel der Zeitumstellung beschrieben. Da gibt 1001 vergleichbare Brettchen zu bohren. Aber solange niemand Interesse hat, auf diese Weise zu bohren, werden sie halt nicht gebohrt. Andere haben schon vorgebohrt, sie waren schneller, und ihre Löcher sind so groß, dass wir alle hineinfallen können.
@Bergamr fragt ganz ungedultig
Ich hab Dich schon vor einer Weile gefragt, konkret zu werden.
Wat is'n nu?
@Dieter hat das schon richtig formuliert, daß aus dem Gegenwärtigen mit den gegenwärtigen Mitteln nichts resultieren kann. Du aber behauptest, daß das doch geht. Nu beweis doch mal! Wäre gespannt ...
War das Beispiel mit der Zeitumstellung konkret genug? Das basiert auf einem rechtsstaatlichen Weg. Und wenn es nötig wäre, kann der Bürger sich weitere politische Instrumente auf eben demselben rechtsstaatlichen Weg erschaffen. Denn der Bürger, weil er der Souverän ist, darf auch seine Landesverfassungen, ja sogar das Grundgesetz ändern. WENN ER WILL. Aber ganz offensichtlich will er nicht. Nicht ich trage daran die Schuld und nicht "die Parteiendemokratie" und nicht Klaus Schwab und nicht Bill Gates. Sondern der fehlende politische Wille ist es. Es ist so, dass draußen in der Garage ein fix und fertiges und fahrbereites Auto steht, aber niemand will damit fahren.
Ich habe hier auf dem Forum mal die Eckpunkte zu einem Gesetzentwurf für eine 'sichere Bank' sehr konkret vorgestellt. Mit einer derartig konstruierten Bank kann zB. das nicht passieren, was mit der Credit Suisse nun geschehen ist. Außerdem wäre sie eine (vorbeugende) Alternative zu CBDC. Heute würde ich noch anfügen, dass diese Bank Auslandsfilialen eröffnen können sollte (womit der Auslandszahlungsverkehr formal in einen bankinternen Vorgang verwandelt werden könnte).
https://www.dasgelbeforum.net/index.php?id=591623 (zweiter von drei Teilen)
Es kann auf diese Weise eine neue "Bank deutscher Länder" konstituiert werden. Natürlich nur, wenn die Bürger das wollen. Wollen sie natürlich nicht. Lassen sich lieber ihr Geld wegnehmen.
Im Augenblick brüte ich über dem Thema "Aufnahmestopp". Italien hat gestern den "Notstand" ausgerufen, um keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen zu müssen (als Rechtfertigung gegenüber EU-Institutionen). Kommunen bzw. Landkreise hier in D können ebenfalls einen befristeten Aufnahmestopp beantragen - dafür ist das BAMF zuständig (das die Verteilung nach dem sog. "Königsteiner Schlüssel" regelt und überwacht). Die AfD fordert in mehreren Bundesländern diesen Aufnahmestopp. Leider ohne ihn rechtlich klar formulieren können. Eine Volksinitiative bzw. ein Volksgesetz braucht aber einen klaren rechtlichen Hebel, an dem sie einhaken kann. Denn es soll ja alles, das war die Ausgangsfrage, 'rechtsstaatlich' sein.
Ich danke allen Mitleserinnen für ihre Aufmerksamkeit, ganz besonders aber den Mitschreiberinnen für die vielen interessanten Gedanken.
Werde nun eine Schreibpause einlegen, d.h. genauer gesagt: hier auf dem Forum.
Allseits beste Wünsche und Grüße,
Weiner