Zinsen anheben? Wohl kaum!

Linder, Dienstag, 28.04.2020, 10:17 (vor 2101 Tagen) @ bolte1877 Views
bearbeitet von Linder, Dienstag, 28.04.2020, 10:20

Solange das ganze emittierte Geld nicht in der Realwirtschaft ankommt, sondern lediglich in der Finanzbranche umher wabert, ändert sich an den Zinssätzen so rasch überhaupt nichts.
Im Gegenteil. Werden Schulden noch teurer, ist der Rezessions- und damit der Deflationsdruck erst recht höher als ohnehin schon.
Man stellt Investitionen zurück und Leute aus, geht auf Nummer sicher und wartet ab.
Die Preise für Waren und Dienstleistungen werden erst nach der Marktbereinigung auf breiter Front ansteigen, wenn die fälligen Insolvenzen vollzogen sind, da sich dann weniger Anbieter einen annähernd gleich großen oder nur wenig kleineren Markt teilen. Ausnahmen gibt es nur dort, wo eine temporär gleichbleibende oder höhere Nachfrage auf ein geringeres Angebot trifft, wie z.B. die letzten Wochen bei Schutzmasken. Dies gleicht der Markt jedoch von alleine aus, dafür braucht es keine geldpolitischen Maßnahmen hinsichtlich des Zinses.

Zunächst verringert sich erst einmal die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes aus Sicht des Privaten, weil er während des Lockdowns nur eingeschränkt konsumieren konnte, von Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit betroffen ist, oder schlicht nicht konsumieren will, da er nicht weiß was als nächstes folgt.
All das senkt den Zins eher als dass er ihn beflügelt, die Umkehr würde erst eintreten wenn die reale Gefahr bestünde, dass das Geld (massiv) an Kaufkraft einbüßt. Dazu müsste jedoch die flächendeckende Verteilung von Helikoptergeld, o.ä. im Raum stehen. In Spanien steht dies zur Debatte, das allein reicht jedoch nicht aus.

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◇◇◇ GENESEN - GELACHT - GELOCHT ◇◇◇


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